Das "Verschwinden" im Theater Ruse, Bulgarien

Das "Verschwinden" im Theater Ruse, Bulgarien

ID: 2037723

Mit "Verschwinden" von Elise Wilk in der Regie von Dumitru Acris brachte das Theater Ruse eine ganz besondere Inszenierung osteuropäischer Dramatik auf die bulgarische Bühne. …



(Foto: Stefan N. Shterev) Das (Foto: Stefan N. Shterev) Das "Verschwinden" im Theater Ruse, Bulgarien

(firmenpresse) - Die Geschichte der rumäniendeutschen Schriftstellerin Elise Wilk "Verschwinden" befasst sich mit einer siebenbürgischen Sachsenfamilie von 1945 bis heute, den Folgen von Krieg, Verlust der Heimat, Auswanderung, in einem nicht nur typisch rumänisch-deutschen Sinne.

In der Produktion des Theaters "Sava Ognyanov" in Ruse, in direkter Nähe zu Rumänien, interpretierte der Moldauer Regisseur Dumitru Acris die Handlung in drei Episoden aus dieser Historie in bulgarischer Erstaufführung. "Verschwinden" bedeutete hier gleichsam die Auflösung einer Gesellschaft. Im Mittelpunkt standen drei Frauen aus drei Generationen einer Familie. Von 1945 und Russlanddeportation bis 1989, Flucht vor der Ceausescu-Diktatur, dann zerplatzte Träume vom reichen Deutschland auch noch nach dem Beitritt Rumäniens zur EU um 2007.

Sechs Schauspielerinnen und Schauspieler schlüpften auf drei verschiedenen Zeitebenen in die Rollen der jeweiligen Familienmitglieder. In drei Wintern zu Zeiten großer historischer Umbrüche sahen wir sie lieben, streiten, um ihre Träume kämpfen, verzweifeln und neu beginnen. Gehen oder Bleiben?

Geschichte und Spiel um das Trauma der Gesellschaft der Siebenbürger Sachsen (Rumäniendeutschen) bettete Regisseur Acris dramaturgisch ein in zahlreiche szenische Bilder und Elemente um Bewusstwerdung zwischen Elend, Frust und Brutalität unter absichtlicher Auslassung von komödiantischen Aspekten des Wilkschen Urtexts. Das hinderte die Protagonisten letztlich daran, innere Ressourcen zu finden. Die Tragödie der Geschichte konnte und sollte hier wohl nicht bewältigt werden.

"Osteuropa steht im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine, der sich jetzt jährte, mehr denn je im öffentlichen Fokus. Ohne den Blick nach Osteuropa, die Thematisierung der Umbrüche von einst und heute bleibt das Bild unserer Welt und der aktuellen Entwicklungen ein unvollständiges."

Mit "Verschwinden" brachte das Theater Ruse eine ganz besondere Inszenierung osteuropäischer Dramatik auf die Bühne.



Jede Generation stellt sich diese Frage neu. Flucht und Vertreibung sind Themen, die erneut eine große Rolle spielen. Historische Umbrüche und Unsicherheiten sind Erfahrungen, die vielen Menschen gerade im Osten Europas vertraut sein dürften und die auch hier in Ruse derzeit wieder eine aktuelle Brisanz besitzen.

Im passenden minimalistischen Bühnen- und Kostümbild von MC Ranin forderte Dumitru Acris die Darsteller hin zu extremen Höchstleistungen. Als "Stanislavski" Kenner und Könner dirigierte er alle bis in jeden einzelnen "Wimpernschlag", zwang die Protagonisten in ein Korsett, welches keinerlei eigene schauspielerische Attitüde zuließ. In dieser Bühnenschau griff alles präzise getaktet wie Zahnräder des Uhrwerks seiner Regie ineinander, vom Kampf um Leben, Verzweiflung, Neubeginn und nahezu kaum Hoffnung.

Der ständigen Wiederholung von Verschwinden fügte der Regisseur eine aktuelle Komponente hinzu. Während Zeichen von Nazi-, Ceausescu- und EU-Zeitraum rechts und links des Bühnenraums optisch den Fortgang der Story erläuternd erleuchteten, blinkten zum Ende Ukraine- und Russland-Flaggen zu einsetzendem Sirenengeheul auf. Die Darsteller verschwanden, nachdem ihre Geschichten übermittelt waren und die Zuschauer wurden successive ins Ausweglose eines erneuten Krieges entlassen. Wieder stellte sich die Frage: Bleiben oder gehen?

"Das Publikum kann von dieser Show eine Menge bewegender Geschichten und psychologisches Theater erwarten, das in Bulgarien leider nur noch selten gespielt wird. Es ist eine fremde Form, aber im schönen Sinne des Wortes und auf jeden Fall ist es spannend", so Theaterchef Boian Ivanov.

"Diese Vorstellung ist eine Herausforderung und ein Vergnügen. Ich denke, dass immer mehr Menschen in dieser Welt der Digitalisierung, in der wir Zugang zu allen möglichen Dingen haben, nach dem Menschlichen suchen. Der Zuschauer möchte echte menschliche Emotionen spüren, die Wärme unseres Körpers, die Tränen in unseren Augen, echtes Lachen. Ich glaube, dass dies für einen Schauspieler das Wertvollste ist, was ihm passieren kann: zur Essenz des Schauspielerberufs und des bedeutungsvollen Theaters zurückzukehren", attestierte Schauspielerin Kristiana Tsenkova.

