Deutsche Umwelthilfe kritisiert Zynismus einer noch unveröffentlichten BDI-Studie: Industrie setzt

Deutsche Umwelthilfe kritisiert Zynismus einer noch unveröffentlichten BDI-Studie: Industrie setzt im Gebäudebereich auf Klimaerwärmung

ID: 1527598
(ots) - Industrie rechnet sich die Erreichung der
Klimaschutzziele schön - BDI verkennt essentielle Bedeutung der
Energieeffizienz für die deutsche Wirtschaft - Deutsche Umwelthilfe
fordert von der nächsten Bundesregierung wirksame Maßnahmen, um die
notwendige Entwicklung eines klimaneutralen Gebäudebestandes bis 2050
deutlich zu beschleunigen

Eine geleakte Studie im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen
Industrie (BDI) mit dem Namen "Klimapfade für die deutsche Industrie"
stellt die zentrale Bedeutung der Energieeffizienz für das Erreichen
eines klimaneutralen Gebäudebestandes bis 2050 in Frage. Die Deutsche
Umwelthilfe (DUH) geht davon aus, dass die Studie zu einem taktisch
günstigen Zeitpunkt zwischen Bundestagswahl und Koalitionsbildung
veröffentlicht werden soll, um so die Klimaschutzbemühungen in der
nächsten Legislatur zu untergraben. Dazu Sascha Müller-Kraenner,
Bundesgeschäftsführer der DUH:

"Der BDI offenbart mit dieser Studie, dass er bereits deutlich
sichtbare Folgen des Klimawandels in Houston und in den Alpen in Kauf
nimmt, um seine Interessen zu sichern. Das Klimaschutzziel von Paris
wird mit den in der BDI-Studie berechneten Klimaschutzszenarien
möglicherweise auf dem Papier erreicht. Die Realität sieht leider
anders aus. Allen in der Studie berechneten Szenarien liegt die
Annahme zugrunde, dass der Energiebedarf für Raumwärme in Gebäuden
infolge der Klimaerwärmung bis zum Jahr 2050 um circa 13 Prozent im
Vergleich zu 2015 sinkt. Die Vorstellung, dass der Klimawandel zu
einem niedrigeren Energiebedarf und damit verbundenen
Treibhausgasminderungen sowie geringeren Energiekosten in Gebäuden
führen wird, ist nicht nur zynisch, sondern auch falsch. Das
Gegenteil ist der Fall. Es wird zu steigenden Energiebedarfen und
Kosten für Kühlung kommen. Das heißt, auch in Deutschland werden


immer mehr energiefressende Klimaanlagen benötigt."

Ausgehend von dieser falschen Annahme kommt die BDI-Studie zu dem
Ergebnis, dass zur Erreichung der Klimaziele eine nennenswerte und
schnelle Anhebung der Sanierungsrate auf über zwei Prozent im Bestand
nicht nötig sei. Dazu Barbara Metz, Stellvertretende
Bundesgeschäftsführerin der DUH:

"Die energetische Sanierungsrate von Bestandsgebäuden muss auf
deutlich über zwei Prozent jährlich gesteigert werden, um die
Klimaziele zu erreichen. Auch in Zukunft wird die Mehrheit der
Menschen in Deutschland in Bestandsbauten leben, weshalb der
energetischen Ertüchtigung im Bestand eine zentrale Rolle zukommt.
Aktuell liegt hier die Sanierungsrate bei unter einem Prozent und es
herrscht ein regelrechter Sanierungsstau. Hier muss die Politik klare
Anreize setzen, um Sanierungen in Deutschland attraktiv zu machen.
Die Förderung muss weiterentwickelt, verstetigt und vereinfacht
werden. Ein weiteres sehr wirksames Mittel wäre die steuerliche
Absetzbarkeit von Sanierungsmaßnahmen, die bereits in der laufenden
Legislatur versprochen wurde. Spätestens die neu gewählte
Bundesregierung muss sich darum kümmern, um ein klares Signal für den
Klimaschutz zu setzen."

Schlussendlich fehlt in der BDI-Studie dann auch die Unterstützung
für ein weiteres sehr zentrales Reformvorhaben: Klare
Rahmenbedingungen sowie Planungssicherheit durch ein klimapolitisch
anspruchsvolles Gebäudeenergiegesetz. Hier spricht sich die Studie
sogar gegen die Notwendigkeit einer Anhebung des
Energieeffizienz-Standards für den Neubau ab 2021 aus.

"Hier vertritt der BDI ganz klar nicht die Interessen der
Unternehmen in Deutschland, die in moderne energieeffiziente Technik
und Klimaschutz investieren möchten, sondern die der Bau- und
Immobilienwirtschaft, die eine Verteuerung des Bauens und steigende
Kosten fürchtet", so Müller-Kraenner weiter. "Dabei spielen
Energieeffizienzstandards bei den gesamten Baukosten eine
untergeordnete Rolle und sind keinesfalls die Kostentreiber beim
Neubau. Das Bundesbauministerium rechnet bei Mehrfamilienhäusern mit
3,3 Prozent und bei Einfamilienhäusern mit 4,2 Prozent
Steigerungsrate für die seit 2016 geltenden Anforderungen der
Energieeinsparverordnung. Andere Faktoren wie zum Beispiel ein
überhitzter Markt, gestiegene Grund- und Grunderwerbssteuern,
Grundstückspreise, Anforderungen an Barrierefreiheit fallen bei der
Verteuerung des Bauens deutlich stärker ins Gewicht. Die Gebäude, die
heute entstehen, werden vor dem Jahr 2050 nicht wieder saniert. Daher
müssen sie bereits heute möglichst mit dem langfristigen
Klimaschutzziel für 2050 konform sein. Zwingend notwendig ist eine
ambitionierte Umsetzung des Gebäudeenergiegesetzes mit der Anhebung
des Energieeffizienz-Standards für den Neubau auf mindestens
KfW-Effizienzhaus 40-Standard. Außerdem müssen Anforderungen an die
energetische Gesamteffizienz von Gebäuden auch weiterhin mit
ambitionierten Anforderungen an den Wärmeschutz einhergehen. Nur so
kann das Prinzip "Efficiency First" konsequent angewendet werden und
der Wärmebedarf so weit abgesenkt werden, dass die notwendige Basis
für eine hundertprozentige erneuerbare Wärmeversorgung im Gebäude
geschaffen wird. Gerade für die effiziente Kopplung der Sektoren
Strom und Wärme mittels elektrischer Wärmepumpen bedarf es zunächst
eines guten Wärmeschutzes. Nur mit Effizienz und Erneuerbaren
zusammen werden die Pariser Klimaziele erreicht und eine starke
Klimaerwärmung, mit der der BDI offenbar schon rechnet, verhindert."

Links:

Gegenüberstellung von Kernaussagen der BDI-Studie und
DUH-Positionen: http://l.duh.de/p170907a

Mehr zum Thema: http://www.duh.de/energie_gebaeude/



Pressekontakt:
Kontakt:

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer
0160 90354509, mueller-kraenner@duh.de

Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin
030 240086774, 0170 7686923, metz@duh.de

DUH-Pressestelle

Andrea Kuper, Ann-Kathrin Marggraf,
030 2400867-20, presse@duh.de

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Datum: 07.09.2017 - 13:02 Uhr
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