Ruanda: Adventisten wollen Genozid-Gedenkstätte errichten
ID: 1605965
Mehr als 2.000 Angehörige der Tutsi-Minderheit wurden am 16. April 1994 in der adventistischen Kirche und rund 1.000 weitere auf dem Campus der Siebenten-Tags-Adventisten in Mugonero, 50 Kilometer westlich der Hauptstadt Kigali, von Angehörigen der Hutu-Mehrheit getötet. Auf dem Gelände befinden sich neben der Kirche auch das Krankenhaus und die Universität der Adventisten. Beim Abschlachten von Männern, Frauen und Kindern in Mugonero soll es sich um das größte Einzelereignis eines Massakers während des ruandischen Völkermords gehandelt haben, berichtet SPECTRUM, die private Zeitschrift der Vereinigung adventistischer Foren (AF) in den USA. Demnach seien 99 Prozent aller adventistischen Angestellten, nämlich Pastoren, Krankenhauspersonal und weitere Mitarbeitende, in der Mugonero-Region umgebracht worden. Es werde geschätzt, dass während des Völkermords rund 10.000 Adventisten ums Leben kamen, so SPECTRUM.
Laut UNO-Angaben sind zwischen April und Juli 1994 im ostafrikanischen Ruanda rund 800.000 Menschen, vorwiegend Tutsis, aber auch gemäßigte Hutus umgebracht worden.
Gedenktafel mit den Namen der Opfer
Pastor Jerome Habimana, Finanzvorstand der teilkontinentalen adventistischen Kirchenleitung für Ost-Zentralafrika (East-Central Africa Division) mit Sitz in Nairobi/Kenia, teilte laut Adventist Today mit, dass die Glaubensgemeinschaft ?die zerstörte Kirche wiederaufbauen und daraus eine Genozid-Gedenkstätte machen wird?. Damit solle den Opfern Ehrerbietung erwiesen werden, deren Überreste sich derzeit in einer provisorischen Gedenkstätte befänden.
?In der ganzen Welt ist dies der einzige Ort, an dem ein adventistischer Kirchenleiter auf dem Gelände der Kirche an der Tötung von Glaubensangehörigen mitwirkte?, wurde Habimana zitiert. ?Deshalb werden wir auch eine Granittafel mit allen Namen der Opfer, die in der Kirche getötet wurden, errichten?, sagte der Pastor. Die Kirchenleitung habe dafür umgerechnet 73.000 Euro bereitgestellt. Die örtliche Verwaltung werde laut Francois Ndayisaba, dem Bürgermeister des Karongi Distrikts, bei dem Projekt mit der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten zusammenzuarbeiten.
Das Massaker in Mugonero
Am 15. April 1994, dem Tag vor dem Massaker in der adventistischen Kirche von Mugonero, wandten sich sechs Pastoren der Glaubensgemeinschaft aus dem Volksstamm der Tutsi mit einem Brief an Pastor Elizaphan Ntakirutimana, ein Hutu und damals Präsident der regionalen adventistischen Kirchenleitung (Vereinigung) der Kibuye Region. Sie baten ihn, einzuschreiten. ?Wir möchten Dir mitteilen, dass wir vernommen haben, dass wir morgen mit unseren Familien getötet werden?, schrieben sie. ?Wir bitten Dich daher, in unserem Namen zu intervenieren und mit dem Bürgermeister zu sprechen. Dein Eingreifen wird sehr geschätzt werden, so wie damals, als die Juden durch Esther gerettet wurden.? Pastor Elizaphan Ntakirutimana sei ein politischer Vertrauter des lokalen Regierungschefs Clement Kayishema gewesen, so die Zeitung The New Times. Pastor Ntakirutimana habe auf den Brief geantwortet: ?Es gibt nichts, was ich für Euch tun kann. Alles, was Ihr machen könnt, ist, Euch auf den Tod vorzubereiten, denn Eure Zeit ist gekommen.?
Im Februar 2003 wurden Elizaphan Ntakirutimana sowie dessen Sohn Gérard, der als leitender Arzt am adventistischen Krankenhaus in Mugonero tätig war, vom Internationalen Gerichtshof der Vereinten Nationen zur Aufarbeitung des Völkermordes in Ruanda (ICTR) wegen Beihilfe und Begünstigung zum Völkermord zu zehn Jahren Haft und der Mediziner wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu einer Freiheitsstrafe von 25 Jahren verurteilt. Elizaphan Ntakirutimana wurde im Dezember 2006 aus der Haft entlassen und starb im Januar 2007 im tansanischen Arusha im Alter von 82 Jahren.
Furchtloser Einsatz von Carl Wilkens rettete Hunderten das Leben
Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Ruanda ist seit 1978 im Land tätig, so auch während der Zeit des Völkermords. Nach Ausbruch der Gräueltaten 1994 entschied laut Wikipedia der damals 30-jährige Carl Wilkens, Direktor von ADRA Ruanda, als einziger US-Amerikaner des Hilfswerks das Land nicht zu verlassen. Er setzte sich für rund 400 Kinder im Waisenhaus Gisimba und für verfolgte Erwachsene ein. Es sei davon auszugehen, dass seine mutige Präsenz als Weißer in der bedrohten Institution Hunderten das Leben gerettet habe. Zudem hätte er mit einem ADRA-Fahrzeug 100 Kinder des Vatier Waisenhaues und weitere Bedrohte über die Kampflinien hinweg mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln versorgt.
