NOZ: NOZ: Stiftung Patientenschutz: "Hunderttausende von Pflegebedürftigen leiden"
ID: 1500097
Pflegebedürftigen leiden"
Vorstand Brysch: Wir brauchen eine Kultur des Hinschauens -Debatte
über Gewalt in der Pflege gefordert
Osnabrück. Zum Welttag gegen die Misshandlung alter Menschen an
diesem Donnerstag hat die Deutsche Stiftung Patientenschutz eine
"Kultur des Hinschauens" bei Gewalt in der Pflege gefordert. In einem
Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag) sagte
Stiftungsvorstand Eugen Brysch: "Wir brauchen eine offene
Fehlerkultur, die Pflegebedürftige schützt."
Brysch zeigte sich besorgt über die Ergebnisse einer Studie des
Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP). Danach sehen knapp die
Hälfte (47 Prozent) von 250 befragten Pflegedienstleitungen und
Qualitätsbeauftragten aus stationären Einrichtungen in Konflikten,
Aggression und Gewalt in der Pflege eine besondere Herausforderung.
Brysch betonte: "Sollten sich die Zahlen der ZQP-Studie bestätigen,
dann reden wir von hunderttausenden Pflegebedürftigen, die unter den
Übergriffen leiden. Das ist alarmierend."
Der Patientenschützer forderte, auf allen Ebenen müsse über Formen
der Gewalt gesprochen werden: "So wird sensibilisiert." In
Pflegeheimen und Krankenhäusern sei jeder einzelne im Team gefordert.
Ärzte und Pflegedienste müssten bei Hausbesuchen genau hinschauen und
Verantwortung übernehmen. Der Patientenschützer verlangte: "Es gilt,
ein Gespür für die Gewalt gegen Pflegebedürftige zu entwickeln."
Dabei müsse mit zwei Irrtümern aufgeräumt werden. "Gewalt in der
Pflege ist nicht nur körperliche Misshandlung. Sie fängt viel früher
an", betonte Brysch. Dazu gehöre, dass Pflegebedürftige fixiert oder
auf der Toilette sitzen gelassen werden, dass sie beschimpft und
gedemütigt werden. Ein großes Problem sei auch, dass in vielen
Pflegeheimen Patienten mit Psychopharmaka ruhig gestellt werden. Aber
auch zuhause komme es immer wieder zu Übergriffen.
Nach Ansicht des Patientenschützers ist nicht immer Überforderung
der Pflegenden der Grund. Brysch sagte: "Es sind nicht selten niedere
Motive, die sowohl Profis als auch Angehörige zu Tätern werden
lassen. Dazu gehören Machtphantasien, Eigensucht oder
Selbstüberschätzung."
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Datum: 15.06.2017 - 05:00 Uhr
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