Klimaklage gegen Lufthansa: Deutsche Umwelthilfe geht gegen irreführendes CO2-Neutralitätsversprec

Klimaklage gegen Lufthansa: Deutsche Umwelthilfe geht gegen irreführendes CO2-Neutralitätsversprechen bei Kompensationsrechner der Lufthansa vor

ID: 2094367

(ots) -
- DUH verklagt die Deutsche Lufthansa AG wegen irreführendem CO2-Neutralitätsversprechen
- Dreistes Greenwashing: Lufthansa bewirbt Flugreisen mit vollständiger Kompensation der verursachten CO2-Emissionen, obwohl ungeeignete Kompensationsprojekte verwendet werden
- DUH kritisiert darüber hinaus den Kompensationsrechner von Lufthansa scharf, da dieser einen Großteil der klimaschädlichen Auswirkungen der Flüge nicht einbezieht

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat am Landgericht Köln Unterlassungsklage gegen die Deutsche Lufthansa AG eingereicht. Die DUH kritisiert das CO2-Neutralitätsversprechen von Lufthansa als dreistes Greenwashing: Die Fluggesellschaft bewirbt ihre Flugreisen damit, dass Kundinnen und Kunden die beim Flug entstehenden CO2-Emissionen durch einen Beitrag zu Kompensationsprojekten ausgleichen können. Damit signalisiert Lufthansa, dass Flüge durch einen CO2-Ausgleich keine klimaschädlichen Auswirkungen hätten. Die angegebenen Waldschutz- und Kochofenprojekte reichen für den versprochenen Ausgleich allerdings nicht aus.

Im Kompensationsmodell der Lufthansa wird zudem nur ein Bruchteil der schädlichen Klimawirkungen berücksichtigt. In ihren Berechnungen unterschlägt die Fluggesellschaft Klimagase wie Ozon, die Auswirkungen der Kondensstreifen und weitere schädliche Aspekte eines Fluges. Bezieht man diese Aspekte ein, sind die Klimawirkungen eines Fluges bis zu viermal so groß, wie durch den Kompensationsrechner der Lufthansa ermittelt. Die Lufthansa benutzt einen Kompensationsrechner, der von der Stiftung myclimate stammt. Der Kompensationsrechner, den myclimate auf ihrer eigenen Internetseite verwendet, bezieht hingegen die über den CO2-Ausstoß hinausgehenden Klimawirkungen ein und kommt zu viel höheren Kompensationsbeträgen als der durch die Lufthansa verwendete Rechner. Die Klimawirkungen eines Fluges werden bei der Lufthansa ohne einen ausreichenden Hinweis auf den reinen CO2-Ausstoß reduziert, was mit der Realität der Klimawirkungen von Flügen nichts zu tun hat.



Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: "Flugreisen bleiben die klimaschädlichste Form des Reisens - egal, was Lufthansa verspricht. Die Airline erweckt jedoch in ihrer Werbung den Eindruck, dass mit wenig Geld die gesamten Emissionen einer Flugreise ausgeglichen werden können. Das ist dreiste Verbrauchertäuschung und irreführendes Greenwashing. Lufthansas Werbung ist in mehrfacher Hinsicht besonders schamlos: Sie verspricht Verbraucherinnen und Verbrauchern, dass Fliegen nachhaltig sein kann. Das ist schlichtweg falsch und wird sich auch in naher Zukunft nicht ändern. Außerdem werden bei der Kompensation nicht alle durch die Flugreise entstehenden Emissionen und Wirkungen berücksichtigt: Die tatsächlichen Klimawirkungen eines Flugs sind real zwei- bis viermal so groß wie die reinen CO2-Effekte, die Lufthansa in ihren Kompensationsrechner einstellt. Wir nehmen dieses irreführende Greenwashing nicht hin und ziehen Lufthansa vor Gericht zur Verantwortung."

Agnes Sauter, Leiterin ökologische Marktüberwachung bei der DUH: "Die von Lufthansa zur Kompensation angegebenen Projekte erfüllen nicht das, was sie versprechen: CO2-Emissionen verbleiben für viele Jahrhunderte in der Erdatmosphäre. Waldschutzprojekte können jedoch nicht garantieren, dass sie für diesen langen Zeitraum betrieben werden. Auch die angegebenen Kochofenprojekte in Afrika werden hinsichtlich ihres Einsparpotentials völlig überschätzt, da sie auf reinen Spekulationen beruhen. Wie lokale Familien diese Kocher dauerhaft nutzen, können wir nicht wissen. Diese Projekte sind gut und wichtig. Sie sollen aber nicht dafür herhalten, dass die westlichen Industrieländer ihren hohen CO2-Verbrauch beibehalten. Anstatt Emissionen zu reduzieren oder zu vermeiden, setzt Lufthansa auf untaugliche Kompensation und suggeriert ihren Kundinnen und Kunden falsche Nachhaltigkeit."

Pressekontakt:

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer
0171 3649170, resch@duh.de

Agnes Sauter, Leiterin ökologische Marktüberwachung
0175 5724833, sauter@duh.de

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Datum: 27.04.2024 - 10:00 Uhr
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