Schwäbische Zeitung: Künftige Regierung ist gefordert - Ein Kommentar zur aktuellen Situation in deutschen Krankenhäusern
ID: 1537513
des Zuhörens, ohne dabei auf die Uhr zu schauen - auch das sollte in
deutschen Krankenhäusern dazugehören. Tatsächlich sieht die Realität
in vielen Fällen anders aus. Der Arbeitsdruck von Krankenschwestern
und Pflegern in Deutschlands Kliniken ist in den vergangenen
Jahrzehnten deutlich gestiegen. Sie haben immer mehr Kranke zu
betreuen, deutlich mehr als ihre Kollegen in anderen Ländern Europas,
arbeiten zum Teil wie am Fließband, was - etwa bei Operationen -
durchaus auch Risiken für die Patienten birgt.
Die Kliniken kalkulieren hierbei streng nach ökonomischem Kalkül.
Sie haben in den zurückliegenden 25 Jahren vor allem Ärzte
eingestellt, um die steigenden Fallzahlen zu bewältigen, beim
Pflegepersonal ist jedoch gespart worden. Jedenfalls hat man es nicht
in dem Maße aufgestockt, wie es auch angesichts der Tatsache, dass
immer mehr ältere und pflegebedürftige Menschen ins Krankenhaus
kommen, notwendig gewesen wäre. Eine Pflegekraft musste 2016 etwa 63
Fälle betreuen, 1991 waren es nur 32.
Daraus hat sich nun mancherorts ein veritabler Pflegenotstand
entwickelt. Wenn allein in der Bundeshauptstadt Berlin in den
Krankenhäusern nach offiziellen Angaben knapp 50.000 Fachkräfte
fehlen, ist das nur die Spitze des Eisbergs. Deshalb gehört es ganz
oben auf die gesundheitspolitische Agenda der neuen Bundesregierung,
die Vergütungen der Krankenhäuser zu überprüfen. Ein System, von dem
die Kliniken nur dann profitieren, wenn sie mehr Ärzte einstellen und
nicht mehr Schwestern und Pfleger, führt sich selbst ad absurdum.
Die Entscheidung, Personaluntergrenzen für sensible Bereiche wie
Intensivstationen oder Nachtdienste einzuführen, mag von der Großen
Koalition gut gemeint gewesen sein. Überschätzen sollte die Folgen
jedoch niemand. Richtig greifen wird das System ohnehin frühestens in
zwei Jahren. Krankenhäuser sollten in Zukunft empfindliche
finanzielle Nachteile in Kauf nehmen müssen, wenn sie bei der Pflege
sparen.
Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de
Original-Content von: Schwäbische Zeitung, übermittelt durch news aktuell
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 05.10.2017 - 21:44 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1537513
Anzahl Zeichen: 2484
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Ravensburg
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 412 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Schwäbische Zeitung: Künftige Regierung ist gefordert - Ein Kommentar zur aktuellen Situation in deutschen Krankenhäusern"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Schwäbische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Weitere Mitteilungen von Schwäbische Zeitung
Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Unabhängigkeits-Referendum in Katalonien ...
Der Konflikt zwischen der katalanischen Regionalregierung und der spanischen Zentralregierung trifft Europa mitten in einer tiefen Krise. In Brüssel fürchtet die EU-Kommission nichts mehr als einen Dominoeffekt: Was wäre, wenn sich Katalonien eigenmächtig von Spanien abspalten und dabei kein
Weser-Kurier: Mirjam Mollüber die Justiz in der EU ...
Viel Potenzial Die Europäische Staatsanwaltschaft ist das Ergebnis einer zerstrittenen Union. Denn lediglich 20 der künftig 27 Mitgliedstaaten nehmen daran teil - und das, obwohl die neue Behörde einen echten Beitrag leisten könnte. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn keines der E
Weser-Kurier: Markus Petersüber die Deutsche Bahn ...
Störfall Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen ging auf den Gleisen der Deutschen Bahn in Norddeutschland gar nichts mehr. Und das, obwohl Sturm "Xavier" mit orkanartigen Böen von bis zu 113 Stundenkilometern eigentlich eher am unteren Ende anzusiedeln war. Sturmtief "Seba
Schwäbische Zeitung: Die Sehnsucht der CDU - Ein Kommentar zu einem möglichen Wirtschaftsminister Günther Oettinger ...
Dass der Name Günther Oettingers für das Amt des Wirtschaftsministers so hoch gehandelt wurde, liegt nicht nur an der Qualifikation Oettingers, der in Brüssel mit den beiden Zukunftsfeldern Digitales und Energiewende bestens vertraut ist. Mindestens ebenso wichtig ist, dass die CDU sich nach




