NeuroSensEar: Bio-inspirierte Technologie für hocheffiziente Hörgeräte
ID: 2045988
Über elf Prozent der Menschen in der Europäischen Union sind von Hörverlust betroffen, aber nur 41 Prozent von ihnen verwenden eine Hörhilfe, weil sie selbst mit einem Gerät Sprache nicht zufriedenstellend verstehen. Andere verzichten auf ein Hörgerät, weil die Anpassung durch einen Fachmann oft aufwendig und zeitraubend ist. Konventionelle Hörgeräte analysieren den Schall und heben wichtige Signale, vor allem Sprache, gegenüber unwichtigen Signalen und Störgeräuschen, etwa Straßenlärm oder Hintergrundgeräusche, hervor. Hierzu werden alle Schallsignale gefiltert und analysiert. Doch die Hörgeräte stoßen an ihre Grenzen.
Herausforderung für aktuelle Hörgeräte: Filterung komplexer Geräuschsituationen
Je mehr Schallquellen vorhanden sind, zum Beispiel in Bahnhofshallen oder Restaurants, desto schwieriger ist es für Hörgeräte, das wichtige Signal Sprache von Störgeräuschen zu trennen. Zudem verbrauchen die Programme, die die Hörwahrnehmung auch in solch komplexen Hörszenarien verbessern, so viel Rechenleistung und Energie, dass sie in den batteriebetriebenen Hörgeräten nicht eingesetzt werden können.
Ziel: Akzeptanz für Hörhilfen erhöhen durch intelligente, adaptive Sensorik
Ziel des Projekts NeuroSensEar („Neuromorphe akustische Sensorik für leistungsfähige Hörgeräte von morgen“) ist es, die Akzeptanz von Hörhilfen in der Bevölkerung zu erhöhen und damit die Versorgung schwerhöriger Menschen zu verbessern. Herzstück der innovativen Technologie ist ein intelligenter Sensor, der sich automatisch an die jeweilige Hörsituation und den individuellen Hörverlust des Benutzers anpasst. Dazu erhält der Sensor eine Steuerung, die in Echtzeit auf wechselnde akustische Szenerien, zum Beispiel im Wohnzimmer oder im Bahnhof, reagiert und lebenslang neue Hörszenarien dazulernt. Durch seine lebenslange Lernfähigkeit ist es dem Sensor immer besser möglich, hauptsächlich die wichtigen Signale aufzunehmen: Sprachsignale zum Beispiel würden mit einer höheren Verstärkung und Empfindlichkeit aufgenommen, während Hintergrundgeräusche gedämpft würden. Indem sie ein besseres Hörverständnis ermöglichen, wären künftige Hörsysteme so nicht nur leistungsfähiger: Mehr Rechenleistung bei gleichem, wenn nicht geringerem Energieverbrauch macht sie auch effizienter.
Das menschliche Gehör als Vorbild
Der innovative Sensor kann in Hörhilfen aller Art zum Einsatz kommen: Hauptsächlich in Hörgeräten und Hearables, das sind Kopfhörer mit Zusatzfunktionen wie Sprachverständnisverbesserung und Störgeräuschunterdrückung, aber auch in Cochlea-Implantaten, also Hörprothesen für hochgradig Schwerhörige, bei denen Hörgeräte nicht ausreichen, und für Gehörlose, deren Hörnerv noch funktionsfähig ist. Bei der Entwicklung der innovativen Hörgerätetechnologie haben sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der biologischen Informationsverarbeitung des menschlichen Gehörs inspirieren lassen. Vor allem die starke Anpassungsfähigkeit der Sensorik, die in den Sensor integrierte Signalverarbeitung und die enge Verknüpfung zwischen Sensor und Schallverarbeitung lehnen sich an die Fähigkeiten des menschlichen Gehörs an.
Starker Thüringer Forschungsverbund
Am NeuroSensEar-Projekt arbeiten gleich drei Fachgebiete der TU Ilmenau, die Friedrich-Schiller-Universität Jena, das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT und das IMMS Institut für Mikroelektronik- und Mechatronik-Systeme gemeinnützige GmbH synergetisch zusammen. Sie entwickeln den intelligenten Sensor, erforschen die bio-inspirierte Signalverarbeitung, analysieren die Hörwahrnehmung und arbeiten an der Steigerung der Effizienz des Sensorsystems und am lebenslangen Lernen. Die Gruppe Tierphysiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena studiert unter anderem anhand verschiedener Insekten die biologischen Prinzipien der auditiven Signalverarbeitung.
