NOZ: Gutachten: Deutsche Milchbranche nicht für nächste Krise gewappnet
ID: 1531692
nächste Krise gewappnet
Untersuchung im Auftrag der Grünen - Kritik an Plänen der
Bundesregierung
Osnabrück. Die deutsche Milchwirtschaft ist für die nächste große
Preiskrise nicht gewappnet. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten im
Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion, berichtet die "Neue
Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch). Die umgesetzten oder noch geplanten
Maßnahmen der Bundesregierung nach der schweren Krise im vergangenen
Jahr reichten demnach nicht aus, um starke Preisschwankungen
abzufedern. Es sei mit einer "zyklischen Wiederholung von Krisen" zu
rechnen, schreiben die Autoren. Das Risiko trügen nach wie vor die
Milchbauern.
Nach dem Wegfall der EU-weiten Milchquote im Jahr 2015 stürzten
die Erzeugerpreise auf ungeahnte Tiefststände. Im Juni 2016 lag der
Preis, den Molkereien an Bauern auszahlten zum Teil unter 23 Cent.
Als wirtschaftliche Untergrenze gelten 30 Cent. In dem Gutachten wird
darauf verwiesen, dass die Zahl der Milchviehbetriebe von Mai 2016
auf Mai 2017 von 71.300 auf 67.319 gesunken sei. "Die verbleibenden
Betriebe tragen an der krisenbedingten Schuldenlast."
Die Autoren des Gutachtens vom Büro für Agrar- und
Regionalentwicklung aus Kassel sowie dem Büro für Agrarsoziologie und
Landwirtschaft aus Gleichen-Bremke kommen zu dem Schluss, dass sich
die Bundesregierung für die Stärkung der Milchbauern einsetzen
sollte. Es bestünde ein Machtgefälle zwischen Molkereien und
Landwirten. Der Staat müsse dabei helfen, die Rolle der Bauern zu
stärken. Eine Exportförderung für Milch macht laut Gutachten
"schlichtweg keinen Sinn". Derartige Maßnahmen würden das
Preisdilemma in Krisensituationen nur stärken.
Die Grünen-Bundestagsfraktion sieht sich in ihrer Kritik an der
Bundesregierung bestätigt. Diese setze weiterhin nur "auf
Billigprodukte für den Weltmarkt", sagte Fraktionschefin Katrin
Göring-Eckardt der "NOZ". "Das hat keine Zukunft. Wir brauchen
Qualität durch artgerechte Tierhaltung, Produktvielfalt und regionale
Erzeugung." Agrarexperte Friedrich Ostendorff sagte: "Die nächste
Krise ist so sicher wie das Amen in der Kirche." Statt runde Tische
zum Thema Milch zu veranstalten, müsse Bundesagrarminister Christian
Schmidt (CSU) endlich handeln. Es brauche ein robustes Frühwarnsystem
und ein Krisenmanagementprogramm, das bei Preisverfall für eine
Drosslung der Milchmenge auf dem Markt sorge.
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Datum: 20.09.2017 - 05:00 Uhr
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