Im kress.de-Interview: Lutz Hachmeister kritisiert ARD und ZDF
ID: 1526078
Hachmeister, Herausgeber des "Jahrbuchs Fernsehen", im Gespräch mit
dem Mediendienst kress.de.
Den Sendern fehle unter anderem eine Strategie im Umgang mit
Facebook und Twitter. Dass Zuschauer genötigt werden, sich in den
sozialen Netzwerken anzumelden, um über Sendungen mitdiskutieren zu
können, bezeichnet der langjährige Leiter des Adolf-Grimme-Instituts
als "verzweifelten Versuch, Kontakt zum jüngeren Publikum zu halten".
Für die Marke sei dies aber "kontraproduktiv, denn sie wird massiv
geschwächt". Denn die Zuschauer behielten im Kopf: "Das habe ich bei
YouTube oder bei Facebook gesehen."
Bei ARD und ZDF fehle ein "intensiver Reflexionsprozess über die
Folgen, wenn sie eng mit diesen Konzernen kooperieren". Eine Antwort
wäre, "eine eigene Plattform zu entwickeln. Das müsste aber auch die
Medienpolitik begreifen", forderte Hachmeister im kress.de-Gespräch.
Auch dem neuen Jugendprogramm "funk" könne er "wenig abgewinnen,
das ist auch so eine medienpolitische Kopfgeburt". Der einzige Gewinn
bestehe darin, Nachwuchs zu rekrutieren und den Kontakt zur
YouTuber-Szene zu verfestigen: "Auch hier muss ich leider sagen, es
ist der verzweifelte Versuch, hip zu wirken - zumal die Reichweite
auch noch mager ist. Es wäre besser, eine eigene Strategie zu
entwickeln, als sich einfach bruchlos in die Szenerie von YouTube und
Facebook einzubinden."
Mit Gebührengeldern würden "Werbe- und Marketing-Maßnahmen für
US-amerikanische Daten- und Wissenskonzerne finanziert. Das stärkt
das kalifornische Oligopol."
Die Sommerinterviews von ARD und ZDF bezeichnet der
Gründungsdirektor des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik
als "langweilig und antiquiert". Die Sender sollten "wieder lernen,
professionelle Interviews nach dem Beispiel der BBC zu führen".
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Bülend Ürük
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Datum: 04.09.2017 - 13:11 Uhr
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