Produktion von Elektroautos: Hohe Komplexität droht Takt ins Stottern zu bringen / Die Risiken lauern am Ende der Wertschöpfungskette
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Automobilindustrie betrachten die Verbesserung von Prozessen und
Organisationsstrukturen als erfolgsentscheidend für die Zukunft, wie
eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Staufen zeigt. Sie
wissen: Besonders die Umstellung auf Elektromobilität ist mit
Herausforderungen verbunden, die mit den etablierten Abläufen nicht
zu stemmen sind. Im Blickpunkt bei den OEMs steht derzeit vor allem
die Integration in die bestehenden Produktionssysteme.
Während VW auf eigene Produktionsstätten für Elektrofahrzeuge
setzt, stellen fast alle anderen Hersteller derzeit ihre großen
Produktionswerke um. Die E-Autos sollen mit Hybrid-, Benzin- und
Dieselmodellen zusammen vom Band laufen.
"Die Integration führt zu einer weiteren deutlichen Zunahme an
Komplexität", sagt Dr. Thilo Greshake, Partner Automotive bei der
Unternehmensberatung Staufen. "Alle Module und Systeme, aus denen ein
Auto besteht, müssen für sämtliche Modelle Just-in-Time am Band
bereitstehen. Elektroautos benötigen nicht nur andere Antriebe und
Batterien, sondern beispielsweise auch eine andere Heizung oder
Klimaanlage. Der bereits sehr stattliche Variantenbaum erhält dadurch
weitere Äste - aus Vielfalt droht Unübersichtlichkeit zu werden." Die
bisherige durchgängige Taktung am Band wird sich kaum einhalten
lassen. Porsche setzt daher in Zuffenhausen auf variable Taktlängen
und eine flexible Linie. Bei sensiblen Tätigkeiten kann das neue
Transportsystem anhalten und danach schneller an darauffolgende
Stationen fahren.
"Gravierende Probleme wie Tesla werden die deutschen
Automobilhersteller aber nicht haben", ist Experte Greshake
überzeugt. "Sie haben jahrzehntelange Erfahrung und sind extrem stark
in Planung sowie Prozessen. Doch sie dürfen sich nicht nur darauf
konzentrieren, ihre eigenen Fabriken fit zu machen. Viel schwieriger
wird es, die Zulieferer auf die automobile Zukunft vorzubereiten.
Denn wenn es dort hakt, stehen auch bei den OEMs die Bänder still."
Wie anfällig die Supply Chain ist, zeigt sich am Beispiel der
Heizung: Elektroautos benötigen eine elektrische Heizung, da der
Verbrennungsmotor als Wärmequelle entfällt. Die aber wird bisher nur
in sehr geringen Stückzahlen produziert. Künftig werden aus
mittelständischen Heizungs-Zulieferern daher Großserienhersteller,
die zudem noch über hohes technologisches Know-how verfügen müssen.
Denn die Heizung und ihre Steuerung in Elektroautos sind
High-Tech-Produkte, die beispielsweise im Stau auf der Autobahn ihren
Modus wechseln müssen, damit der Akku hält und die Fahrzeuge ihr
angepeiltes Ziel erreichen können. "Diese Transformation schaffen die
Zulieferer nicht alleine. Umso wichtiger ist es, dass die Hersteller
ihre Lieferanten intensiv begleiten und auch am Ende der
Wertschöpfungskette eingreifen", so der Staufen-Berater. "Nur dann
können die Herausforderungen der neuen Automobilwelt erfolgreich
bewältigt und das E-Auto zum Massenprodukt werden."
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Datum: 17.04.2018 - 09:00 Uhr
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