Adventistischer Glaube und Gewalt
Laut Adventist Today löste das Massaker von Mugonero unter den Adventisten weltweit große Diskussionen über das Verhältnis zwischen adventistischem Glauben und Gewalt sowie den damit zusammenhängenden sozialen Problemen, wie ethnische Konflikte, aus. Es bleibe eine offene Frage, so ein pensionierter kirchlicher Mitarbeiter in den USA gegenüber Adventist Today, wie die Konzentration auf die biblische Lehre, unter Missachtung der Sozialethik, zu einem so grundlegend verzerrten Glauben führen könne.
?Die Ntakirutimanas waren nicht die einzigen Adventisten, die sich in Ruanda auf die Seite der Mörder stellten. In Regionen mit vielen Siebenten-Tags-Adventisten war das Morden genauso schlimm wie im Rest des Landes?, schreibt Ron Osborn in SPECTRUM. Es seien adventistische Kirchengänger in den Mobs gesehen worden, die jenen zugejubelt hätten, welche die Morde begangen hätten. Im Jahr 2010 wären in den Gefängnissen Ruandas immer noch zahlreiche Adventisten gesessen, die in den Völkermord verwickelt gewesen seien.
Adventisten in Ruanda
In Ruanda, mit 13 Millionen Einwohnern, feiern 802.000 erwachsen getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in 1.786 Kirchen und 699 Gruppen jeweils am Samstag den Gottesdienst. Die Adventisten unterhalten im Land 46 Grund- und 13 weiterführende Schulen, eine Universität, ein Krankenhaus, sechs Tageskliniken sowie eine Radio- und TV-Station.
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: LifePR
Datum: 30.04.2018 - 08:39 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1605965
Anzahl Zeichen: 6503
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Milton Freewater, Oregon/USA
Kategorie:
Marketing & Werbung
Diese Pressemitteilung wurde bisher 208 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Ruanda: Adventisten wollen Genozid-Gedenkstätte errichten"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland / Süddeutscher Verband KdöR (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die Theologische Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg trauert um ihren Altrektor Professor Dr. phil. Baldur Edmund Pfeiffer, der im 82. Lebensjahr am 16. Oktober plötzlich und unerwartet verstarb. Pfeiffer wurde 1990 nach der staatlichen Anerkennung
Nordamerikanische Kirchenleiter der Adventisten nehmen Stellung zur Entscheidung der Weltkirchenleitung und ermutigen Pastorinnen ...
Bereits am 15. Oktober haben die Leiter der teilkontinentalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Nordamerika (North American Division, NAD) eine Erklärung zur Abstimmung des Exekutivausschusses der adventistischen Weltkirchenleitung (Generalkonferenz, GC-ExCom) vom Vortag abgegeben.
Hochschule Friedensau verleiht 29 Absolventen akademische Grade ...
In einer Feierstunde am 14. Oktober erhielten 29 Absolventinnen und Absolventen der Theologischen Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg Urkunden über die ihnen verliehenen akademischen Grade. In seiner Festansprache hob Pastor Stephan G. Brass, Beauft
Weitere Mitteilungen von Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland / Süddeutscher Verband KdöR
App-Entwicklung und Suchmaschinenoptimierung aus dem Schwarzwald ...
St. Georgen, 28.04.2018 OnTop SEO ist der Experte für die Konzeption und Entwicklung von Applikationen für Smartphones, Tablets, Smart Watches und Smart TV zwischen Schwarzwald, Alb & Bodensee. Durch die tiefgründige Erfahrung in Multi-Plattform Lösungen auf Xamarin Basis, kann die Agentu
Leseschau - DIE faire Plattform für Autoren ...
Die www.Leseschau.de gibt es nun seit einem Jahr. Viele Autoren sind dazu gekommen. Aber was ist da besondere an der Leseschau? Service für Autoren: 1. Jeder Autor hat bei der Leseschau eine Chance. 2. Natürlich gibt es kostenlos eine ISBN-Nummer. 3. Die Bücher können beim VLB kosten
Soccer-Domains und Football-Domains - die richtigen Domains zur Fußballweltmeisterschaft ...
Wenn in wenigen Wochen die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt, werden Sie sicherlich mitfiebern, unsere 11 Freunde auf dem Feld anfeuern -ob vor Ort oder vor dem Fernsehapparat. Vielleicht bauen Sie sogar eine eigene Webseite mit den aktuellen Ergebnissen. Dafür haben wir ein paar Ideen...Wir verra
US-Gouverneur besucht KNUTH Werkzeugmaschinen ...
Im Rahmen seiner Europareise hat der Gouverneur von Illinois, Bruce Rauner, Station in Schleswig-Holstein gemacht. Am Freitag besuchte der US-amerikanische Politiker und Geschäftsmann die Firmenzentrale von KNUTH Werkzeugmaschinen in Wasbek bei Neumünster. Begleitet wurde er dabei von einer Delega




