Augenzeuge der Amokfahrt von Münster live bei stern TV:
"Diese Bilder werde ich wohl nicht mehr vergessen"
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ein Mann mit einem Kleinbus auf eine vollbesetzte Terrasse in der
Altstadt raste - Jens R. tötete zwei Menschen, verletzte Dutzende und
nahm sich noch im Auto mit einer Pistole selbst das Leben. Michael
Palm musste all das aus nächster Nähe mit ansehen: Der 37-Jährige ist
Kellner im Restaurant "Großer Kniepenkerl", stand wenige Sekunden vor
dem Anschlag noch selbst auf der Terrasse der Gaststätte. Bei stern
TV schilderte Palm am Mittwoch, wie er die Momente nach dem Angriff
erlebte: "Die Tische und Gäste sind teilweise durch die Gegend
geflogen", sagte Palm, "ich glaube, dass ich diese Bilder wohl nicht
mehr vergessen werde."
Damit meinte Palm auch die Bilder davon, wie der Täter Selbstmord
beging - doch für den 37-Jährigen war das Chaos um ihn herum in den
Momenten nach der Tat noch dramatischer: "Das Leid drumherum tat mir
viel mehr weh und ist viel mehr in meinem Kopf drin, als der Schuss
des Täters. Denn in diesem Moment war es irgendwo auch eine Befreiung
zu wissen, dass er mit dieser Waffe jetzt nicht auch noch andere
Leute erschießen kann."
Trost gespendet habe Palm die Solidarität der Münsteraner:
"Münster hat an diesem Samstag so sehr zusammengehalten. Es war
schnelle Hilfe war da, Rettungswagen, freiwillige Ärzte, die gefragt
haben, wo man mit anpacken kann. Es kamen 20 Seelsorger aus
Paderborn, die einen Topjob gemacht haben - es hat alles so schnell
funktioniert, ich glaube, es hätte fast gar nicht perfekter sein
können."
Auch Moritz Ludorf war unmittelbar von dem Anschlag betroffen. Der
27-Jährige ist Mitglied bei der freiwilligen Feuerwehr - und wurde zu
einem Einsatz in seinem eigenen Lokal gerufen. Der Gastwirt des
Restaurants "Kleiner Kniepenkerl" versucht derzeit, die Geschehnisse
mit seinen Angestellten zu verarbeiten: "Die Mitarbeiter haben ein
großes Bedürfnis zu sprechen. Wir haben uns in großer Runde
ausgetauscht, um zu schauen, was die Mitarbeiter erlebt haben und wie
wir das aufarbeiten können."
Als zusätzliche Belastung zu den ohnehin schon traumatischen
Ereignissen empfand Ludorf es, unmittelbar nach der Tat auch noch
Spekulationen und Gerüchten ausgesetzt zu sein: "Es sind viele Sachen
an uns herangetragen worden, die wir klarstellen wollen. Es hieß, der
Täter hätte am Tag zuvor noch auf unserer Terrasse gesessen, dann
hieß es, er habe bei uns gearbeitet - das entspricht alles nicht den
Tatsachen, und so etwas muss man dann auch erstmal verarbeiten."
Diese Gerüchte wollte der Gastwirt bei stern TV aus der Welt
schaffen: "Damit müssen wir aufräumen. Das sind halt diese Gerüchte,
die sich immer wieder verbreiten, und die einfach nicht gut sind.
Weder für die Betroffenen, noch für die Mitarbeiter, noch für uns."
Was nach der Amokfahrt von Münster auch bleibt, ist die Frage: Was
treibt Menschen zu einer solchen Tat? Jens R. hinterließ ein fast
100-seitiges Schreiben, in dem er sein Umfeld für sein Scheitern und
seine Situation verantwortlich macht. Psychotherapeut Dr. Christian
Lüdke hat das Schreiben gelesen und sagte bei stern TV, es sei "kein
Abschiedsbrief im klassischen Sinne, sondern eine Art Lebensbeichte."
Da der Bericht "sehr detailliert" geschrieben sei, sagte Lüdke im
Gespräch mit Steffen Hallaschka: "Was ich mit Sicherheit sagen kann,
ist, dass der Verfasser dieses Schreibens einen Komplex von schweren
psychischen Störungen hat. Es zeigen sich eine ganze Reihe von
Merkmalen wie Verfolgungswahn, Misstrauen und Aggressionen, die
typisch sind bei beispielsweise einer paranoiden Schizophrenie."
Wichtig für die Opfer und Augenzeugen des Angriffs seien nun zunächst
"Ruhe und Abstand" zu den Ereignissen, "denn diese schrecklichen
Bilder brennen sich sehr tief ein".
Die Meldung ist nur mit der Quellenangabe stern TV zur
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Datum: 12.04.2018 - 00:43 Uhr
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