Maßnahmen gegen den Pflegenotstand
ID: 1585971
- Robert Bosch Stiftung veröffentlicht Manifest "Mit Eliten
pflegen" im Vorfeld des Deutschen Pflegetags
- Präsident des Deutschen Pflegerats fordert in Berlin bessere
Karrierechancen für Pflegekräfte
- Weitere Schritte zur Stärkung der Pflege: u.a. Übernahme von
hausärztlichen Routineaufgaben im ländlichen Raum und mehr
professionelle Autonomie
Das "Sofortprogramm Pflege" im Koalitionsvertrag von Union und SPD
reicht nach Meinung einer von der Robert Bosch Stiftung GmbH
einberufenen Expertengruppe nicht aus, um den Pflegenotstand
abzuwenden. Um genügend Fachpersonal für die Pflege zu gewinnen,
müsse der Beruf insgesamt attraktiver werden und bessere
Karrierechancen bieten. Dies könne nur gelingen, wenn der Pflege mehr
und auch neue Verantwortung übertragen werde, beispielsweise durch
die geregelte Übernahme von ärztlichen Aufgaben der Primärversorgung
im ländlichen Raum und mehr professioneller Autonomie bei allen
Interventionen, die pflegerische Fachexpertise verlangen. Für das
Manifest "Mit Eliten pflegen", das heute in Berlin vorgestellt wurde,
hat die 40 köpfige Expertenrunde eine Reihe weiterer Forderungen
erarbeitet, die zeigen, wie die Pflege sich weiterentwickeln muss und
welche Rahmenbedingungen dafür notwendig sind.
"Wir brauchen dringend attraktivere Karrierewege in der Pflege.
Dazu müssen wir das gesellschaftliche Bild der professionellen Pflege
ändern, das im Moment häufig darin besteht, gebrechliche Menschen
umzulagern und Essen zu reichen", sagt Franz Wagner, Präsident des
Deutschen Pflegerats und Mitglied der Expertengruppe der Robert Bosch
Stiftung. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Umfeld von
medizinischer Behandlung und Versorgung bei Pflegebedürftigkeit
erheblich komplexer geworden. Hinzu komme, dass der Bedarf an
pflegerischer Leistung in den kommenden Jahren rasant ansteigen
werde. Die Versorgungsqualität hänge daher vor allem von der
personellen Aufstellung in der professionellen Pflege und deren
Qualifikation ab. "Deutschland benötigt nicht nur mehr Fachpersonal
in der professionellen Pflege, sondern auch deutlich mehr akademisch
qualifizierte Pflegefachpersonen in der direkten Versorgung", so
Wagner. Bereits 2012 habe der Wissenschaftsrat deshalb eine
Akademisierungsquote für die Pflege von 10-20 % empfohlen. Davon sei
Deutschland aktuell weit entfernt.
Professionelle Pflege soll mehr Verantwortung übernehmen
Eine zentrale Forderung der Experten: Pflegefachpersonen soll die
Verantwortung übertragen werden, die ihrer Qualifikation als
Fachpersonal entspricht. Vor allem die professionelle Pflege könne
einschätzen, was pflegebedürftige Menschen zur Bewältigung ihrer
Situation benötigen. Sie müsse daher auch befugt sein,
Versorgungsbedarf festzusetzen und Maßnahmen der häuslichen
Krankenpflege festzulegen. Darüber hinaus empfehlen die Experten,
Beratungsleistungen im allgemeinen Leistungskatalog der Pflege zu
ergänzen. Das helfe vor allem älteren Menschen und chronisch Kranken,
die häufig überfordert seien, wenn es darum gehe die vorhandenen
Leistungsangebote zu überblicken, mit den Anforderungen der Therapie
zurecht zu kommen oder an die nächste Grippeimpfung zu denken. Ein
weiterer Vorschlag betrifft die Sicherung der Gesundheitsversorgung
im ländlichen Raum. Dort könne eine Pflegefachperson hausärztliche
Routineaufgaben übernehmen, beispielsweise die Versorgung von
Bagatellerkrankungen und die medizinische Basisversorgung bei
Menschen mit chronischen Erkrankungen. Dies sei in vielen Ländern
längst üblich.
