Aachener Nachrichten: Dummes Märchen - warum der Wolfsschutz in Deutschland nicht gelockert werden darf. Ein Kommentar von Joachim Zinsen
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Verantwortlich dafür zeichnen zwei Gruppen. Zum einen sind es
Boulevardmedien, die auf der Suche nach grellen Geschichten das
Raubtier gerne zu einer blutrünstigen Bestie stilisieren, wenn es
Schafe oder Kälber gerissen hat. Meist deuten sie gleichzeitig an,
Wölfe seien auch eine Bedrohung für Menschen. Zum anderen sind es
viele Jäger und ihr mächtiger Lobbyverband. Sie sehen in den Caniden
eine lästige Konkurrenz. Denn taucht ein Wolf im Revier auf, wird
anderes Wild scheuer und vorsichtiger. Hirsche, Rehe oder
Wildschweine lassen sich nicht mehr so leicht und bequem vom Hochsitz
aus abschießen. Natürlich ist der Wolf kein Kuscheltier. Natürlich
greift er auch Weidetiere an. Doch deren Halter können sie schützen.
Es gibt Herdenschutzhunde, es gibt spezielle Elektroschutzzäune. Wenn
es trotzdem zu einem Riss kommt, müssen die Landwirte finanziell
entschädigt werden. Das geschieht auch in den meisten Bundesländern.
Für Menschen sind die äußerst scheuen und anpassungsfähigen Wölfe
kaum eine Gefahr. In ganz Europa wurden im Zeitraum zwischen 1950 und
2000 lediglich neun Wolfstote dokumentiert, in fünf Fällen waren die
Tiere an Tollwut erkrankt. In Deutschland gab es in den vergangenen
Jahrzehnten keinen einzigen Angriff, geschweige denn einen tödlichen.
Sollten sich trotzdem "Problemwölfe" mehrfach Menschen aggressiv
nähern, kann über ihren Abschuss diskutiert werden. Dagegen sperren
sich selbst Naturschützer nicht. Doch auch solch einen Fall hat es in
Deutschland bisher nicht gegeben. Die Wahrscheinlichkeit, in einem
Wald von einem Ast erschlagen zu werden, ist um ein vielfaches höher,
als Opfer eines Wolfs zu werden. Es gibt also keinen Grund, die
strengen Schutzvorschriften für die faszinierenden Tiere zu lockern.
Vergessen wir Rotkäppchen. Lassen wir uns nicht in eine künstliche
Wolfspanik treiben. Wagen wir einfach etwas mehr Natur.
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Datum: 08.11.2017 - 17:06 Uhr
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