Über die Carl-Zeiss-Stiftung:
Die Carl-Zeiss-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Freiräume für wissenschaftliche Durchbrüche zu schaffen. Als Partner exzellenter Wissenschaft unterstützt sie sowohl Grundlagenforschung als auch anwendungsorientierte Forschung und Lehre in den MINT-Fachbereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). 1889 von dem Physiker und Mathematiker Ernst Abbe gegründet, ist die Carl-Zeiss-Stiftung eine der ältesten und größten privaten wissenschaftsfördernden Stiftungen in Deutschland. Sie ist alleinige Eigentümerin der Carl Zeiss AG und SCHOTT AG. Ihre Projekte werden aus den Dividendenausschüttungen der beiden Stiftungsunternehmen finanziert.
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: PresseBox
Datum: 09.05.2023 - 12:10 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2045988
Anzahl Zeichen: 5578
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Marco Frezzella
Stadt:
Ilmenau
Telefon: +49 (3677) 69-5003
Kategorie:
New Media & Software
Diese Pressemitteilung wurde bisher 277 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"NeuroSensEar: Bio-inspirierte Technologie für hocheffiziente Hörgeräte"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Technische Universität Ilmenau (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Mit einem Kick-off am 6. Mai auf der Quantum Photonics Messe in Erfurt starten Thüringer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein großangelegtes Forschungsprojekt zur Entwicklung einer neuen Hochpräzisionsmaschine, die Nanostrukturen künftig auf bis zu einem Quadratmeter Ausdehnung realisier
TU Ilmenau auf der Hannover Messe ...
Die Technische Universität Ilmenau und das Landespatentzentrum Thüringen (PATON) präsentieren auf der Hannover Messe, der weltweit führenden Industriemesse für Technologien rund um die industrielle Transformation, wegweisende Erfindungen und Lösungen für den Einsatz in Industrie und im privat
Smarte Fertigung im Fokus: Industrieforum in Meiningen zeigt Wege zu mehr Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit – 22. April 2026 bei Adtran Networks SE ...
Wie können Unternehmen der Elektronik- und Gerätefertigung ihre Produktivität steigern, Kosten senken und gleichzeitig wettbewerbsfähig bleiben? Antworten darauf liefert das Industrieforum „Smarte Fertigung – Automatisierung und Robotertechnik in der Elektronik- und Gerätefertigung“, das
Weitere Mitteilungen von Technische Universität Ilmenau
Panasonic präsentiert erweitertes Portfolio für die Optimierung von Supply Chains ...
Wiesbaden, DE. 9. Mai 2023 - Panasonic Connect Europe hat auf der LogiMAT 2023, die kürzlich in Stuttgart stattfand, ein erweitertes Portfolio an integrierten Intralogistik- und Prozessmanagementlösungen der nächsten Generation für Betriebshöfe, Lager, Asset-Tracking und Lieferungen auf der let
Widersprüchliches Konsumverhalten nimmt zu: Lebenshaltungskosten zwingen deutsche Verbraucher, Preise und Prinzipien gegeneinander abzuwägen ...
br /> Für 62 % der deutschen Verbraucher ist das Preis-Leistungs-Verhältnis das wichtigste Kaufkriterium Trotz der hohen Lebenshaltungskosten bleiben 73 % dennoch nachhaltigkeits-bewusst Express-Lieferung am Folgetag oder schnelles Fulfillment stehen auch bei nachhaltigen Käufern ganz oben 3
Lecturio als Preis-Champion ausgezeichnet: Goldmedaille für herausragende Preisgestaltung und Kundenzufriedenheit ...
Die Auszeichnung basiert auf der umfangreichen Studie "Preis-Champions", die von der unabhängigen Rating- und Rankingagentur ServiceValue in Zusammenarbeit mit der renommierten Tageszeitung WELT durchgeführt wurde. Die Studie berücksichtigt die Meinung von Verbrauchern zu mehr als 3500
M-Files erweitert die Integration mit Microsoft Teams und Outlook ...
Ratingen, 9.5.2023 - M-Files, führender Anbieter für metadatengesteuertes Dokumentenmanagement, kündigt heute erweiterte Integrationen mit Microsoft Teams und Microsoft Outlook an. Damit wird eine nahtlose gemeinsame Arbeit an Dokumenten und anderen Daten im Unternehmen unabhängig vom jeweiligen