"Es ist an der Zeit, dass Deutschland auch in der Pflege zu
internationalen Standards aufschließt. Gerade was die Akademisierung
anbetrifft, liegen wir weit hinter vielen Ländern zurück", sagt
Uta-Micaela Dürig, stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung
der Robert Bosch Stiftung. Sogar in Großbritannien, dessen National
Health Service oft als Negativbeispiel herhalten müsse, sei die
Situation in dieser Hinsicht deutlich besser. Speziell ausgebildete
Pflegefachpersonen, sogenannte Clinical Nurse Specialists, betreuen
dort ihre Patienten weitgehend selbständig und rufen den Arzt erst
hinzu, wenn sich der Zustand verschlechtert. "Das Manifest soll
aufzeigen, welche Voraussetzungen Spitzenpflege braucht und warum
dringend mehr akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen in allen
Bereichen der Versorgung notwendig sind. Wir hoffen, dass diese
Botschaft gehört wird und die entscheidenden Personen zum Umdenken
und zum Handeln anregt."
360° Pflege - In der Praxis erprobte Lösungsansätze für die
Pflegebranche
Für das Manifest "Mit Eliten pflegen" hat die Robert Bosch
Stiftung 40 Experten zusammengebracht. Dazu gehören Praktiker am
Patientenbett oder mit Personalverantwortung, Pflegewissenschaftler,
Ärzte, die das Thema mit interprofessionellem Blick bewerten und
Vertreter der Branche wie Franz Wagner, der Präsident des Deutschen
Pflegerats. Auf Einladung der Stiftung haben sie zuvor über zwei
Jahre in einem Praxisprojekt mit dem Titel "360° Pflege -
Qualifikationsmix für den Patienten" an Lösungen und Strategien
gearbeitet, wie die Zusammenarbeit von Pflegefachpersonen mit
unterschiedlichen Ausbildungen im Team besser gelingen und die Pflege
durch neue Karrieremöglichkeiten attraktiver werden kann.
Der Titel des Manifests "Mit Eliten pflegen" knüpft an die im Jahr
1992 erschienene Denkschrift "Pflege braucht Eliten" der Robert Bosch
Stiftung an. "Pflege braucht Eliten" war die Antwort auf den
Pflegenotstand Anfang der 1990er Jahre. Der Pflegeberuf sollte durch
Akademisierung wettbewerbsfähig, im internationalen Vergleich
anschlussfähig und auf die Herausforderungen des demografischen
Wandels vorbereitet werden. "Pflege braucht Eliten" gab den Anstoß
für die Einrichtung einer Vielzahl von Pflegestudiengängen,
insbesondere im Bereich Pflegemanagement und Pflegebildung.
Das Manifest "Mit Eliten pflegen" finden Sie online unter:
www.bosch-stiftung.de/pflegemanifest
Über die Robert Bosch Stiftung
Die Robert Bosch Stiftung GmbH gehört zu den großen,
unternehmensverbundenen Stiftungen in Europa. In ihrer gemeinnützigen
Arbeit greift sie gesellschaftliche Themen frühzeitig auf und
erarbeitet exemplarische Lösungen. Dazu entwickelt sie eigene
Projekte und führt sie durch. Außerdem fördert sie Initiativen
Dritter, die zu ihren Zielen passen.
Die Robert Bosch Stiftung ist auf den Gebieten Gesundheit,
Wissenschaft, Gesellschaft, Bildung und Völkerverständigung tätig. In
den kommenden Jahren wird sie darüber hinaus ihre Aktivitäten
verstärkt auf drei Schwerpunkte ausrichten:
- Migration, Integration und Teilhabe
- Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Deutschland und Europa
- Zukunftsfähige Lebensräume
Die Robert Bosch Stiftung bekennt sich zu den Werten und dem
Vorbild ihres Stifters, Robert Bosch, und setzt dessen
philanthropisches Wirken fort. Mit mehr als 50 Jahren Erfahrung
verfügt sie in ihren Fördergebieten über ein breites Wissen, die
Qualifikation zur Entwicklung von Lösungen und ein umfangreiches
Netzwerk von Partnern, Experten und Praktikern.
