Lausitzer Rundschau: Dicke Luft
Gericht erlaubt Diesel-Fahrverbote in Stuttgart
ID: 1515604
kommt es knüppeldick. Betrug bei der Abgasreinigung, mutmaßlich
illegale Absprachen unter den einschlägigen Konzernen, ein
Zulassungsverbot für bestimmte Nobelfahrzeuge und nun auch noch das
Urteil des Verwaltungsgerichts Stuttgart, das Fahrverboten generell
den Weg ebnet. Da fällt es wohl auch Fachleuten schwer, noch den
Überblick zu behalten. Zumal kaum jemand an ein rasches Ende der
Eskalationsspirale glauben mag. Was kommt da noch alles auf VW,
Daimler & Co zu? Spätestens mit dem jüngsten Richterspruch auf
Initiative der Deutschen Umwelthilfe ist klar, dass die Autogiganten
den Diesel-Skandal nicht länger als eine Art Betriebsunfall abtun
können, der mal eben per Software-Update aus der Welt zu schaffen
wäre. Zwar muss der Stuttgarter Richterspruch juristisch noch nicht
das letzte Wort sein. Aber sein zentrales Argument, wonach der
allgemeine Gesundheitsschutz höher gewichtet werden müsse als die
Rechte betroffener Kraftfahrzeugbesitzer, lässt sich schwerlich
entkräften. Wenn der Luftreinhalteplan der von besonders starken
Luftverunreinigungen gebeutelten Landeshauptstadt Baden-Württembergs
wirklich das Papier wert sein soll, dann sind Fahrverbote nach
heutigem Stand unumgänglich. Den schlagenden Gegenbeweis hat die
Autoindustrie bislang nicht geliefert. Ihr Heilsversprechen, die
Fahrzeuge durch Nachrüstung beim Schadstoffausstoß wieder salonfähig
machen zu können, klingt sehr schwammig. Schon deshalb dürften nun
auch andere Großstädte Fahrverbote ernsthaft in Betracht ziehen. Es
wäre ein weiterer Sargnagel für den Diesel-Antrieb. Das Urteil der
Stuttgarter Verwaltungsrichter ist allerdings auch eine große Blamage
für die Politik. In erster Linie für die Landesregierung, die
bekanntlich von einem grünen Ministerpräsidenten angeführt wird. Das
traditionelle Bündnis zwischen der Öko-Partei und Umweltverbänden ist
stark angekratzt. Für den grünen Wahlkampf dürfte das kaum hilfreich
sein. Dabei war auch Winfried Kretschmann zunächst ein Verfechter von
Fahrverboten, um später jedoch ebenfalls auf die
Nachrüstungsphilosophie einzuschwenken. Das wirft generell die Frage
nach dem Verhältnis zwischen Politik und Automobilwirtschaft auf. Es
war Angela Merkel, die vor vier Jahren einen EU-Kompromiss über
Verbrauchsobergrenzen torpedierte. Und wenn der ehemalige
Verkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) inzwischen dem Verband der
Automobilindustrie vorsteht und der amtierende Regierungschef von
Niedersachsen, Stephan Weil (SPD), in Sachen Diesel-Skandal völlig
hilflos wirkt, obwohl er doch im VW-Aufsichtsrat sitzt, dann hat das
ebenfalls einen faden Beigeschmack. Viel Vertrauen ist auf diese
Weise den Bach runtergegangen. Mit einem großen Budenzauber namens
Diesel-Gipfel in der kommenden Woche in Berlin wird dieses Vertrauen
kaum zurückzugewinnen sein, denn irgendwie scheinen doch alle unter
einer Decke zu stecken. Es braucht den Druck von unabhängiger Seite,
wie jetzt durch die Stuttgarter Verwaltungsrichter.
Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau
Telefon: 0355/481232
Fax: 0355/481275
politik@lr-online.de
Original-Content von: Lausitzer Rundschau, übermittelt durch news aktuell
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 28.07.2017 - 19:05 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1515604
Anzahl Zeichen: 3567
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Cottbus
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 367 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Lausitzer Rundschau: Dicke Luft
Gericht erlaubt Diesel-Fahrverbote in Stuttgart"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Lausitzer Rundschau (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Es ist übertrieben, Restaurantbesuche in der Corona-Pandemie noch stärker zu beschränken - indem wie jetzt in Sachsen und Brandenburg Geimpfte und Genesene zusätzlich einen negativen Schnelltest vorweisen müssen. 2G plus bevorzugt die Geboosterten vor jenen Erwachsenen beim Essen gehen, die
Fehlende Lobby für die Lausitz? - Zu den Abgeordneten in Bundestagsausschüssen ...
Für die Lausitz wird es ernst im Strukturwandel. Wichtige Entscheidungen zum Kohle-Ausstieg, aber auch zur Verteilung der zugesagten Milliarden-Zahlungen zur Anpassung des Wandels stehen an. Ein wichtiges Wort spricht dabei der Bundestag mit. Die entsprechenden Gesetze müssen dort verabschiedet
Sachsens neue Bürgerlichkeit - zum Regierungsbündnis in Corona-Zeiten ...
Meißen wird gern als die Wiege Sachsens bezeichnet. Aktuell hat der Kreis rund um die alte Bischofsstadt an der Elbe einen traurigen Rekord zu vermelden. Mit 2328,1 führt er die Inzidenz-Statistik an, dicht gefolgt vom benachbarten Mittelsachsen mit 2099,4. Das sind erschreckend hohe Zahlen, fü
Weitere Mitteilungen von Lausitzer Rundschau
Schwäbische Zeitung: Die Wutbürger applaudieren - Ein Kommentar zum Diesel-Fahrverbot in Stuttgart ...
Es ist eine Ohrfeige für die Politik, und sie schallt bis nach Berlin. Jahrelang haben Richter den Verantwortlichen aufgetragen, für saubere Luft zu sorgen. Es besserte sich etwas, aber nie genug. Nun hat nach Bayern und Nordrhein-Westfalen Baden-Württemberg die Quittung dafür bekommen. Ei
Mitteldeutsche Zeitung: zu Rechtsextremismus ...
Kein Thema ist so vermint wie das des Rechtsextremismus in Ostdeutschland. Deshalb ist größte Sorgfalt Pflicht. An ihr hat es offensichtlich gefehlt. Sämtliche Zahlen belegen seit 1990 eindeutig, dass der Osten für Rechtsextremismus anfälliger ist als Westen, allen voran die Wahlerfol
Mitteldeutsche Zeitung: zu Autobranche ...
Bei der Mobilität wird vieles mit dem Weg von der Kutsche zum Automobil verglichen. Kanzlerin Angela Merkel hat das erkannt und beklagt. Mehrfach hat sie ihre Skepsis über die Entwicklung der Autobranche geäußert. Sie hat an den letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. erinnert, der auf Pferde
Berliner Zeitung: Kommentar zu Autokartell und Verkehrspolitik. Von Daniela Vates ...
Die Politik ist gelähmt von der panischen Angst um Arbeitsplätze in der deutschen Vorzeigebranche. Eine Million Jobs, jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland, sind direkt oder über die Zulieferbetriebe verbunden mit VW, BMW und Konsorten. Also werden Grenzwerte hochgesetzt, Rekordgehälter t




