Energie vom Acker: Was liefert den meisten Strom-
ID: 2059473
Ob Biogas, Wind- oder Sonnenstrom: Die anstehende Transformation des Energiesystems führt dazu, dass es für landwirtschaftliche Betriebe zunehmend attraktiv wird, neben Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen auch Energie zu produzieren. Um einen sachlichen und unvoreingenommenen Beitrag zu der Frage zu liefern, welche Systeme am meisten Energie pro Flächeneinheit bereitstellen und damit am effizientesten sind, hat das Braunschweiger Thünen-Institut für Betriebswirtschaft verschiedene Nutzungsvarianten miteinander verglichen.
Die Berechnungen ergaben, immer bezogen auf einen Hektar Ackerfläche: Mit dem Anbau von Mais für die Biogasanlage lassen sich sieben Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgen (inklusive Abwärmenutzung). Sehr viel effizienter sind Photovoltaik-(PV-)Freiflächenanlagen, die 230 Haushalte versorgen können. Windräder bringen es sogar auf 6.000 Haushalte. Bei Windrädern wurde dabei der tatsächliche Verlust an landwirtschaftlicher Fläche hochgerechnet. Neben dem Stromsektor wurden auch der Wärme- und Verkehrssektor untersucht, mit sehr ähnlichen Ergebnissen.
Effizienz zählt
Es wird deutlich, dass sich mit Windenergie die mit Abstand meiste Energie pro Hektar Fläche, gefolgt von PV-Freiflächenanlagen, erzeugen lässt. Der Unterschied zu den Bioenergieformen ist dabei enorm. Und dieser Unterschied gilt nicht nur für die Erzeugung von Biogas aus Silomais, sondern auch für die anderen Energiepflanzen, etwa Zuckerrüben, Getreidekörner, Raps oder Holzhackschnitzel aus einer Kurzumtriebsplantage.
In Anbetracht der Studienergebnisse und der großen Unterschiede von einem „Flächenfraß“ für Windenergieanlagen oder PV-Freiflächenanlagen zu sprechen, ist also falsch. Dies gilt insbesondere dann, wenn Landwirte die heute noch für Bioenergie genutzten Flächen anders nutzen. Selbst wenn künftig 100 Prozent des Stroms in Deutschland mit Windenergie- und Photovoltaikanlagen produziert würden, wird dafür immer noch deutlich weniger Fläche benötigt, als aktuell für Biogas aus nachwachsenden Rohstoffen verwendet wird. Flächen, auf denen heute Mais oder Raps für Biodiesel wächst, stünden dann wieder für die Produktion von Nahrungsmitteln zur Verfügung oder auch für Biodiversitätsprogramme.
Die für die zuverlässige flächendeckende Versorgung mit erneuerbarer Energie notwendige Speicher- und Netzkapazität ist im Zuge des Ausbaus der Systeme sukzessive dringend mitaufzurüsten.
Hat Biogas noch eine Zukunft?
Bleibt die Frage, ob Biogas in diesem Szenario überhaupt noch eine Zukunft hat. Da es sich sehr unterschiedlich produzieren und verwenden lässt, lautet die Antwort: Ja, aber … Nutzen Betreiber für die Biogas- Produktion statt Energiepflanzen Reststoffe wie Gülle und Mist, ist sie flächenneutral und somit sinnvoll. Der Nutzungszweck wird sich aber ändern. Beispielsweise werden künftig große Mengen an Methan aus Biogas für die Fertigung industrieller Produkte benötigt. Auch Rapsöl wird weiterhin als Rohstoff für die Schmiermittelindustrie und als Nahrungsmittel gebraucht. Aus den Reststoff en werden somit industrielle Rohstoffe. Häufig wird aber statt der sinnvollen Nutzungsänderung die Grundlastfähigkeit als Argument für eine Biogas-Produktion aus nachwachsenden Rohstoff en genannt. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass auf 8,7 Prozent der aktuell landwirtschaftlich genutzten Fläche nur 7,7 Prozent des deutschen Bruttostrombedarfs produziert werden. Bei Photovoltaik sieht das Verhältnis so aus: 0,1 Prozent der Fläche liefern 10,5 Prozent des Stroms. Ein weiterer Ausbau von Biogas ist schon aufgrund der notwendigen Fläche für die Nahrungsmittelproduktion stark beschränkt.
Auch die Flexibilität der Stromproduktion wird häufig als Pro-Argument für Biogasanlagen genannt. Wie die Daten der Bundesnetzagentur zeigen, findet aber bisher keine nennenswerte flexible Erzeugung deutschlandweit statt. Ein Grund könnte sein, dass die Abwärme der Biogasanlage zum Teil genutzt wird, um Gebäude zu beheizen. Das ist sehr sinnvoll, führt jedoch eben dazu, dass Anlagenbetreiber Strom nicht flexibel, sondern an der Wärmenutzung orientiert produzieren. Um eine Vergleichbarkeit zwischen den erneuerbaren Energien herzustellen, sind daher Batteriespeicherverluste bei PV-Freiflächenanlagen und Windenergie anlagen berücksichtigt.
