Alle 35 Sekunden steckt sich ein Kind im Jemen mit Cholera an

Alle 35 Sekunden steckt sich ein Kind im Jemen mit Cholera an

ID: 1499685
(ots) - Die Cholera-Epidemie im Jemen gerät außer
Kontrolle, mindestens ein Kind wird jede Minute mit dem potenziell
tödlichen Erreger angesteckt, warnt die Kinderrechtsorganisation Save
the Children. Damit hat sich die Infektionsrate in den vergangenen
zwei Wochen mehr als verdreifacht: Geschätzte 5.470 neue
Verdachtsfälle treten täglich auf, davon 46% bei Kindern unter 15
Jahren.

"Das ärmste Land der Region steht kurz davor, zusammenzubrechen",
warnt Grant Pritchard, Länderdirektor von Save the Children Jemen.
"Kinder sterben, weil sie keine medizinische Grundversorgung
erhalten. Die tödliche Epidemie kann nur aufgehalten werden, wenn wir
medizinische Hilfe in den Jemen bringen können - was durch
inakzeptable Auflagen und lange Verzögerungen, z.B. durch die
Schließung des Flughafens von Sana'a, verhindert wird. Wir von Save
the Children fordern, dass die finanziellen Mittel für die Nothilfe
erheblich angehoben werden, bevor Tausende jemenitischer Jungen und
Mädchen an einer gänzlich vermeidbaren Krankheit sterben."

Mehr als 2 Millionen Kinder Jemens sind akut mangelernährt und
damit besonders gefährdet, weil ihre geschwächten Immunsysteme nicht
gegen die Krankheit ankommen. Bereits jetzt sterben mehr als 30
Menschen täglich an Cholera/AWD (Acute Watery Diarrhoe). 300.000 neue
Fälle werden für die kommenden Monate vorausgesagt. Jemens
Gesundheitssystem kollabiert unter der großen Anzahl kranker
Menschen, die Symptome wie Durchfall, Sich-übergeben und Austrocknen
zeigen. Die Cholera breitet sich schnell aus.

Dabei ist Cholera einfach und günstig zu behandeln, vorausgesetzt
Patienten haben Zugang zur entsprechenden Versorgung. Doch die
angeschlagene logistische und soziale Infrastruktur des Landes, die
Nahrungsmittelunsicherheit, das versagende Wirtschaftssystem und der


andauernde Krieg verhindern, dass die Menschen rechtzeitig Hilfe
finden können. Krankenhäuser sind überfüllt, gleichzeitig können sie
nur eingeschränkt arbeiten, weil es an Medikamenten, Ausstattung und
Personal mangelt. Einige wurden zu Zielen bewaffneter Angriffe im
andauernden Konflikt. Besonders schwierig ist die Situation in den
entlegeneren Gebieten des Landes. Die Cholera hat auch wegen des
Mangels an sauberem Wasser leichtes Spiel.

Der 53-jährige Saleh erzählt Mitarbeitern von Save the Children
von den Schwierigkeiten, seine kranken Kinder ins Krankenhaus zu
bringen: "Zuerst habe ich meine Kinder in ein Krankenhaus in Abs
(Provinz Hajjah) gebracht, wo man ihnen einige Tabletten und Tropfen
gab. Aber wir durften nicht rein, weil die Klinik voller kranker
Menschen war. Also haben wir uns ein Taxi bis nach Sana'a genommen.
Das ist mehr als 200 km weit weg. Der Transport war wirklich das
schwierigste. Ich musste über 50 Euro bezahlen, um von meinem Dorf
nach Abs zu kommen. Und dann noch einmal fast 70 Euro bis nach
Sana'a."

Save the Children und andere humanitäre Organisationen haben den
sogenannten "Integrated Cholera Response Plan" entwickelt, in dem sie
den dreifachen Betrag (im Gegensatz zum bisherigen) aufrufen: 59
Millionen Euro werden benötigt, um Gesundheits-, Hygiene- und
Kommunikationsmaßnahmen ergreifen zu können, die den Menschen vor Ort
wirklich helfen können. Die Geber müssen diese Gelder dringend frei
geben, bevor noch mehr Menschen umkommen.

Weitere Zahlen und Statistiken finden Sie im unteren Teil dieser
Pressemeldung. Um Näheres über den Einsatz von Save the Children im
Jemen zu erfahren oder ein Interview mit Mitarbeitern vor Ort zu
vereinbaren, kontaktieren Sie bitte die Pressestelle.

Multimedia-Link:

http://ots.de/pd09w

Das Material kann unter Angabe von ©Save the Children kostenfrei
auch zur Weitergabe an Dritte genutzt werden.

Zahlen und Statistiken:

- Bis zum 13. Juni wurden in 20 der 22 jemenitischen
Regierungsbezirke129.185 Verdachtsfälle auf Cholera/AWD und 942
Todesfälle registriert. Die meisten Todesfälle gibt es in den
Gemeinden, die aufgrund der gefährlichen Lage nicht erreicht werden
können. In den vergangenen Wochen gab es ca. 5.470 Neu-Infektionen
pro Tag.

- 46% der Cholera-Verdachtsfälle sind Kinder unter 15 Jahren, 54%
sind Mädchen und Frauen.

- Seit Mitte März 2015 hat sich der Konflikt im Jemen auf 21 der
22 Regierungsbezirke im Land ausgeweitet.

- 18,8 Mio. Menschen brauchen dringend humanitäre Hilfe. Das sind
70% der Bevölkerung, einschließlich 10,3 Mio. Kinder (UNOCHA, Yemen
HNO 2017).

- Zwischen März 2015 und dem 14. April 2017 wurden 8.010 Menschen
getötet (UNOCHA) und 44.538 verletzt (Gesamtzahl der Opfer: 52.548).

- Mehr als 6,2 Mio. Kinder sind schutzbedürftig (UNOCHA, Yemen HNO
2017).

- 14,5 Mio. Menschen, einschließlich 8 Mio. Kinder, haben keinen
Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen (UNOCHA, Yemen HNO
2017). 4,5 Mio. Kinder und schwangere oder stillende Frauen brauchen
dringend Nahrungsmittelunterstützung. 1,1 Mio. der schwangeren oder
stillenden Mütter und 2,2 Mio. Kinder unter 5 Jahren sind bereits
akut mangelernährt, 462.000 Kinder sind schwer akut mangelernährt.

Für mehr aktuelle Informationen folgen Sie uns online:
www.savethechildren.de
@stc_de
Save the Children Deutschland

Über Save the Children

Save the Children ist als größte unabhängige
Kinderrechtsorganisation der Welt in mehr als 120 Ländern tätig. Die
Schwerpunkte liegen in den Bereichen Schule und Bildung, Schutz vor
Ausbeutung und Gewalt sowie Überleben und Gesundheit - auch in
Katastrophensituationen. Save the Children setzt sich ein für eine
Welt, die die Rechte der Kinder achtet. Eine Welt, in der alle Kinder
gesund und sicher leben und frei und selbstbestimmt aufwachsen
können.



Pressekontakt:
Save the Children Deutschland e.V.
Pressestelle - Diane Nakschbandi
Tel.: +49 (30) 27 59 59 79 - 120
Mail: presse@savethechildren.de

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Datum: 14.06.2017 - 09:53 Uhr
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