Kölnische Rundschau: Kommentar zu Donald Trumps Jerusalem-Plänen

Kölnische Rundschau: Kommentar zu Donald Trumps Jerusalem-Plänen

ID: 1559784
(ots) - Lunte angezündet¶

Sandro Schmidt

zu Donald Trumps Jerusalem-Plänen¶

Papst Franziskus mahnte vergeblich zu "Weisheit und Vorsicht",
Deutschland, Frankreich und andere Nato-Verbündete warnten
eindinglich vor den absehbaren Folgen. Der türkische Präsident Recep
Tayyip Erdogan formulierte unmissverständlich: "Herr Trump, Jerusalem
ist die rote Linie der Muslime." Das alles hat den US- Präsidenten
nicht davon abhalten können, einen neuen Brandherd im ohnehin
krisengeschüttelten Nahen Osten zu entfachen und die
De-facto-Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels anzukündigen.
Eine beispiellose Kehrtwende der US-Nahostpolitik.

Der Status von Jerusalem gehört neben der Frage des Rückkehrrechts
palästinensischer Flüchtlinge in ihre alten Heimatdörfer zu den
schwierigsten Problemen, die einer Friedenslösung zwischen den
Israelis und ihren arabischen Nachbarn im Wege stehen. Den Muslimen
gilt die Stadt nach Mekka und Medina als heiligste Stätte ihre
Glaubens, den Christen als Schauplatz der Leidensgeschichte,
Kreuzigung und Auferstehung Jesu und den Juden als Zentrum ihrer
Religion. Der politische Status ist umstritten, die Annektierung des
von den Palästinensern beanspruchten Ostteils durch Israel
international nicht anerkannt.

Donald Trump will mit seiner Entscheidung neue Fakten zugunsten
Israels schaffen. Mit der geplanten Verlegung der US-Botschaft löst
er ein opportunistisch abgegebenes Wahlkampfversprechen ein, mit dem
er die starke pro-israelische Lobby in den USA und auch viele
evangelikale Gruppen geködert hatte.

Die De-facto-Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels ist
aber nicht nur politisch dumm, sondern auch für die US-Außenpolitik
kontraproduktiv. Sie gefährdet massiv die eigene Nahoststrategie, die
vor allem die Eindämmung des Einflusses Irans ins Zentrum stellt.


Washington ist seit einiger Zeit hinter den Kulissen dabei, eine
Achse politischer und geheimdienstlicher Zusammenarbeit zwischen
Saudi-Arabien, diversen Golfstaaten, Jordanien und Israel zu
schmieden, um ein Gegenwicht gegen die neue
russisch-türkisch-iranische Allianz zu schaffen. Diese Bemühungen
sind nun massiv gefährdet.

Denn kein arabischer Staat wird es vor der Geschichte und vor der
eigenen Bevölkerung rechtfertigen können, Jerusalem als ein Zentrum
der muslimischen Welt verloren zu geben. Die Palästinenser riefen
Tage des Zorns" aus, schwere Krawalle und Anschläge sind zu
befürchten. Klar ist zudem, dass ein Verhandlungsprozess zwischen
Israelis und Palästinensern auf absehbare Zeit nicht mehr in Gang
kommen wird.

Donald Trump hat die Lunte einer hochexplosiven Bombe gezündet.
"Weisheit und Vorsicht" gehören ohnehin nicht zu den bekannten
Charaktereigenschaften des US-Präsidenten. Dummheit kombiniert mit
Bulldozermentalität hätten es aber auch nicht sein müssen: Dies war
schon immer eine verheerende Mischung.