Eben erst fand auch die deutsche Premiere in den Uckermärkischen Bühnen Schwedt/Oder statt. Das Theater "Sava Ognyanov", Ruse, ist im Juni mit "Verschwinden" zum Internationalen Babel-Festival in die rumänischen Stadt Targoviste eingeladen. Die Aktualität des Sujets ist angetan, noch Aufführungen in weiteren Ländern nach sich zu ziehen.
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:

PPS - Presse-Service Agentur wird von Christian Bauer, Künstler und Publizist, verwaltet.
PPS bietet Aussendungen an im Bereich Kultur und Kultur-Politik, unter besonderem Aspekt von Sprechtheater, Ballett, Musik und Musiktheater, Kunst, Kunstausstellungen und Kulturtourismus.
PPS - Aussendungen gehen an Redaktionen in der Bundesrepublik, nach Österreich und in den deutschsprachigen Bereich von Belgien und Niederlande an Print-, TV-, Radio-, Online - Redaktionen, Medienschaffende und PR-Verantwortliche, sowie offene Kulturkanäle.
PPS-Promotion-Presse-Service gehört zur Pressestelle KulturForum Europa:
Eine europäische Begegnung. Das KulturForum Europa e.V. wurde auf Initiative von Hans-Dietrich Genscher 1992 zur Förderung des gemeinschaftlichen europäischen Gedankens auf allen Gebieten der Kultur gegründet. Gegenseitige Beachtung und Toleranz sollen als Beitrag zur Völkerverständigung vorangetrieben werden.()



Leseranfragen:

EU-Kulturzentrum Haus Jakobholz 10, 52391 Köln-Vettweiss



drucken  als PDF  Pablo Picasso - Zitate und Sprüche Kunst zum Nachdenken Die rosa Gefahr - ein theatralischer Liederabend
Bereitgestellt von Benutzer: Connektar
Datum: 13.03.2023 - 09:10 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2037723
Anzahl Zeichen: 4978

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Christian Bauer
Stadt:

Köln-Vettweiss


Telefon: 02424-9080 440

Kategorie:

Kunst und Kultur


Meldungsart:

Diese Pressemitteilung wurde bisher 285 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Das "Verschwinden" im Theater Ruse, Bulgarien"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

PPS Presse-Service (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

30 Jahre Akademie für Kunst und Design im Dürener Land ...
Als Christian Bauer 1996 auf Einladung des KulturForum Europa die Akademie für Kunst und Design gründete, setzte er eine Idee in die Tat um, die über Jahrzehnte hinweg zahlreiche Menschen begleiten und prägen sollte. Dreißig Jahre später blickt die Akademie auf eine bewegte und erfolgreiche

14. Ausgabe des Internationalen Festivals BABEL im rumänischen Targoviste ...
Mit seiner 14. Ausgabe hat sich das Internationale Festival BABEL in Targoviste erneut als einer der bedeutendsten Treffpunkte der darstellenden Künste in Südosteuropa präsentiert. Zehn Tage lang verwandelte sich die historische Stadt im Herzen Rumäniens in einen Ort der Begegnung, Kreativität

BITEI 2026 - 14. Theaterfestival in Chisinau, Republik Moldau ...
Seit 14 Ausgaben schafft BITEI in der Republik Moldau einen realen Raum für zeitgenössische Kunst, in dem Ideen frei zirkulieren und die Bühne zu einem Ort der Begegnung zwischen verschiedenen Kulturen, Generationen und Perspektiven wird. Dieses vom Theater "Eugène Ionesco" ins Lebe


Weitere Mitteilungen von PPS Presse-Service


Pablo Picasso - Zitate und Sprüche Kunst zum Nachdenken ...
Die Freidenker Galerie zeigt in der Ausstellung "Was ist Kunst?" schöne Zitate von Pablo Picasso und lustige Sprüche von anderen berühmten Künstlern zum Thema Kunst. Von Josef Hader finden Sie in der Ausstellung ein lustiges Video "Die Künstlerfamilie". Der Besuch dieser Onl

Neuerscheinung: Ostfrieslandkrimi "Auricher Tresor" von Martin Windebruch im Klarant Verlag ...
Der sechste Ostfrieslandkrimi von Martin Windebruch enthält zunächst viele Fragezeichen. Wer steckt hinter dem Raubmord an dem Lehrer Jan Schepker? Sind etwa Einkünfte aus zwielichtiger Quelle die Ursache für das Verbrechen? Zum Inhalt von "Auricher Tresor": »Na ja, der Safe ist l

„Blickwinkel“ Ausstellung, Alte Brüderkirche Kassel, 5. – 14. Mai 2023 ...
Unter dem Titel „Blickwinkel“ zeigen die drei deutschen Künstlerinnen Annette Werndl, Gabriele Middelmann und Petra van Husen erstmalig gemeinsam aktuelle Arbeiten. Der Titel „Blickwinkel“ bezieht sich dabei nicht nur auf die unterschiedlichen Ansätze, die die drei Frauen in ihrer Kunst wÃ

Kennen Sie den Vornamen von Sokrates? ...
Die Freidenker Galerie zeigt lusige Zitate, Sprüche, Aphorismen und Weisheiten zum Nachdenken und Schmunzeln. Sie werden viele weise Sprüche, kluge Sprüche und lustige Lebensweisheiten in der Freidenker Galerie entdecken. Helge Schneider, Hagen Rether, Josef Hader, Dr. Albert Kitzler, Dr. Schmidt


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z