Stromkosten spielen entscheidende Rolle
Neben dem Vergleich der Flächenenergieerträge ist ein weiterer Punkt von entscheidender Bedeutung: die Stromkosten. Wie Analysen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) zeigen, ist auch hier die Bioenergie im Nachteil. Strom Speicherung in einem Batteriespeicher ist kostengünstiger als Strom aus einer Biogasanlage, im ungünstigsten Fall ist er gleich teuer. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht spricht also auch einiges für eine veränderte und angepasste Förderpolitik der erneuerbaren Energien hin zu mehr PV-Freiflächenanlagen und Windenergieanlagen.
Autor: M.Sc. Jonas Böhm, Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, Braunschweig jonas.boehm@thuenen.de
Über das Thünen-Institut
Das Johann Heinrich von Thünen-Institut, kurz: Thünen-Institut, mit Hauptsitz in Braunschweig ist ein Bundesforschungsinstitut für ländliche Räume, Wald und Fischerei. Die Anstalt des öffentlichen Rechts und Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wurde zum 1. Januar 2008 aus drei Bundesforschungsanstalten errichtet. Das Institut forscht mit 15 Fachinstituten fachgebietsübergreifend mit dem Ziel der nachhaltigen Weiterentwicklung der ländlichen Räume, der Land-, Forst- und Holzwirtschaft sowie der Fischerei. Die rund 1.160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts, davon 656 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, erarbeiten als Ressortforschungseinrichtung wissenschaftliche Grundlagen als Entscheidungshilfe für die Politik der Bundesregierung – www.thuenen.de/de/
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: PresseBox
Datum: 16.08.2023 - 14:19 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2059473
Anzahl Zeichen: 6734
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Anika Knop
Stadt:
Berlin
Telefon: +49 (89) 5898-1323
Kategorie:
Finanzwesen
Diese Pressemitteilung wurde bisher 345 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Energie vom Acker: Was liefert den meisten Strom-"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
ECOVIS AG Steuerberatungsgesellschaft (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die Mittelstandsberatungen Ecovis und RTS werden ab dem 1. Januar 2025 untereinem gemeinsamen Markendach auftreten. Damit stärken sie ihre Präsenz und Expertise in Südwestdeutschland und bieten ihren Mandanten ein erweitertes Leistungsspektrum. Während RTS-Mandanten künftig Zugang zu einem der
Landwirtschaftliches Vorkaufsrecht: Wann gilt ein Verpächter als Landwirt- ...
Wenn Eigentümer Grundstücke an Nichtlandwirte verkaufen wollen, können Landwirte ein Vorkaufsrecht geltend machen. Wer jedoch im Sinne des Gesetzes als Landwirt gilt, ist immer wieder Gegenstand verschiedener gerichtlicher Auseinandersetzungen. Ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs sorgt
Tarifermäßigung für Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft: Verlängerung der Erleichterungen bis 2028 ...
Die Bundesregierung hat die Tarifermäßigung bis 2028 verlängert und schafft damit Entlastung für die Landwirtschaft. Sie reagiert damit auf die Proteste der Landwirtinnen und Landwirte im vergangenen Winter gegen die geplante Streichung der Agrardiesel-Vergünstigung. Was die Maßnahmen für lan
Weitere Mitteilungen von ECOVIS AG Steuerberatungsgesellschaft
Umsatzsteuer-Anwendungserlass: Kein Verzicht auf Steuerfreiheit bei Vermietung an Pauschallandwirte ...
Wenn ein Unternehmer ein Grundstück an einen pauschalierenden Landwirt verpachtet, kann er nicht auf die Steuerfreiheit seiner Verpachtungsumsätze verzichten. Das hatte der Bundesfinanzhof (BFH) bereits in einem Urteil am 1. März 2018 (V R 35/17) entschieden. Daraufhin wurde der Umsatzsteuer-Anwe
Erbschaftsteuer: Auch verpachtete landwirtschaftliche Betriebe sind begünstigt ...
Mit einigen aktuellen Urteilen zur erbschaft- und schenkungsteuerlichen Verschonung von verpachtetem land- und forstwirtschaftlichem Vermögen sorgte der Bundesfinanzhof (BFH) für Unsicherheit. Der Grund dafür: Die Richter forderten als Voraussetzung für die Steuerbefreiung, dass der Übergeber d
Photovoltaikanlagen: Bundesfinanzministeriumäußert sich zur Einkommensteuerbefreiung zugunsten vieler PV-Anlagen-Betreiber ...
Bereits Ende Dezember 2022 hatte der Gesetzgeber eine Steuerbefreiung für bestimmte Photovoltaikanlagen geschaffen. Viele offene und ungeklärte Fragen, wann genau die Steuerbefreiung gilt und in welchen Fällen nicht, führten zu Unsicherheiten bei der Abgabe der Steuererklärungen für das Jahr 2
Doppelte Beitragsbelastung in der Sozialversicherung vermeiden ...
Die Vertretung von ärztlichen Kollegen im Urlaub, bei längerer Krankheit oder einer Fortbildung in deren Praxis auf selbstständiger Basis ist unter Ärzten ganz selbstverständlich. Allerdings unterstellt die Deutsche Rentenversicherung in solchen Fällen mittlerweile regelmäßig ScheinselbststÃ




