Illegales Tropenholz - überall und nirgendwo
ID: 2017716
Wie intransparente Lieferketten bestehenden Verordnungen ein Bein stellen
NEMO - Nachhaltige Erweiterung Maritimer Observation (Die Bildrechte liegen bei dem Verfasser der Mitteilung.)(firmenpresse) - Tropenholz versteckt sich in mehr Produkten als wir im ersten Moment erwarten würden. Vom Lattenrost über den Schreibblock bis hin zur Grillkohle - alles besteht aus Holz und dieses kann auch aus den Tropen stammen. Doch Verbaucher*innen, die bewusst konsumieren möchten und auf die Herkunft achten, wird es nicht leicht gemacht.
Bei einer Untersuchung des WWF und des Thünen-Instituts im Jahr 2020 kam heraus, dass von 150 getesteten Grillkohleprodukten aus elf europäischen Ländern 67 Holz aus subtropischen und tropischen Regionen enthielten. Der Anteil von illegalem Holz lag bei bis zu 30%. Die Angaben über die Herkunft auf den Verpackungen waren dabei unvollständig oder falsch und machen es so Verbraucher*innen unmöglich Lieferketten nachzuvollziehen. [Quelle: https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-EU-Marktanalyse-Grillkohle-2020.pdf)
Das Problem des illegalen Holzhandels betrifft alle Produktsparten und ist ein globales Problem. Laut des WWFs wird der Anteil des illegalen Holzeinschlags an der globalen Holzproduktion auf 20 bis 40 Prozent geschätzt, der wirtschaftliche Schaden durch entgangene Einnahmen für Staat, Industrie und Waldbesitzer auf 15 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Illegaler Holzeinschlag drückt durch seine Billigangebote (ermöglicht zum Beispiel durch nicht gezahlte Steuern und verhinderte Abgaben, indem die Hölzer als minderwertig deklariert werden) den Holzpreis weltweit um schätzungsweise sieben bis 16 Prozent. (Quelle: https://www.wwf.de/themen-projekte/waelder/waldvernichtung/illegaler-holzeinschlag)
Deutschland und die EU haben bereits einige Maßnahmen, wie die Europäische Holzhandelsverordnung und die EU-FLEGT-Verordnung, ergriffen, um den europäischen Markt vor illegalen Importen zu schützen und so die nachhaltige Waldbewirtschaftung weltweit zu fördern. (Quelle: https://www.bmel.de/DE/themen/wald/waelder-weltweit/illegaler-holzeinschlag.html)
Doch laut einer Beschwerde des WWFs kommt Deutschland bei der Kontrolle der Importe nicht hinterher. "Bei der derzeitigen Zahl an Kontrollen dauert es rechnerisch 200 Jahre, bis alle in Deutschland am Holzhandel beteiligten Unternehmen einmal kontrolliert wurden", sagt der Tischler und Umweltingenieur Zahnen, der beim WWF für die Themen Holz und Papier zuständig ist. (Quelle: https://www.sueddeutsche.de/politik/beschwerde-bei-der-eu-wwf-holzhandel-1.5332834)
Egal, ob Konsument*in, Unternehmer*in oder Kontrollinstanzen - alle sind auf transparente Lieferketten angewiesen. Denn nur wenn man die Herkunft eines Produktes und alle Akteure der Lieferkette kennt, ist man in der Lage es zu bewerten und zu entscheiden, ob es rechtlichen oder ethischen Ansprüchen gerecht wird.
Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte Forschungsprojekt NEMO (Nachhaltige Erweiterung Maritimer Observation) arbeitet an der Analyse der Prozessketten, um so eine effizientere Überwachung maritimer Gebiete zur Prävention illegaler Aktivitäten und zur Sicherung der globalen Versorgungsketten zu erreichen.
NEMO führt eine Analyse der vollständigen legalen Prozessketten durch, um Anomalien aufzudecken und festzustellen, an welcher Stelle die legale Lieferkette für illegale Aktivitäten missbraucht wird. Anomalien können nur erkannt werden, wenn der legale Prozess bekannt ist!
Bei dieser Analyse konzentrieren sich die Forschungen im NEMO-Projekt auf die zwei Szenarien: auf den illegalen Tropenholzhandel aus Indonesien und illegale Fischerei, am Beispiel des Blauflossen-Thunfischs.
Gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz arbeiten die Konsortiumspartner Deutor Cyber Security Solutions GmbH, Airbus Defence and Space, Arina Deutschland GmbH und das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB gemeinsam daran, die Analyse der Prozess- und Zulieferketten zu definieren und ein Verbrechensmodell erstellen.
Weitere Informationen zu dem Forschungsprojekt finden Sie auf der Website: http://nemo.community/Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
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Datum: 27.10.2022 - 15:55 Uhr
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