Ihre Meinung an: dialog@kr-redaktion.de



Pressekontakt:
Kölnische Rundschau
Sandro Schmidt
Telefon: 0228-6688-526
sandro.schmidt@kr-redaktion.de

Original-Content von: Kölnische Rundschau, übermittelt durch news aktuell

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Straubinger Tagblatt: Trumps Israel-Politik - Gefahr für den Weltfrieden Allg. Zeitung Mainz: Katastrophal - Kommentar von Friedrich Roeingh zu Trumps Jerusalem-Entscheidung
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 06.12.2017 - 20:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1559784
Anzahl Zeichen: 3564

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Köln



Kategorie:

Außenhandel



Diese Pressemitteilung wurde bisher 338 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Kölnische Rundschau: Kommentar zu Donald Trumps Jerusalem-Plänen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Kölnische Rundschau (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Kriegsverbrechen als Strategie / Kommentar von Raimund Neuß zum vierten Jahrestag der Aufdeckung des Massakers von Butscha ...
Auf das Aufatmen folgte das Entsetzen: Die Erinnerung an den historischen Sieg der ukrainischen Armee in der Schlacht um Kiew ist untrennbar mit der an die Aufdeckung der Massaker in Butscha und anderen Vororten der ukrainischen Hauptstadt verbunden. Die Morde von Butscha sind nicht damit zu erklä

Wider jedes Königsgehabe - Frank Überall (Kölnische Rundschau) über die Demonstrationen gegen Donald Trump in den USA ...
Königliches Gehabe passt nicht zu einer Demokratie - jedenfalls nicht, wenn es statt um bloße Repräsentation darum gehen soll, einsam und allein Entscheidungen zu treffen. Die "No Kings"-Demonstrationen in den USA zeigen, dass in Krisenzeiten der Ruf nach einer ordnenden Hand zwar durch

Auch ein Sieg kann Sorgen machen / Raimund Neuß zum Wahlergebnis in Rheinland-Pfalz ...
Rückkehr in die Staatskanzlei nach 35 Jahren: Die rheinland-pfälzische CDU von Gordon Schnieder jubelt. Endlich, endlich hat sie die Wählerinnen und Wähler überzeugen können, dass sie ein plausibles personelles und inhaltliches Angebot hat. Seit dem Sturz von Bernhard Vogel 1988 hatte sich ei


Weitere Mitteilungen von Kölnische Rundschau


Straubinger Tagblatt: Trumps Israel-Politik - Gefahr für den Weltfrieden ...
Der Präsident ist unberechenbar und offensichtlich nicht in der Lage, strategisch zu denken und die Folgen seiner Entscheidungen richtig einzuschätzen. Oder sie sind ihm völlig egal. Man weiß nicht, was schlimmer wäre. Trump spielt jenen in die Hände, die bloß auf eine Gelegenheit warten,

neues deutschland: FARC-Politiker Estrada: Das Ziel ist Machtaufbau von unten ...
In Kolumbien ist der Friedensprozess ein Jahr nach dem Abkommen zwischen FARC-Guerilla und Regierung durch Entscheidungen des Verfassungsgerichts und des Kongresses ins Stocken geraten. "Doch ein Friedensprozess lässt sich nicht auf ein Jahr reduzieren, wir stehen vor einem Prozess, der zeh

Griechische Inseln: Tausende Geflüchtete in verzweifelter Lage brauchen dringend Schutz ...
Das zweite Jahr in Folge haben Tausende Geflüchtete auf den griechischen Inseln nahezu keinen Schutz vor dem Winterwetter. Männer, Frauen und Kinder leben in kleinen Sommerzelten in völlig überfüllten Lagern im Matsch. Es gibt viel zu wenig Wasser und sanitäre Anlagen. Ärzte ohne Grenzen w

"Schickt sie nicht zurück in die Gefahr" - Afghanistans Ex-Präsident Hamid Karzai fordert im stern Abschiebestopp ...
Afghanistans früherer Präsident Hamid Karzai plädiert gegen die Abschiebung afghanischer Flüchtlinge aus Deutschland. "Fehlende Sicherheit, Hoffnungslosigkeit, deshalb ist unsere Jugend weggerannt nach Europa - schickt sie nicht zurück in die Gefahr", sagte Karzai in der neuen Aus


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z