Das Erste: Weltspiegel - Auslandskorrespondenten berichten
Am Sonntag, 11. Juni 2017, 19:20 Uhr vom BR im Ersten
ID: 1498182
Geplante Themen:
Frankreich: Macron - "En marche" auch bei der Parlamentswahl?
Dass sich mit einem klaren und leidenschaftlichen Bekenntnis zu
Europa Wahlen auch gewinnen lassen, hat Emmanuel Macron bereits bei
den Präsidentschaftswahlen bewiesen. Was dem jungen, pragmatischen
und ganz unprätentiösen Präsidenten noch fehlt, ist eine Mehrheit in
der Nationalversammlung. Und die Chancen für seine neue Partei "La
République en Marche" scheinen zumindest laut Umfragen gut, wenn am
Sonntag die erste Runde der Parlamentswahlen ansteht. Macron setzt
dabei auf unkonventionelle Kandidaten, unter anderen auf einen Star
der Wissenschaft, einen Mathematiker. Das Ziel: Frankreich und die
"Grande Nation" wieder als einen Aktivposten in die Europapolitik
einzubringen. Das ist wohl nicht nur die Hoffnung vieler Franzosen,
sondern vieler Europäer in einer Zeit, in der Populismus,
Terrorismus, Konflikte und Kriege die Tagesordnung der Politik in
höchster Geschwindigkeit diktieren. Der "Weltspiegel" berichtet über
erste Trends der Wahlen in Frankreich.
Autorin: Ellis Fröder, ARD Paris
Rumänien: Neuer NATO-Frontstaat?
Die russische Besetzung der Krim 2014 hat Rumänien aus Sicht der NATO
zum Frontstaat gemacht. In kurzen Abständen werden im ganzen Land
Großmanöver veranstaltet, jetzt gerade die 16-tägige Übung der
multinationalen Brigade für Schnelleinsätze mit 4000 Soldaten aus elf
NATO-Mitgliedsländern und unter deutschem Kommando. Und ganz entgegen
gängiger Trump-Tweets hat Washington angekündigt, in den kommenden
drei Jahren 40 Millionen US-Dollar in den Ausbau und die
Modernisierung von zwei Stützpunkten in Rumänien zu investieren. Noch
gibt es in Rumänien eine Art NATO-Begeisterung, nicht zuletzt wegen
der erheblichen infrastrukturellen Investitionen. Doch die ständige
Anwesenheit von internationalen Kampftruppen bleibt nicht ohne
Wirkung auf das gesellschaftspolitische und kulturelle Klima des
Landes. Wie etwa erleben die Menschen auf dem Land die sichtbar
verstärkte Militärpräsenz? Sind die Ängste vor einer kriegerischen
Auseinandersetzung im heutigen NATO-Land Rumänien gar größer als noch
vor dem Fall des Eisernen Vorhangs, als das Land Teil des Warschauer
Paktes war?
Autor: Michael Mandlik, ARD Wien
USA: Drogentote als Organspender
In den Vereinigten Staaten stammen 12 Prozent aller Spenderorgane von
Drogentoten - Tendenz steigend: in den Neuengland-Staaten kommt
bereits ein Viertel aller Organspenden von Menschen, die aufgrund
einer Suchterkrankung sterben. Charles Grugan starb mit 33 Jahren an
einer Überdosis Heroin. Eine seiner Nieren hat Rhonda Copeland von
der Dialyse befreit und ihr Leben gerettet. Organe von Drogentoten?
Harte Drogen, aber auch Schmerzmittel sind in den USA wieder auf dem
Vormarsch. Ihre Opfer sterben verhältnismäßig jung, zwischen 15 und
45 Jahren, und sind meistens in einem sehr guten allgemeinen
Gesundheitszustand. Eine Chance für alle, die dringend auf
Spenderorgane warten. Gleichwohl stellt sich die Frage nach der
Mitverantwortung von Pharmaherstellern bei ärztlich verordneten
Schmerzmitteln, die in die Sucht führen, immer dringlicher. Ärztlich
verordnete Sucht, die die einen das Leben kostet, das sie anderen
rettet. Das klingt wie aus dem Gruselkabinett des Dr. Frankenstein
und ist doch grausame Realität.
Autor: Markus Schmidt, ARD New York
Malawi: "Hyänen" - Kindesprostitution zwischen Armut und Tradition
Mit 13 der erste Sex, mit 15 gegen den eigenen Willen von der Familie
mit einem wildfremden Mann verheiratet. Dabei müssen sich Mädchen in
Malawi noch glücklich schätzen, wenn sie sich nicht mit HIV
angesteckt haben. In einer Mischung aus traditionellem Aberglauben
und bitterer Armut geben Verwandte Mädchen in die Obhut von fremden
Männern, weil sie nicht alle Kinder versorgen können. Falls die
Ehemänner nicht zeugungsfähig sind, werden so genannte Hyänen bemüht.
Das sind Männer, die für ihren Geschlechtsverkehr mit den jungen
Mädchen von den Angehörigen bezahlt werden, um sie zu schwängern.
Dies alles gilt als Teil eines traditionellen Rituals. Doch
mittlerweile droht den Hyänen Gefängnis. Denn Aktivistinnen klären
Familien und Mädchen in den Dörfern auf, fordern, das
Mindestheiratsalter auf 21 Jahre anzuheben. Die Opfer aus ihren
Zwangsehen zu befreien, ist für die mutigen Frauen von Organisationen
wie dem Mama Africa Foundation Trust gefährlich: Oft werden sie mit
dem Tod bedroht.
Autor: Thomas Denzel
Im Rahmen der ARD-Themenwoche 2017 "Woran glaubst Du?"
Nepal: Weiblich, göttlich, jung sucht... ein normales Leben: Die
Kumaris in Nepal
Jibika ist sieben, geht in die Schule - und wird in Nepal als Göttin
verehrt. Sie ist eine "Kumari", die Inkarnation einer hinduistischen
Gottheit, weil sie angeblich 32 Merkmale der Göttlichkeit aufweist.
Am Wochenende nimmt sie stoisch und kostümiert die Huldigungen der
Gläubigen entgegen, für die jede ihrer Bewegungen als himmlisches
Zeichen interpretiert wird - doch nur bis zur Pubertät. Denn das
Einsetzen der Regelblutung gilt als Indiz dafür, dass die Göttin
ihren Körper verlassen hat. Dann wird die nächste Kumari ausgewählt,
während die bisherige einer oft harten Zukunft entgegensieht. Denn
viele Männer wollen keine Kumari heiraten, weil das Unglück bringen
soll. Solche Vorurteile kennt niemand besser als die Ex-Göttin
Sumana. Sie hat letztendlich einen Atheisten geheiratet, zwei Kinder
bekommen und schlägt sich durch den harten Alltag. In diesen Tagen
kandidiert sie als Stadträtin für die maoistische Partei. Wird ihr
die göttliche Vergangenheit zum Wahlsieg verhelfen?
Autor: Markus Spieker, ARD Neu-Delhi
Redaktion: Brigitte Abold
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Datum: 09.06.2017 - 09:16 Uhr
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