Südwest Presse: Leitartikel zum bevorstehenden G20-Gipfel
ID: 1507393
Brauchen wir eine neue Form des globalen Handels? Mit dieser
Frage, die sich vor dem G20-Gipfel aufdrängt, könnte man jetzt
beginnen, da wieder medienwirksam gegen die Globalisierung
protestiert werden wird. Das lohnt jedoch wenig, weil die Kritiker
nur das alte Vorurteil aufwärmen, Gipfeltreffen dieser Art seien so
etwas wie eine Verschwörung "der Wirtschaft/ der Konzerne" gegen die
Interessen der Menschen. Leider muss man sich doch mit solchem Unsinn
auseinandersetzen, weil sich zu den bekannten Globalisierungsgegnern
von links jetzt auch der mächtigste Mann der Welt gesellt: Donald
Trump, der neue US-Präsident, hat die alte Weltwirtschaftsordnung
aufgekündigt. Ausgerechnet die USA, die bislang als Garant eines auf
internationalen Abkommen und Organisationen basierenden Systems
standen, verabschieden sich und kündigen den Konsens auf, dass
international geltende Regeln und Standards besser sind als
nationaler Egoismus. Man kann nur hoffen, dass der Handelskrieg, der
daraus zwangsläufig folgen müsste, doch nicht kommt. Bislang deutet
aber wenig darauf, dass Trump die ökonomischen Folgen einer auf
Protektionismus ausgerichteten Wirtschaftspolitik verstanden hat und
überblickt. Ob Internationaler Währungsfonds, Weltbank, OECD oder
Welthandelsorganisation (WTO) - all diese von den USA maßgeblich
eingerichteten und finanzierten Institutionen mögen ihre
Unzulänglichkeiten haben. Als Prinzip haben sie sich ebenso bewährt
wie die Idee gegenseitigen Handels, die den weltweiten Wohlstand auf
ein nicht gekanntes Niveau gehievt hat. Mag man sich vorstellen, was
die Alternative dazu ist? Man kann es kaum - weder ökonomisch, noch
politisch. Und doch ist gerade dies die Situation, in der sich die
Globalisierung befindet. Russland ist nach der Krim-Annektion aus dem
G7-Club der führenden Wirtschaftsmächte schon ausgeschieden. Wenn
jetzt auch die USA ausfallen würden, brächte der Rest zu wenig
Gewicht auf die Waage. Wer wollte das Vakuum denn füllen, China etwa?
Wer wie die USA multilaterale Abkommen aufkündigt und stattdessen
zweistaatliche (bilaterale) Verträge aushandeln möchte, setzt auf das
Recht des Stärkeren. Das ist bedauerlich, bedeutet aber nicht das
Ende des internationalen Wirtschaftsaustausches. Denn eine positive
Wirkung haben die Populisten in den USA und in Großbritannien schon
erzielt. Die Europäer, traditionell nur schwierig unter einen Hut zu
bringen, drängen sich jetzt enger zusammen als zuvor. Das könnte die
große Chance der EU sein. Sie verhandelt gerade das
Freihandelsabkommen mit Japan, bei dem es um knapp ein Drittel der
Weltwirtschaftsleistung geht. Weitere bilaterale Verträge sollten
folgen - mit Mexiko und weiteren Wirtschaftsräumen Südamerikas, auch
mit China. Zweiseitige Abkommen sind allerdings nur die zweitbeste
Lösung. Braucht die Welt eine neue Form des globalen Handels? Nein,
die bisherige wäre besser. Wenn die Zeit der Populisten vorbei ist,
sollte und wird sie wieder ausgebaut werden.
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Ulrike Sosalla
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Datum: 04.07.2017 - 19:41 Uhr
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