Nano für die Sinne
ID: 158611
Nano für die Sinne
Die Vitrine leuchtet mystisch; das weiße Licht scheint aus dem Nichts zu kommen; eine Lichtquelle ist ? zumindest auf den ersten Blick ? nicht zu sehen. Erst beim genauen Hinsehen wird die Ursache der scheinbar übersinnlichen Erscheinung sichtbar: Eine Leuchtdiode, kleiner als ein Stecknadelkopf, emittiert durch tausende von Linsenstrukturen, die nur einige hundert Nanometer klein sind, strahlendweißes Licht.
»Das Erzeugen von weißem Licht ohne Farbeffekte am Rand war lange Zeit ein kaum lösbares technisches Problem«, erklärt Dr. Michael Popall vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg. »Weißes Licht entsteht, indem man die Komplementärfarben Rot, Grün und Blau mischt. Bei der klassischen Beamer-Technik traten dabei unerwünschte Brechungen auf, das Ergebnis waren bunte Schlieren am Rand der Projektion.« Die Technik, die der Forscher vom 17. bis 19. Februar auf der nano tech 2010 in Tokyo (Halle. 3.03 Stand F-14-1) präsentiert, liefert nicht nur brillante Farben, sondern auch reines Weiß: »Kleinste rote, blaue und grüne Leuchtdioden auf engstem Raum erzeugen das Licht, das mittels einer Konzentratoroptik gebündelt und anschließend durch eine nanostrukturierte ORMOCER®-Optik homogenisiert wird«, erläutert Popall, der an der Entwicklung des Werkstoffs maßgeblich beteiligt war.
ORMOCER®e seien ein ideales Material für die Herstellung von Mikrooptiken, resümiert der Forscher: »Sie sind nicht nur ausgezeichnete Lichtleiter, sondern auch leicht zu verarbeiten ? nicht so spröde wie Glas und nicht so weich wie Polymer.« Tatsächlich sind ORMOCER®e ein Hybrid aus anorganischen und organischen Bestandteilen, die auf molekularer Ebene vernetzt sind. Mit diesem Material lassen sich Dinge realisieren, die noch vor ein paar Jahren undenkbar waren: ultraflache und ultrakleine Optiken für Mikrokameras oder Beamer, die in die Hosentasche passen. Das Design der neuen ORMOCER®-Optiken haben Experten vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena entwickelt. Popall: »Dank der enge Zusammenarbeit zwischen den Chemikern am ISC und den Physikern und Ingenieuren am IOF ist es uns gelungen, ORMOCER®-Tandem-Arrays mit beidseitig und symmetrisch zueinander angeordneten Mikrolinsenanordungen zu entwickeln, mit denen sich das Licht von Leuchtdioden punktgenau und ohne Brechungsfehler projizieren lässt.« Die neue Technik steht mittlerweile kurz vor der Markteinführung.
Nanotechnik eröffnet dabei nicht nur dem Auge eine neue Dimension, sie macht auch Dinge hörbar, die bisher niemand wahrnehmen konnte: Temperaturänderungen beispielsweise. Ein neuer Lack, den Forscher vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA entwickelt haben, sorgt dafür, dass Oberflächen klingen, wenn sie wärmer werden oder abkühlen. Der Trick: Im Lack befinden sich Carbon-Nanotubes, die elektrisch leitfähig sind. Ist eine Oberfläche mit diesem Lack beschichtet, so lässt sie sich durch Anlegen einer elektrischen Spannung aufheizen. Diese Temperaturveränderung ist hörbar, weil beim Erwärmen der Oberfläche daran angrenzende Luft zu schwingen beginnt. »Und dies ist nur eine von vielen denkbaren innovativen Anwendungen. Die Beschichtung eignet sich ebenso zum Beheizen kompliziert geformter Oberflächen und großer Flächen. In Zukunft ist ein Einsatz als multifunktionale Schicht zum Heizen, als Widerstandssensor oder als transparente Schicht für Farbdisplays denkbar«, sagt Ivica Kolaric, Abteilungsleiter am IPA.
