Börsen-Zeitung: Wahnsinn mit Methode,
Kommentar zu Argentiniens Bondmarktauftritt von Christopher Kalbhenn
ID: 1501851
einem Volumen von mehr als 100 Mrd. Dollar die bislang größte
Staatspleite hinlegte, hat sich mit einer hundertjährigen Anleihe an
den Kapitalmarkt getraut. Doch was auf den ersten Blick wie eine
waghalsige Kommandoaktion wirkt, ist in Wirklichkeit gar keine. Wie
bei vielen höher rentierlichen Anleihen zurzeit üblich, wurde auch
dieses Papier dem Emittenten förmlich aus den Händen gerissen.
Argentinien ist erst das vierte Land, das eine Hundertjährige
emittiert hat. Die Investoren überschütteten das Land bei einem
Volumen von 2,75 Mrd. Dollar mit Orders über rund 10 Mrd. Dollar, so
dass die zunächst avisierte Verzinsung von 8,25 Prozent auf 7,92
Prozent reduziert werden konnte. Das war nur rund ein Prozentpunkt
höher als die laufende Verzinsung der 30-jährigen Dollar-Anleihe des
Landes. Ein Schnäppchen für den argentinischen Staat, der vor wenigen
Jahren von solchen Konditionen nicht einmal hätte träumen können.
Zwar hat sich die Lage in dem Land, dem nach seinem Bankrott 15
Jahre lang der Gang an den Kapitalmarkt versperrt gewesen war,
verändert, und zwar aus Sicht der Finanzmärkte zum Positiven. Seit
Dezember 2015 wird es mit Mauricio Macri von einem marktfreundlichen
Präsidenten regiert. Dennoch sind die sehr hohe Nachfrage nach der
Anleihe und das Resultat dieser Transaktion alles andere als
nachvollziehbar.
Denn der gebotene Zins für den mit der Note "B" tief im
Junk-Bereich verankerten Emittenten ist, wenn man ihn gegen die dafür
einzugehenden Risiken hält, ein Witz, über den die Investoren
vermutlich nicht hundert Jahre lang lachen werden. Die Historie
bietet jedenfalls wenig Anhaltspunkte dafür, dass die Anleihe jemals
zurückgezahlt wird. Seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1816 ist der
Staat zehnmal pleitegegangen, allein seit 1951 sechsmal. Zuletzt gab
es erst 2014 einen so genannten Selective Default.
Das macht aber nichts, da der Markt angesichts des extrem
niedrigen Zinsniveaus auch ein entsprechend selektiv arbeitendes
Gedächtnis zu haben scheint. Anders ausgedrückt: In ihrer
Verzweiflung angesichts der extrem niedrigen Zinsen greifen die
Investoren nach allem, was höhere Renditen auf dem Papier hat und bei
drei nicht auf den Bäumen ist. Die ultralockere Geldpolitik und die
Spekulation, dass Zentralbanken und Regierungen es im Notfall schon
irgendwie richten werden, treibt die Investoren auf eine immer
absurder werdende Art und Weise ins Risiko.
Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion
Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de
Original-Content von: B?rsen-Zeitung, übermittelt durch news aktuell
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 20.06.2017 - 20:35 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1501851
Anzahl Zeichen: 2987
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Frankfurt
Kategorie:
Wirtschaft (allg.)
Diese Pressemitteilung wurde bisher 340 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Börsen-Zeitung: Wahnsinn mit Methode,
Kommentar zu Argentiniens Bondmarktauftritt von Christopher Kalbhenn"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Börsen-Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die internationale Anleihefamilie ist vor wenigen Tagen um ein neues Mitglied erweitert worden. Nach den Green Bonds gibt es nun einen weiteren Bond mit Farbanstrich: Blue Bonds. Die Pionierrolle übernahm die Inselrepublik Seychellen, die einen zehnjährigen Bond zu einer Rendite von 6,5 Pro
Börsen-Zeitung: Die Hoffnung stirbt zuletzt, Kommentar zum Brexit von Andreas Hippin ...
Die britische Regierung hat derzeit ein großes Interesse daran, einen Deal mit der EU in greifbare Nähe rücken zu lassen. Spindoktoren haben Urlaubssperre. Positive Äußerungen aus London erhöhen den Druck auf die Gegenseite, Zugeständnisse zu machen, so das Kalkül. Zudem will Premiermin
Börsen-Zeitung: Trick or Treat?, Kommentar zur chinesischen Konjunktur von Norbert Hellmann ...
Passend zum Halloween-Fest laufen aus China gruselige Konjunkturdaten ein. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für den Industriesektor, der die Stimmungslage bei den großen Zugpferden im Verarbeitenden Gewerbe abbildet, fällt wesentlich stärker als erwartet auf 50,2 Punkte und damit auf den
Weitere Mitteilungen von Börsen-Zeitung
WAZ: Eine Folge der Digitalisierung - Kommentar von Stefan Schulte zu den Schließungsplänen der AOK ...
Die Digitalisierung hat die Republik fest im Griff. Die einen sehen in ihr den Schlüssel zu mehr Wohlstand, die anderen eine Bedrohung für ihre Arbeitsplätze. Die enorme Vereinfachung der Kommunikation empfindet freilich die große Mehrheit als Segen, darunter auch immer mehr Ältere. Das
Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Unternehmen/Krones ...
Dem Getränkemaschinen-Riesen kommt entgegen, dass sich die Welt auf ihn zu entwickelt. Stark wachsende Mittelschichten weltweit, die vor allem in Städten leben, dürsten vor allem nach abgepackten Lebensmitteln und Getränken. Die globale Bevölkerung wächst, was zusätzlich die Nachfrage erhÃ
Straubinger Tagblatt: Regeln für automatisiertes Fahren: Das kann ein Exportschlager werden ...
Letztlich werden jene, die selbstfahrende Autos auf die Straße bringen, ein größeres Haftungsrisiko übernehmen müssen. Ihre große Herausforderung wird es sein, die Software so zu programmieren, dass die nach ethischen Grundsätzen entscheidet. Die Kommission hat Empfehlungen dafür vorgele
First Global und LianLian Pay starten weltweit ersten Überweisungsservice auf Social Messaging-Basis über die WeChat-Plattform in den USA ...
First Global und LianLian Pay starten weltweit ersten Überweisungsservice auf Social Messaging-Basis über die WeChat-Plattform in den USA NICHT ZUR VERBREITUNG IN DEN VEREINIGTEN STAATEN ODER ÜBER US-NACHRICHTENDIENSTE BESTIMMT. TSX Venture Exchange: FGD Frankfurte




