Volkshochschulen fordern mehr Geld für Alphabetisierung -
Staatliche Regelförderung soll funktionalen Analphabeten den Kurszugang erleichtern
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September hat der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV) die anhaltend
hohe Zahl von funktionalen Analphabeten in Deutschland beklagt. Seit
2011 ist wissenschaftlich belegt, dass rund 7,5 Millionen
Erwerbsfähige kaum lesen und schreiben können. Das entspricht 14,5
Prozent der erwachsenen Bevölkerung und in etwa der Einwohnerzahl der
vier größten deutschen Städte. "Keine andere Zahl verdeutlicht so
drastisch die ungleiche Verteilung von Bildungs- und
Teilhabechancen", sagt Ulrich Aengenvoort, Direktor des Deutschen
Volkshochschul-Verbandes. "Ohne eine kraftvolle Bildungsoffensive von
Bund, Ländern und Gemeinden wird dieser beschämende Umstand noch
Jahrzehnte fortbestehen."
Als unzureichend kritisiert der Deutsche Volkshochschul-Verband
die Strategie im Rahmen der Nationalen Dekade für Alphabetisierung
und Grundbildung (2016 bis 2026), dem Problem allein durch
Projektförderungen zu begegnen. Zwar gebe es eine Vielzahl von
sinnvollen Ansätzen und neuen Erkenntnissen. Die finanzielle
Ausstattung reiche aber bei Weitem nicht aus, um funktionalen
Analphabetismus in Deutschland signifikant zu reduzieren und die
Beteiligung Betroffener an Kursen zu Alphabetisierung und
Grundbildung deutlich zu erhöhen. Auch die Volkshochschulen als
größter Anbieter benötigen bessere Rahmenbedingungen, um mehr
Menschen zu erreichen.
Mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
(BMBF) hat der Deutsche Volkshochschul-Verband wichtige Grundlagen
schaffen können für die Qualitätsentwicklung der Kurse, sei es mit
neuen Lehr- /Lernmaterialien, mit einem Rahmencurriculum oder in der
Professionalisierung der Lehrkräfte. Um Menschen mit unzureichenden
Lese- und Schreibkompetenzen gezielter anzusprechen, gibt es
Kooperationen mit Modellkommunen und mit Trägern der
Arbeitsförderung. Seit 2004 betreibt und entwickelt der DVV außerdem
das BMBF-geförderte Lernportal "Ich-will-lernen.de" mit mehr als
31.000 Übungen. Anlässlich des Weltalphabetisierungstages
veranstaltet der DVV derzeit eine Fachkonferenz in Erfurt. Experten
aus Volkshochschulen und Landesverbänden diskutieren über neue
Ansätze, um funktionalen Analphabetismus in Deutschland wirksam zu
reduzieren.
"Diese konzeptionellen Entwicklungen sind unverzichtbar. Doch die
dramatisch hohe Zahl von funktionalen Analphabeten verlangt darüber
hinaus nach Anstrengungen in einer völlig neuen Dimension", betont
DVV-Direktor Aengenvoort. An die im Bundestag vertretenen Parteien
hat der DVV deshalb die Forderung nach staatlicher Regelförderung
gerichtet, die allen Betroffenen die Teilnahme an Angeboten zur
Alphabetisierung und Grundbildung ermöglicht. Die Reaktionen sind
durchweg positiv: Unter den Bundestagsparteien besteht Einigkeit
darin, dass das Kursangebot erweitert und der Kurszugang erleichtert
werden muss.
"Die Volkshochschulen und ihre Verbände werden entschieden dafür
eintreten, dass sich die neue Bundesregierung im Verbund mit den
Ländern deutlich stärker für die Alphabetisierungsdekade einsetzt."
Aengenvoort abschließend: "Wir brauchen neben Projektförderungen ein
starkes, staatliches Förderinstrument, das in der Lage ist, dieses
große gesellschaftliche Problem zu lösen und für den Einzelnen den
Anspruch auf Grundbildung einzulösen."
Pressekontakt:
Simone Kaucher, Pressesprecherin,
Tel. 0228 / 975 69 - 11,
E-Mail: kaucher@dvv-vhs.de
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Datum: 06.09.2017 - 11:27 Uhr
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