Schwäbische Zeitung: Der falsche Weg in die Zukunft - Leitartikel zum Riedberger Horn

Schwäbische Zeitung: Der falsche Weg in die Zukunft - Leitartikel zum Riedberger Horn

ID: 1549831
(ots) - Das Riedberger Horn ist vor allem für
Ökoverbände zum Symbolberg des bayerischen Gebirgsschutzes geworden.
Eine einfache Sicht der Dinge verbietet sich jedoch. Zwar hat der
Landtag des Freistaats nun den seit 45 Jahren existierenden Alpenplan
aufgeweicht. In diesem Zusammenhang sollte aber gelten: Was Menschen
bestimmt haben, können Menschen auch wieder ändern. Womöglich gibt es
ja neue Aspekte. Desweiteren ist die Entscheidung in Sachen
Riedberger Horn ein Einzelfall. Weitere ähnliche Ansinnen würden
durch dieselbe komplexe Entscheidungsmaschinerie geprüft. Nebenbei
muss zudem erwähnt werden, dass das Riedberger Horn nicht jenes Stück
völlig unberührte Natur ist, als das es immer mal wieder dargestellt
wird.

Den zahlreichen Skischaukel-Befürwortern vor Ort im
Balderschwanger Tal wird man hingegen zugutehalten können, dass
keiner von ihnen brutal die Natur ruinieren möchte. Klar geht es
einerseits ums Geldverdienen durchs Wintersportgeschäft. Die
Skischaukel soll es wettbewerbsfähig halten. Dahinter versteckt sich
aber noch etwas anderes. Gerade Balderschwang war einst ein
bitterarmes Bergdorf . Den Wohlstand brachte erst der Tourismus - und
hier vor allem der lukrative Wintersport. Fallen entsprechende
Verdienstmöglichkeiten in solchen Dörfern weg, drohen sie
auszusterben. Die wirtschaftliche Basis dieser kleinen Orte ist dünn.
Dies bedeutet wiederum, dass die Bürgerschaft mit gutem Recht nach
Wegen für eine Zukunft ihres Dorfes suchen kann.

Offen bleibt dabei, ob dafür unbedingt eine Skischaukel her muss.
Zunehmend schneeschwächere und wärmere Winter lassen vor allem für
eher niedrig gelegene Wintersportgebiete wie jene am Riedberger Horn
Böses ahnen. Bis all die bereits angekündigten juristischen
Einsprüche gegen die Skischaukel abgearbeitet sind, lohnt sich deren


Bau vielleicht gar nicht mehr. Schlauer wäre es sicher, wenn sich
Balderschwang und seine Nachbarschaft verstärkt um Tourismusprojekte
mit echten Zukunftschancen kümmern würden.



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Datum: 09.11.2017 - 22:01 Uhr
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