neues deutschland: Kommentar zu den Paradise Papers: Paradies der Kaputten
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gefühlt keine zwei Monate, in denen Journalisten nicht einen
internationalen Skandal aufdecken, in dem es darum geht, wie Reiche,
Prominente und Mächtige ihr Geld in Briefkastenfirmen und Steueroasen
vor dem Fiskus verstecken. Diesmal haben die Journalisten den Leak
schlicht Paradise Papers getauft. Und wie bei den vorangegangenen
Veröffentlichungen scheinen nun wieder neue, noch krassere
Dimensionen von halbseidenen Geschäften aufgedeckt worden zu sein.
Wenn jetzt selbst bei der Queen und dem guten Gewissen des Pops,
U2-Frontmann Bono, offengelegt wurde, dass sie ihre tatsächlichen
Eigentumsverhältnisse verschleiern, bei wem findet man als nächstes
schwarze Konten? Beim Papst oder posthum bei Mutter Theresa? Selbst
bekommt man ja schon leichtes Herzrasen aus Angst vor Kontrolleuren,
wenn man mal ohne Ticket in die U-Bahn steigt. So ist das Schlimme an
den ganzen Veröffentlichungen nicht, dass der eine oder andere Name
auftaucht, sondern dass sie immer mehr den Eindruck vermitteln, dass
die Spitze der Gesellschaft durch und durch korrupt ist. Und das
Schlimme daran wiederum ist, dass sie dafür moralisch ziemlich kaputt
sein muss. Schließlich verstößt die Spitze der Gesellschaft gegen die
Ordnung und gegen Gesetze, von denen sie profitiert und an denen sie
wenigstens ordentlich mitgeschrieben hat - zumindest weitaus mehr,
als es die einfachen Menschen in der U-Bahn können.
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Datum: 06.11.2017 - 17:44 Uhr
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