NOZ: Wehrbeauftragter fordert Traditionswechsel mit Augenmaß
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Augenmaß
Bartels zu Kasernen-Umbenennung: Es gibt immer Grenzfälle und
gebrochene Biographien
Osnabrück. Beim Traditionswechsel in der Bundeswehr hat der
Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels, Augenmaß
angemahnt. In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung"
(Donnerstag) sagte der SPD-Politiker: "Es geht nicht darum, alle
Erinnerungsstücke an frühere Zeiten und ganze Sammlungen
wegzuräumen." Es sei wichtiger, historische Gegenstände einzuordnen
und für das Lernen zu nutzen, ohne sich in dessen geistige Tradition
zu stellen.
Auch die Umbenennung von Kasernen muss nach Ansicht des
Wehrbeauftragten maßvoll vorgenommen werden. Bartels hält es für
richtig, dass die Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne im
nordrhein-westfälischen Augustdorf ihren Name behalten soll. Der
SPD-Politiker sagte: "Es gibt immer Grenzfälle, wo die historische
Forschung nicht absolut eindeutig ist." Der Wehrmachtsoffizier
Rommel, der im Zweiten Weltkrieg mit seinem Einsatz in Afrika einen
Namen als "Wüstenfuchs" machte, habe wohl auch eine Rolle im
Widerstand gehabt. "Die deutsche Geschichte ist voller Menschen mit
gebrochenen Biographien", sagte Bartels. Das gelte etwa auch für
NVA-Soldaten, die in die Bundeswehr eingetreten seien.
Grundsätzlich begrüßte Bartels den Traditionserlass. "Er macht
klar, dass Wehrmachts-Feldherren des Zweiten Weltkrieges wie Dietl
oder Konrad keine Vorbilder und Namensgeber mehr sein dürfen. Diese
Rolle sollten moderne Helden einnehmen, zum Beispiel auch Soldaten,
die besondere Tapferkeit in Afghanistan gezeigt haben." Vorbilder
gebe es genug: "Der letzte Traditionserlass ist von 1982. Seitdem ist
so viel passiert." Bartels geht davon aus, dass "allenfalls eine
Handvoll Kasernen" noch Diskussionen um eine mögliche Umbenennung
führen: "Es geht nur noch um fünf bis sechs Namen." Dazu zählt das
Verteidigungsministerium etwa die Lent-Kaserne in Rotenburg (Wümme),
die nach dem von der Wehrmacht gefeierten Weltkriegsflieger Helmut
Lent benannt wurde, oder die Feldwebel-Lilienthal-Kaserne in
Delmenhorst, die nach dem Panzerjäger Diedrich Lilienthal benannt
ist.
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Datum: 28.03.2018 - 12:52 Uhr
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