HIV/Aids: Deutschland hat UN-Ziele noch nicht erreicht
ID: 1512882
um HIV-Infektionen und Aids-Erkrankungen zu vermeiden / Bausteine des
Erfolges: Behandlung für alle, der HIV-Heimtest und Prophylaxe PrEP /
Berlin kann als Fast-Track-City vorangehen / Wichtige Botschaft: "Im
Zweifel zum HIV-Test!"
UNAIDS berichtet heute von Fortschritten und Herausforderungen im
weltweiten Engagement gegen HIV/Aids. Immer mehr Länder erfüllen die
so genannten 90-90-90-Ziele der Organisation. Bis zum Jahr 2020
sollen weltweit mindestens
- 90 Prozent der Menschen mit HIV von ihrer Infektion wissen
- 90 Prozent davon Medikamente erhalten
- 90 Prozent davon "unter der Nachweisgrenze" sein (HIV ist mit
den gängigen Methoden nicht mehr nachweisbar und nicht mehr
übertragbar)
Anders als zum Beispiel Schweden, Großbritannien oder Botswana
erfüllt Deutschland diese Etappenziele noch nicht. Laut
Robert-Koch-Institut (RKI) liegen die Zahlen derzeit bei 85 - 84 -
93.
Knapp 13.000 Menschen in Deutschland wissen nichts von ihrer
Infektion und erhalten folglich keine Behandlung. Mehr als 1.000
Menschen erkranken darum jedes Jahr in Deutschland an Aids - obwohl
das längst vermeidbar wäre.
Dazu erklärt Manuel Izdebski vom Vorstand der Deutschen
AIDS-Hilfe:
"Deutschland hat die UN-Ziele trotz bester Bedingungen noch nicht
erreicht. Wir haben alle Mittel, frühzeitige Diagnosen zu ermöglichen
und Aidserkrankungen zu verhindern. Staat und Zivilgesellschaft
müssen ihre Anstrengungen jetzt noch verstärken, um allen Menschen
passende Test- und Behandlungsangebote zu machen. Wir können und
müssen noch eine Schippe drauflegen. Gefragt sind dabei auch
innovative Maßnahmen."
Fast-Track-City Berlin
Mit großen Hoffnungen schaut die Deutsche AIDS-Hilfe zurzeit auf
Berlin: Die Hauptstadt hat sich im Rahmen eines UNAIDS-Programms
verpflichtet, als "Fast-Track-City" besonders intensive Maßnahmen zu
ergreifen. Die Deutsche AIDS-Hilfe hofft, dass weitere Städte folgen.
"Berlin ist die Stadt mit den meisten HIV-Infektionen in
Deutschland. Hier können beispielhafte Erfolge erzielt werden", sagt
Manuel Izdebski. "Bei der Versorgung von Menschen ohne
Aufenthaltspapiere und bei der Einführung der HIV-Prophylaxe PrEP
könnte Berlin Maßstäbe für ganz Deutschland setzen."
Zugang zu HIV-Behandlung, Heimtest, HIV-Prophylaxe
HIV-positive Menschen ohne Aufenthaltspapiere sind zurzeit oft
faktisch von medizinischer Versorgung ausgeschlossen. Die Folge sind
Aids-Erkrankungen und weitere HIV-Infektionen, die durch Medikamente
leicht verhindert werden könnten.
Die reguläre Einführung der PrEP - die bisher nicht von den
Krankenkassen finanziert wird - würde nicht nur zahlreiche
HIV-Infektionen verhindern, sondern auch dazu führen, dass Menschen
mit hohem HIV-Risiko sich regelmäßig testen lassen.
Für beide Themen ist eine bundesweite Lösung dringend
erforderlich, damit Deutschland beim Engagement gegen HIV und Aids
nicht den Anschluss verliert.
Ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg zu den 90-90-90-Zielen
ist die Einführung des HIV-Selbsttests für zu Hause, die zurzeit im
Bundesgesundheitsministerium geprüft wird.
Null Diskriminierung
Mit ihrer Kampagne "Kein Aids für alle!" gehen die Deutsche
AIDS-Hilfe und ihre 120 Mitgliedsorganisationen seit Mai gezielt
Hindernisse an, die Menschen vom HIV-Test abhalten.
Besonders wichtig: Viele Menschen gehen nicht zum Test, weil sie
HIV irrtümlich noch immer mit schwerer Krankheit und Tod verbinden
oder weil sie Angst vor Ausgrenzung haben. Häufig wird darum
mittlerweile von den 90-90-90-0-Zielen gesprochen: 0 steht dabei für
null Diskriminierung.
"Es gilt, Diskriminierung entgegenzutreten und deutlich zu machen:
Mit HIV kann man heute lange und gut leben - wenn man rechtzeitig von
der Infektion erfährt und mit einer Behandlung beginnt. Im Zweifel
ist ein HIV-Test die richtige Wahl!", betont Manuel Izdebski.
Weitere Informationen:
Pressemitteilung von UNAIDS: http://ots.de/jihNK
Ausführliche Informationen zum Start von "Kein Aids für alle!":
http://ots.de/LkH0u
Kampagnenwebsite "Kein Aids für alle": www.kein-aids-fuer-alle.de
Fast-Track-City Berlin: http://ots.de/8mRa1
Versorgung von Menschen ohne Papiere: http://ots.de/cSkGA
PrEP: http://ots.de/ArmID
Pressekontakt:
Deutsche AIDS-Hilfe
Holger Wicht
Pressesprecher
Tel. 030 69 00 87 - 16
mobil 0171 274 95 11
holger.wicht@dah.aidshilfe.de
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Datum: 20.07.2017 - 12:45 Uhr
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