NABU: Mit Streichung von überflüssigen Straßenbauprojekten 14 Milliarden sparen
ID: 206322
NABU: Mit Streichung von überflüssigen Straßenbauprojekten 14 Milliarden sparen
Tschimpke: Deutschland lebt beim Straßenbau seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse
Dennoch listet der aktuelle Bundesverkehrswegeplan neue Vorhaben mit einer Gesamtlänge von 1.900 Kilometer auf, die in der Bevölkerung höchst umstritten sind, ein erhebliches Umweltrisiko in sich tragen und bei der aktuellen Haushaltslage absolut nicht finanzierbar sind. Um es klar zu sagen: Beim Straßenbau lebt Deutschland schon seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse."
Dies werde auch beim Anblick des teilweise maroden Bestandsnetzes deutlich. Über Jahre zurückgestellte Investitionen für die Unterhaltung der Straßen haben ihre Spuren hinterlassen. Der harte Winter habe sein Übriges getan. Nach Schätzungen des NABU beträgt der über die Jahre allein bei kommunalen Straßen entstandene Investitionsrückstau für Sanierungen inzwischen über 150 Milliarden Euro. Mit neuen Großprojekten müsse deshalb nun endlich Schluss sein.
NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger: "Es wäre skandalös, wenn bei der Bildung gespart wird, aber die Republik weiter asphaltiert werden soll. Wir fordern Intelligenz statt Beton. In kaum einem Ressort kann der Bundesfinanzminister so sinnvoll sparen, wie im Verkehrsministerium. Als Sofortmaßnahme sollten 20 Straßenbauprojekte gestrichen werden, von denen die meisten selbst vom Verkehrsministerium mit einem ?sehr hohen Umweltrisiko? eingestuft werden. Hier sind an oberster Stelle die Autobahn A 14 in Mecklenburg-Vorpommern und die A20/A 22 in Schleswig-Holstein und Niedersachsen zu nennen." Die Projekte würden jeweils deutlich über eine Milliarde Euro kosten. Allein schon das künftig zu erwartende niedrige Verkehrsaufkommen rechtfertige eine Streichung.
Aber auch Bundesstraßen wie die als Hochmoselübergang bekannt gewordene B50n (165 Mio.) oder die Rhönquerung durch die B87n (225 Mio.), würden mit zusammen über 390 Millionen Euro nicht nur ein größeres Loch in den ohnehin belasteten Bundesetat reißen, sondern führen auch den enormen Eingriff neuer Straßen in die Landschaft und den Naturhaushalt vor Augen.
Erfreulich sei hingegen die kürzlich verkündete Botschaft des hessischen Wirtschaftsministers Dieter Posch zum Stopp der weiteren Planung der Autobahn A 4. Der NABU, der von Anfang an gegen die Pläne gekämpft hatte, begrüßte die Entscheidung. Von Hessen müsse nun ein Signal an die Bundespolitik gehen: ein "weiter so" in der deutschen Verkehrspolitik darf es nicht geben.
Dass die Praxis an der A 4 und vielen anderen Straßenbauprojekten meist noch viel schlimmer aussieht, als die Entwürfe im Bundesverkehrswegeplan vermuten lassen, weiß Wulf Hahn, Verkehrsplaner und Verkehrsexperte des
NABU-Hessen: "Für die nun vom Land Hessen aufgegebene Planung der A 4 durch das hessische und nordrheinwestfälische Rothaargebirge wären nach jüngsten Schätzungen der Bundestraßenbauverwaltung 1,8 Milliarden Euro Baukosten angefallen, während im Bundesverkehrswegeplan noch von 1,5 Milliarden Euro ausgegangen wurde. Innerhalb weniger Jahre hätte sich so eine Kostensteigerung von 20 Prozent ergeben."
Die Erfahrungen zeigten, dass die tatsächlichen Baukosten dann nochmals höher für den Steuerzahler ausfallen. Ein weiteres Autobahnprojekt, die A 49 von Kassel nach Gießen, die zwischen Neuental bei Borken und der A
5 noch nicht gebaut ist, sollte nach Angaben im Bundesverkehrswegeplan lediglich 335 Millionen Euro kosten, während aktuell von über 520 Millionen Euro ausgegangen wird - eine Steigerung von umgerechnet etwa
55 Prozent.
"Es ist an der Zeit, sich von der auf den Straßenbau fokussierten Verkehrsplanung der letzten Jahrzehnte endgültig zu verabschieden.
