Börsen-Zeitung: Auferstanden,
Kommentar zu den Versorgern RWE und Eon von Christoph Ruhkamp
ID: 1520323
gewinnen können, das Ableben der beiden großen deutschen
Energiekonzerne sei nicht gänzlich ausgeschlossen oder stehe sogar
kurz bevor. Die Aktienkurse hatten sich gegenüber den Höchstständen
des Jahres 2007 - damals war Eon zeitweise mit 108 Mrd. Euro der
schwerste Dax-Wert - um rund 90 Prozent reduziert. Die Bonitätsnoten,
die die Ratingagenturen den Energiekonzernen verpassten, stürzten von
Spitzenratings nahezu auf Ramschniveau ab. Gebeutelt von der
Energiewende, die mit staatlich gefördertem Ökostrom die
konventionellen Kraftwerke zusehends aus dem Markt drängte, mussten
Eon und RWE Milliarden abschreiben und verbuchten historische
Rekordverluste. Sie zahlten nur eine kleine oder gar keine Dividende.
Kaum zwölf Monate danach hat sich dieses Bild beinahe ins
Gegenteil verkehrt. Um den Herausforderungen der neuen Energiewelt
mit Dekarbonisierung, Digitalisierung und Dezentralisierung zu
begegnen, haben sich Eon und RWE in einem bemerkenswerten Kraftakt in
jeweils zwei Stromerzeuger (RWE und Uniper) sowie zwei
Stromnetzbetreiber (Eon und Innogy) aufgespalten. Ihr Börsenwert hat
sich binnen Jahresfrist fast verdoppelt. Im laufenden Jahr gewann RWE
zwei Drittel und liegt mit diesem Wachstum an der Dax-Spitze. Nachdem
die beiden Konzerne sich für einen mäßigen Betrag von den
Kostensteigerungsrisiken der Atommüllendlagerung freigekauft und eine
milliardenschwere Rückerstattung der Kernbrennstoffsteuer erhalten
haben, strotzen sie vor Kraft. Für 2017 zahlt das Quartett der
Energiekonzerne Dividenden und Sonderausschüttungen von addiert
mindestens 2,5 Mrd. Euro.
Von einem Komplettverkauf der Tochtergesellschaften an
strategische Investoren, um mit dem Erlös die Kasse zu füllen, ist
kaum noch die Rede. Der Schuldenabbau lässt sich offenbar auch mit
dem Verkauf kleinerer Anteilspakete bewältigen. Selbst für
Milliardeninvestitionen in zukunftsträchtige Felder wie die
Digitalisierung der Stromnetze und des Vertriebs sowie die
Ökostromerzeugung oder neue Gaspipelines aus Russland ist genug Geld
da. Sogar die totgesagten konventionellen Kraftwerke haben als
dauerhaft notwendiges Backup für die schwankende Ökostromeinspeisung
ein neues Geschäftsmodell gefunden.
Der Gedanke liegt nahe, dass die Energiekonzerne vor einem Jahr -
also vor dem Atom-Deal - nach außen ärmer wahrgenommen werden wollten
als sie es sind. Für treue Aktionäre ist das eine gute Nachricht. Wer
dabei geblieben ist, verdient jetzt gutes Geld.
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Datum: 14.08.2017 - 20:35 Uhr
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