Börsen-Zeitung: Unter Druck, Kommentar zur Helaba von Bernd Neubacher
ID: 1523492
Abwärtstrend im Ergebnis getrotzt. War das Vorsteuerergebnis im
Startquartal auch wegen Buchung der jährlichen Bankenabgabe binnen
Jahresfrist noch um 46% eingebrochen, so hat es nun um 16% zugelegt.
Zwar sagt die Landesbank fürs Gesamtjahr unverändert einen spürbaren
Ergebnisrückgang voraus. Das in der Jahresplanung festgelegte
Ergebnisziel aber könne übertroffen werden, heißt es nun. Dies nährt
Erwartungen, dass der Gewinnrückgang 2017 recht glimpflich verlaufen
wird.
Unter Druck, so viel ist allerdings klar, wird das Ergebnis der
viertgrößten deutschen Landesbank fürs Erste weiter stehen. Denn
blendet man das notorisch volatile Handelsergebnis und das nicht
minder schwankungsfreudige Ergebnis aus Sicherungszusammenhängen und
Derivaten aus, zeigen sich im Halbjahreszahlenwerk dieselben
Mechanismen, die unzähligen anderen Banken zu schaffen machen: Der
Provisionsüberschuss zieht nicht annähernd so stark an, wie der
Zinsüberschuss im Zinstief fällt, die Regulierung treibt die Kosten,
und allein eine offenbar immer weiter fallende Risikovorsorge schönt
das Ergebnis.
Im Falle der Helaba kommt hinzu: In der Kernsparte Immobilien, auf
die im ersten Halbjahr nicht weniger als 82% des Vorsteuergewinns
entfallen, hat der Konzern den Fuß vom Gas genommen und deutlich
weniger Neugeschäft gezeichnet, weil er, wie es am Donnerstag hieß,
die zunehmende Risikofreude im Markt nicht teilen will. Angesichts
eines Immobilienkreditportfolios, das zu rund 60% auf Deutschland,
Großbritannien und Frankreich entfällt, scheint dies nur vernünftig.
Mit einer harten Kernkapitalquote, die mit 14,9% doppelt so hoch
liegt wie von der EZB gefordert, könnte es sich die Bank
aufsichtsrechtlich zwar leisten, mehr Risiken einzugehen. Hierzulande
aber hat die Geldpolitik die Bewertungen derart aufgeblasen, dass
sich ein Immobilienfinanzierer wie Aareal Bank lieber verstärkt in
den USA nach Neugeschäft umschaut.
Mit ihrer Zurückhaltung vermeidet die Helaba heute Risikovorsorge
von morgen. Allein: Mehr Geschäft kommt damit nicht herein. Und das
Kunststück, dass der Rückgang der Rückstellungen für Verluste im
Kreditgeschäft wie im ersten Halbjahr eine Reduktion des
Zinsüberschusses um 11% überkompensiert, lässt sich kaum beliebig
wiederholen. Sofern die Ergebnisse im Handel und aus der Bewertung
von Derivaten keine Kapriolen schlagen, macht die Helaba im
momentanen Zinsumfeld keine großen Sprünge.
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Datum: 24.08.2017 - 20:50 Uhr
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