»Die Interdisziplinarität ist die Stärke von Fraunhofer«, resümiert Popall: »In der Fraunhofer-Gesellschaft arbeiten 59 Institute zusammen. Das Know-how reicht vom Material über Technologie und Design bis zum Produktionsprozess.« Auf der nano tech 2010 In Tokyo präsentiert das ISC ein Spektrum optischer Materialien ? von Gläsern über ORMOCER®e und deren Nanotechnologie bis zu Kunststoffen. Das IOF steuert hochpräzises optisches Design und Mikrotechnologie bei, das Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP physikalische Beschichtungstechnik. Das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS in Dresden zeigt Bearbeitungsverfahren, beispielsweise das Pressen von Glasoptiken oder das Beschichten mit Hilfe von Nanolithographie. Das IPA präsentiert den techischen Einsatz von Carbon-Nano-Tubes.
Herausgeber und
Redaktionsanschrift:
Fraunhofer-Gesellschaft
Franz Miller
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Hansastraße 27c
80686 München
Telefon: 0 89 / 12 05-13 01
Fax: 0 89 / 12 05-75 15
presse@zv.fraunhofer.de
Bereitgestellt von Benutzer: pressrelations
Datum: 02.02.2010 - 21:49 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 158611
Anzahl Zeichen: 5081
pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen
Diese Pressemitteilung wurde bisher 205 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Nano für die Sinne"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Fraunhofer Gesellschaft (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
rsage von Geo-Risiken Wann wird der nächste Starkregen den Damm endgültig aufweichen? Unter welchen Bedingungen könnte der schon instabile Hang abrutschen? Wie hoch ist die Gefahr von Waldbränden bei anhaltend trockener Witterung? Naturkatastrophen kommen in der Regel überraschend. Ziel des
Leistungszentrum Nachhaltigkeit in Freiburg ...
Nachhaltigkeit in Freiburg Kann man aus nachwachsenden Rohstoffen sichere Autos bauen? Welche Technologien brauchen wir, um die Energiewende erfolgreich umzusetzen? Solchen und vielen weiteren Fragen widmen sich Forscherinnen und Forscher in Freiburg. Die Stadt, ohnehin bekannt für ihre Vorreite
Additive Manufacturing Challenge 2015: Studentenprojekt belegt 1. Platz bei weltweitem Wettbewerb ...
uring Challenge 2015: Studentenprojekt belegt 1. Platz bei weltweitem Wettbewerb Ob Gefriergeräte, Serverschränke oder Computer - alle Geräte benötigen für die Wärmeabfuhr ihrer Prozessoren Kühleinheiten, die die entstehende Abwärme über Kühlrippen an die Umgebungsluft abgeben. Zusätz
Weitere Mitteilungen von Fraunhofer Gesellschaft
Verpackungshersteller zufrieden mit Heidelberg Großformat ...
Mit der weltweit ersten Inbetriebnahme einer Speedmaster XL 145 im Juni 2008 beim Verpackungshersteller Friedrich Freund GmbH (Freund) in Georgsmarienhütte startete die Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg) bereits kurz nach der drupa 2008 den Praxiseinstieg in die Formatklasse 6. Jetzt, nach
LINKE begrüßt Imam-Ausbildung an deutschen Hochschulen ...
"Es ist ein guter und richtiger Schritt hin zu mehr Gleichbehandlung der Religionen im Wissenschaftsbetrieb", so Raju Sharma anlässlich der Forderung des Wissenschaftsrates auf dem Katholisch-Theologischen Fakultätentag (KThF), Imame und islamische Religionslehrer an deutschen Hochschule
Nahles: Schwarz-gelbe Bundesregierung treibt Kommunen zur Handlungsunfähigkeit ...
Zu den heute vom Deutschen Städtetag vorgestellten aktuellen Daten für die Jahre 2009 und 2010 zur Finanzlage der Städte erklärt die Generalsekretärin der SPD, Andrea Nahles: Der alarmierende Aufschrei der Kommunen ist berechtigt, denn die aktuellen Daten zur Finanzlage der Städte machen au
"NDR aktuell extra: Sturm und Schnee im Norden ...
Der Deutsche Wetterdienst hat eine Unwetterwarnung herausgegeben: Im Harz, im Norden Schleswig-Holsteins und Nordosten Mecklenburg-Vorpommers erwarten die Experten heute sturmartige Böen. Hiddensee ist eingefroren und von der Außenwelt abgeschnitten. Deshalb sollen heute Helikopter auf die Ostseei