Autobahnprojekte sind sehr teuer, werden wegen Planungsfehlern meist über Jahrzehnte beklagt und zerstören wertvollen Kultur- und Naturraum, der in Deutschland sehr knapp geworden ist", so Tschimpke.
Ein Hintergrundpapier sowie die Liste der aus NABU-Sicht irrsinnigsten Straßenbauprojekte, ausgewählte Fotos der vom Straßenbau bedrohten Landschaftsräume und eine Karte mit dem Trassenverlauf der Straßen zu finden unter www.nabu.de
Für Rückfragen:
Dietmar Oeliger, NABU-Verkehrsexperte, Tel. 030-284984-1613 oder
0172-9201823
Wulf Hahn, Verkehrsplaner und Verkehrsexperte NABU-Hessen, Tel.
0174-9814839
Im Internet zu finden unter www.NABU.de´
Bereitgestellt von Benutzer: pressrelations
Datum: 02.06.2010 - 13:47 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 206322
Anzahl Zeichen: 5444
pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen
Diese Pressemitteilung wurde bisher 241 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"NABU: Mit Streichung von überflüssigen Straßenbauprojekten 14 Milliarden sparen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
NABU - Naturschutzbund Deutschland (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Miller: Forderung nach Abschaffung des Verbandsklagerechts ist billiges Mittel Berlin - Der NABU beurteilt die Forderung von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, das Verbandsklagerecht einzuschränken oder gar abzuschaffen, als billiges Mittel, um von seiner desaströsen Amtszeit abzulenken.
Weiße Riesen mit schwarzer Weste - NABU startet Fotowettbewerb zur Luftverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe ...
Berlin - Schwarze Rauchsäulen aus den Schloten von Kreuzfahrtschiffen - Wer dies in diesem Sommer beobachtet, sollte am besten gleich zur Kamera greifen. Denn der NABU ruft dazu auf, die enorme Abgasbelastung durch Kreuzfahrtschiffe zu dokumentieren. "Noch immer pustet jedes vermeintliche Tr
Artenschutz/International: Erster Schneeleopard tappt in NABU-Fotofalle im kirgisischen Tien Shan Tennhardt ...
aaten müssen sich auf globalen Schutzplan verständigen Berlin/Bischkek - Ein stattlicher Schneeleopard ist in eine der 18 Fotofallen getappt, die der NABU erst vor wenigen Wochen im kirgisischen Tien Shan installiert hat. Das bis zu 7439 Meter hohe im Norden des Landes gelegene Hochgebirge ist
Weitere Mitteilungen von NABU - Naturschutzbund Deutschland
Energiesparen durch nachhaltige Elektronik ...
Elektronik kann wesentlich dazu beitragen, Energie zu sparen: in Haushaltsgeräten, Unterhaltungselektronik oder im Büro, in Industrieanlagen, Stromversorgungsnetzen oder Elektrofahrzeugen. In der Metropolregion Nürnberg intensivieren Unternehmen und Forschungseinrichtungen ihre Zusammenarbeit zu
Intersolar Europe 2010: vogt group SE auch in diesem Jahr wieder vertreten. ...
Berlin, 2. Juni 2010. Vom 9.-11. Juni 2010 findet in München die weltweit größte Fach- und Branchenmesse der Solarwirtschaft statt. Erneut rechnen die Veranstalter mit Rekordzahlen bei Ausstellern und Besuchern. Im Rahmen der Intersolar Europe 2010 präsentiert sich auch die Berliner vogt group S
Gute Resonanz auf den Solacept®-Solartag der Westfalen AG ...
Anfang Mai fand der Solacept®-Solartag 2010 der Westfalen AG in Münster statt. Die Organisatoren aus dem Geschäftsbereich Westfalengas brachten ausgewiesene Fachleute zusammen, die das bisher nicht genutzte Potenzial solarthermischer Großanlagen - insbesondere Mehrfamilienhäuser mit drei bis ze
Neue Gasnetzzugangsverordnung ebnet Weg für neue Player ...
München - Das Bundeskabinett hat eine Neufassung der Gasnetzzugangsverordnung (GasNZV) beschlossen, die den Zugang zu den Gasnetzen neu regeln und damit den Wettbewerb stärken soll. Die Consline AG hilft Energieversorgungsunternehmen sich im verschärften Wettbewerbsumfeld auszurichten, Trends frÃ




