Zu wenige und zu teure Wohnungen gefährden sozialen Zusammenhalt
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Caritas-Jahresauftakt:"Wohnen bedeutet mehr als eine Wohnung zu haben - auch Nachbarschaft gehört dazu" - Caritas-Journalistenpreis verliehen
Deshalb setzt sich die Caritas dafür ein, dass mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird. "Die Wohnung ist der Mittelpunkt unseres privaten Lebens. Sie gibt uns den Raum für Wichtiges und Wertvolles. Es geht um Lebensmöglichkeiten", sagte Caritasdirektor Thomas Herkert (Freiburg) vor rund 200 Gästen aus Politik, Medien, Kirche und Wissenschaft. Das Jahresthema sei "ein Angebot an alle, die sich der Gestaltung unseres Gemeinwesens verpflichtet fühlen und sich für dessen menschenwürdige Gestaltung einsetzen".
"Wohnen bedeutet mehr als eine Wohnung zu haben. Auch die Nachbarschaft gehört dazu, und Nachbarschaften haben Nebenwirkungen", sagte die Raumplanerin Frauke Burgdorff, die in Bochum eine Agentur für kooperative Stadtentwicklung gegründet hat. Manche Nachbarschaften seien heilsam und unterstützend, manche wirkten wiederum wie eine soziale Falle. "Darum sind gerade bürgerschaftliche Initiativen, die sich selbst organisiert um ihre Nachbarschaft kümmern, in ihrer Wirkung nicht zu unter-schätzen." Sie stellte die Frage, ob diese ehrenamtlich getragenen Initiativen die klassischen Agenten des Gemeinwesens ersetzen können.
Caritasdirektor Pfarrer Oliver Merkelbach (Stuttgart) nannte es eine der wichtigen Voraussetzungen für den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft, dass Menschen unterschiedlicher Milieus, Einkommensschichten und Nationalitäten die Chance haben, einander zu begegnen. "Wo aber zunehmend der Geldbeutel bestimmt, wie sich Stadtteile und Quartiere zusammensetzen, wird genau das verhindert. Mehr noch: das Fremdeln und das Auseinanderdriften der Milieus wird geradezu befördert."
Caritas-Journalistenpreis würdigt herausragende publizistische Leistungen
Sie halten den Sinn für die sozialen Anliegen in unserer Gesellschaft wach - dafür wurden sechs Journalistinnen mit dem 29. Caritas-Journalistenpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet.
Den mit 3.000 Euro dotierten ersten Preis erhielt Katja Bauer, Berlin-Korrespondentin der Stuttgarter Zeitung. Sie schildert ihren Einsatz für ihren kranken und behinderten Bruder. Als dieser von heute auf morgen zum Pflegefall wird, übernimmt sie die gesetzliche Betreuung und hat von da an mit den Tücken des Verwaltungsapparats im Sozialsystem zu kämpfen. Dieser steht wie eine Wand vor ihr und treibt sie bisweilen in die Verzweiflung. Die Autorin gibt in diesem hervorragend geschriebenen Text bewusst ihre professionelle journalistische Distanz auf und berichtet aus der Ich-Perspektive.
Der zweite Preis mit einem Preisgeld von 1.500 Euro ging an Susanne Beßler für ihren im SWR-Fernsehen ausgestrahlten Beitrag "Am Ende ist noch Platz für Glück". Sie hat das Palliativteam Rhein-Neckar der Kinderklinik Heidelberg einen Monat lang bei seiner Arbeit mit todkranken Kindern begleitet. Herausgekommen ist ein berührender, zu Herzen gehender und zugleich sehr lebensbejahender Beitrag. Mit großer innerer Stärke erleben die Familien die letzte Wegstrecke mit ihren sterbenskranken Kindern. Eindrücklich erzählt der Film von menschlicher Zuwendung weit über das professionelle Maß hinaus.
Ebenfalls mit einem zweiten Preis ausgezeichnet wurde Stefanie Meinecke für ihr in SWR2 gesendetes Hörfunk-Feature "Umstritten. Das neue Prostituiertenschutzgesetz". Die Hörfunkjournalistin bringt Licht in die Lebensverhältnisse der Frauen und demontiert so das Bild von der selbstbestimmten, gut verdienenden Hure. Sie gibt den Prostituierten eine Stimme und bezieht klar Position für die Frauen, die tatsächlich des Schutzes bedürfen. Die Autorin stellt unter dem Blickwinkel der Menschenwürde die Frage, ob das neue Prostituiertenschutzgesetz nicht doch eher ein Prostitutionsverwaltungsgesetz ist.
Mit einer "Lobenden Erwähnung" wurden drei Autorinnen der Hausacher Lokalausgabe des Offenburger Tageblatts für ihre 17-teilige Serie "Inklusion im Kinzigtal" ausgezeichnet: Claudia Ramsteiner, Christiane Agüera Oliver und Karin Mosmann beleuchteten sämtliche Facetten der Inklusion von Menschen mit Behinderung in der unmittelbaren Lebenswelt der Leserschaft. Von der Sachebene bis hin zu eindrücklichen Einzelporträts greift die Serie unterschiedliche Aspekte auf. Eine solche Serie in einer Lokalredaktion zu verwirklichen, geht weit über das Tagesgeschäft hinaus und erfordert viel Herzblut.
Der unabhängigen Jury lagen 72 Beiträge vor, die in Presse, Hörfunk, Fernsehen und Online erschienen sind.Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
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Datum: 07.02.2018 - 18:40 Uhr
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