Die Robert Bosch Stiftung ist alleinige Trägerin des Robert Bosch
Krankenhauses und der zugehörigen Forschungsinstitute in Stuttgart,
Institut für Geschichte der Medizin (IGM) und Dr. Margarethe
Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie (IKP), sowie des
International Alumni Center (iac) in Berlin. Sie ist Gesellschafterin
des UWC Robert Bosch Colleges in Freiburg und der Deutschen
Schulakademie in Berlin. Die Robert Bosch Stiftung hält rund 92
Prozent der Geschäftsanteile an der Robert Bosch GmbH und finanziert
sich aus den Dividenden, die sie aus dieser Beteiligung erhält. Seit
ihrer Gründung 1964 hat die Robert Bosch Stiftung mehr als 1,4
Milliarden Euro für ihre gemeinnützige Arbeit ausgegeben.
www.bosch-stiftung.de
Pressekontakt:
Michael Herm
Pressereferent
Strategische Kommunikation
Robert Bosch Stiftung GmbH
Telefon: 0711/46084-290
Fax: 0711/46084-10290
michael.herm@bosch-stiftung.de
Original-Content von: Robert Bosch Stiftung GmbH, übermittelt durch news aktuell
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 01.03.2018 - 11:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1585971
Anzahl Zeichen: 9182
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Berlin
Kategorie:
Arbeit
Diese Pressemitteilung wurde bisher 190 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Maßnahmen gegen den Pflegenotstand"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Robert Bosch Stiftung GmbH (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
- Preisgelder von insgesamt rund 300.000 Euro für herausragende Schulkonzepte. - Bundeskanzler Friedrich Merz verleiht die renommierte Auszeichnung am 29. September 2026 in Berlin. - Robert Bosch Stiftung und Heidehof Stiftung vergeben den wichtigsten Preis für deutsche Schulen zum zwanzigst
Zwischen Chancen und Risiken - Robert Bosch Stiftung macht Künstliche Intelligenz zum Jahresschwerpunkt ...
- Fokus 2026: Robert Bosch Stiftung fördert in diesem Jahr mit insgesamt rund 17 Millionen Euro den gemeinwohlorientierten Einsatz digitaler Technologien wie Künstlicher Intelligenz. - Positive Bilanz der Stiftungsarbeit im Jahr 2025: Rund 195 Millionen Euro in gemeinnützige Arbeit in den Ber
Digitale Impulse für Integration: Projekt "Integrationsmacher:innen" startet in Freiburg, Karlsruhe und Salzwedel die zweite Runde ...
- Robert Bosch Stiftung und Lokalprojekte unterstützen Kommunen bei der Entwicklung digitaler Lösungen für die Integrationsarbeit vor Ort. - Externe Fachleute entwickeln sechs Monate lang Online-Tools direkt in der Verwaltung - von beschleunigten Einbürgerungsverfahren bis hin zu neuen Verne
Weitere Mitteilungen von Robert Bosch Stiftung GmbH
Attraktive Arbeitgeber im Gesundheits- und Sozialwesen ausgezeichnet ...
- Die Gewinner des Wettbewerbs «Beste Arbeitgeber Gesundheit & Soziales 2018» stehen fest - Great Place to Work Initiative zeichnet 27 Kliniken, Pflege- und Sozialeinrichtungen sowie ambulante Versorgungsdienste für besonderes Engagement bei der Gestaltung einer attra
MDR: Reinigungskräfte arbeiten häufig noch immer unter Mindestlohn ...
In der Reinigungsbranche wird noch immer massiv der Mindestlohn unterschritten. Das hat eine Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ergeben, wie Toralf Pusch dem MDR-Nachrichtenmagazin "exakt" in einem Interview sagte. Demnach würden derzeit mehr als 300.000 Mensch
TERRITORY EMBRACE und Queb fördern Start-ups: Verleihung des Queb Awards für die beste HR Tech-Innovation auf dem #RC18 ...
Für den Recruiting Convent #RC18, gemeinsam veranstaltet von TERRITORY Embrace und Queb, werden Tech-Innovationen für den HR-Alltag gesucht. Ein Highlight des Events wird die Vergabe des Queb Awards sein: Mit ihm werden herausragende Tech-Ideen von Start-ups und etablierten Unternehmen im Berei
KAUSA Medienpreis 2018 für MDR-Produktion (FOTO) ...
Für ihren MDR-"Exakt"-Beitrag "Kaum Jobs für Flüchtlinge" haben die Reporterinnen Julia Cruschwitz und Carina Huppertz den KAUSA Medienpreis 2018 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in der Kategorie "Einzelbeiträge/Video" erhalten. Die von J




