Aktienorientierte Vermögensbildung und Altersvorsorge - aus Zwei wird Eins?

Aktienorientierte Vermögensbildung und Altersvorsorge - aus Zwei wird Eins?

ID: 2090109

(ots) -
- Bundesregierung plant weitreichende Rentenreformen
- Generationenkapital vor allem für nachfolgende Generationen
- Auch Riester-Reform unabdingbar

Längst hat die Politik nachvollzogen, dass die langfristige Vermögensbildung mit Aktien sinnvoll ist. Gilt das auch für die Altersvorsorge? Mit dem in der gesetzlichen Rente verankerten Generationenkapital und einer grundlegenden Reform des Riester-Sparens sollen nun auch in diesem Bereich Aktien mehr Relevanz erhalten.

Generationenkapital hilfreich, aber zu spät

Mit dem Generationenkapital will die Bundesregierung den Kapitalmarkt nutzen, um mittels Kursgewinnen und Dividenden den Beitragssatz der gesetzlichen Rente zu stabilisieren. Dazu soll ein Kapitalstock aufgebaut werden, der vorrangig in Produktivkapital investiert. Prof. Dr. Michael Heuser, Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA), bezieht Stellung: "Es ist zu begrüßen, dass neben den Beiträgen aus dem Umlageverfahren und dem Steuerzuschuss eine dritte Einnahmequelle für die Finanzierung der Renten aufgebaut wird. Allen Beteiligten muss jedoch klar sein, dass die Effekte deutlich zu spät kommen, um das vorrangige Problem der Finanzierung der Renten der geburtenstarken Jahrgänge zu lösen. Aber die Kinder der heute noch jungen Erwerbstätigen werden einmal vom Generationenkapital Nutzen haben."

Auch Tech-Giganten wären Profiteure

Freuen werden sich über das Generationenkapital auch Unternehmen aus dem Ausland. Denn schon aus Gründen der Streuung des Generationenkapitals, aber auch unter Renditeaspekten dürfte sich seine Anlage an den weltweiten Aktienindizes orientieren. Damit wird der deutsche Staat in großem Stil beispielsweise auch Aktien von US Tech-Giganten kaufen und deren Wachstum mitfinanzieren. Denn sie dominieren viele Indizes. "Die Frage muss erlaubt sein, ob diese Wirtschaftsförderung so gewollt ist. Zumindest sollte über Vorgaben nachgedacht werden, Mindestanteile des Generationenkapitals in deutsche und europäische Aktien zu investieren. Das stärkt die heimische Wirtschaft und sichert Arbeitsplätze. Denkbar wären auch gezielte Aktienkäufe von Unternehmen, deren Geschäftsmodelle im Einklang mit anderen politischen Zielen wie zum Beispiel dem Klimaschutz stehen", so Heuser.



Riester-Reform stärkt Vermögensbildung und Altersvorsorge

Wie beim gesetzlichen Generationenkapital soll auch in der privaten Altersvorsorge Aktien mehr Raum gegeben werden. Die geplante Abschwächung der Bruttobeitragsgarantie gibt den Anbietern in der Ansparphase mehr Freiraum in der Kapitalanlage. Dazu Norman Wirth, geschäftsführender Vorstand des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung, einer der Trägerverbände des DIVA: "Wir begrüßen die geplante Reform. Sie ist überfällig, damit es wieder mehr Angebote gibt. Mit dem diskutierten Wegfall der Verrentungspflicht am Ende der Ansparphase würde zudem die Flexibilität erhöht. Wer bis dahin schon anderweitig alles Erforderliche für die Finanzierung des Alters geregelt hat, wird froh sein, über sein gesamtes angespartes Riesterkapital verfügen zu können und nicht faktisch zu einer weiteren Rente gezwungen zu werden." Bisher sind nur maximal 30 Prozent Kapitalverfügung möglich, der Großteil muss verrentet werden. Heuser ergänzt: "Bei Wegfall der Riester-Verrentungspflicht verschmelzen für die Sparer die Vermögensbildung und die private Altersvorsorge noch stärker. Beides sind zwei Seiten der langfristigen Vorsorge."

Ein Gesetzentwurf für eine Riester-Reform wird für Herbst 2024 erwartet. Noch ist nicht klar, wie sie im Detail aussehen wird. Sollte sich am Ende doch die Beibehaltung der Verrentungsgarantie durchsetzen, fordert Wirth weitere Maßnahmen: "Die Hauptsache ist doch, dass es nach mehr als 20 Jahren endlich wieder einen Impuls zur Förderung privater Altersvorsorge gibt. Alle sollten deshalb ein gemeinsames Interesse an einer Reform noch in diesem Jahr haben. Wenn es dann bei der Verrentungspflicht bleibt, sollte dringend auch etwas für die getan werden, für die eine Rente keinen wirklichen Sinn macht. Dann müsste man zusätzlich bzw. alternativ zu zulagengeförderten Riester-Verträgen zum Beispiel über einen hohen Steuerfreibetrag für langfristige Fondssparpläne nachdenken, der einmal im Leben, etwa nach dem 60. Lebensjahr, gezogen werden kann", so Wirth.

DIVA - Deutsches Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung

Das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) in Frankfurt am Main ist ein An-Institut der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) und versteht sich als Meinungsforschungsinstitut für finanzielle Verbraucherfragen. Es wird von vier namhaften Vermittlerverbänden getragen: dem Bundesverband Finanzdienstleistung AfW, VOTUM, dem Bundesverband Deutscher Vermögensberater (BDV) und dem Bundesverband der Assekuranzführungskräfte VGA. Die Wissenschaftliche Leitung liegt bei FHDW-Professor Dr. Michael Heuser.

Deutscher Geldanlage-Index des DIVA (DIVAX-GA); Deutscher Altersvorsorge-Index (DIVAX-AV)

Im Rahmen seines Forschungsspektrums veröffentlicht das DIVA jeweils zweimal jährlich den Deutschen Geldanlage-Index (DIVAX-GA) und den Deutschen Altersvorsorge-Index (DIVAX-AV), die das Meinungsklima der Menschen in Deutschland zu diesen Finanzfragen messen. Sie werden ergänzt durch Sonderbefragungen zu Themen der Vermögensbildung und Alterssicherung, häufig mit Unternehmenspartnern; diese basieren auf DIVA-Tandemumfragen, d.h. repräsentativen Doppelbefragungen von Endverbrauchern einerseits und Finanzanlagenvermittlern andererseits. Veröffentlichungen des DIVA und weitere Informationen unter www.diva.de.

FHDW - Fachhochschule der Wirtschaft

Die private Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) wurde 1993 gegründet. Sie bietet an fünf Campussen duale und berufsbegleitende Bachelor- und Master-Studiengänge in den Bereichen Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik an. Neben der engen Verzahnung von Theorie und Praxis durch die Kooperation mit rund 600 Unternehmen bietet die FHDW kleine Studiengruppen, intensive Betreuung, effiziente Studienorganisation und attraktive Karrieremöglichkeiten. Im Wintersemester 2023/24 sind über 2.000 Studierende eingeschrieben. Sie werden von 40 Professoren und zahlreichen Lehrbeauftragten betreut. Seit ihrer Gründung hatte die FHDW rund 10.200 Absolventinnen und Absolventen. Weitere Informationen unter www.fhdw.de.

Pressekontakt:

Prof. Dr. Michael Heuser, Wissenschaftlicher Direktor
Deutsches Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung
Kleiner Hirschgraben 10-12
60311 Frankfurt am Main
Tel. 069 2562 6998-0
michael.heuser@diva.de
www.diva.de


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