"Mit einem starken Deutschland kann Europa vorangehen" - EP-Präsidentin Metsola beim WELT-Wirtschaftsgipfel
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(ots) - Menschenverstand statt europäischer Regulierungswut, eine echte Kapitalmarktunion für heimische Investitionen und ein starkes Deutschland als treibende Kraft Europas: Vor Top-Managern der größten deutschen Unternehmen plädiert EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola am Dienstag in Berlin für neue Wege und einen realistischen Optimismus.
Europa muss schneller, effizienter und praxisnäher werden. Das forderte Roberta Metsola am Dienstag beim WELT-Wirtschaftsgipfel im Axel-Springer-Haus in Berlin, wo sich die Präsidentin des Europäischen Parlaments mit rund 60 CEOs der größten deutschen Unternehmen ausgetauscht hat.
Überbordende Bürokratie belaste Unternehmen und verschlinge wertvolle Ressourcen, so Metsola. Es brauche klare, schlanke Regeln und einen starken politischen Willen, damit Europa seine Wirtschaftskraft entfesseln könne:
Europa darf es sich nicht leisten abgehängt zu werden
"Der Kontrast ist niemandem entgangen: Auf der einen Seite sehen wir eine Flut von präsidialen Dekreten von US-Präsident Trump. Auf der anderen Seite haben wir den europäischen Ansatz mit sorgfältig ausgearbeiteten Vorschlägen, die ihren Weg langsam durch die Europäische Kommission, den Rat der EU-Staaten und das Europäische Parlament nehmen, bevor sie auf nationaler Ebene umgesetzt werden. Es geht dabei nicht nur um ein Imageproblem, sondern um einen systematischen Wandel, der gerade stattfindet - und Europa darf es sich nicht leisten, in einer Welt, die immer schneller voranschreitet, abgehängt zu werden."
"Wir müssen ehrlich darüber sein, was die Menschen von Europa erwarten und was wir leisten können. Das bedeutet, effektive, effiziente und kohärente Regelungen zu schaffen, die auf gesundem Menschenverstand basieren, statt auf einer Regulierungswut, die wir immer noch viel zu oft sehen."
"Wenn es zu einer Verdopplung - manchmal sogar einer Verdreifachung - von Verpflichtungen kommt, die laut Umfragen fast ein Viertel der Arbeitszeit von Unternehmen und bis zu sechs Prozent ihrer Einnahmen beanspruchen, ist das unhaltbar. Das Gleiche gilt für Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung, bei denen eine aktuelle KfW Studie (https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2024/Fokus-Nr.-478-Dezember-2024-Nachhaltigkeit-Kredit.pdf) gezeigt hat, dass kleine und mittlere Unternehmen schlecht darauf vorbereitet sind, diese Verpflichtungen zu erfüllen."
Mit einem starken Deutschland kann Europa vorangehen
Angesichts der geopolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen fordert Präsidentin Metsola europäischen Zusammenhalt ein, wobei sie die besondere Verantwortung Deutschlands betont:
"Alleine sind wir klein und verletzlich, aber gemeinsam sind wir eine nicht zu unterschätzende globale Kraft. Wir müssen an Europas Fähigkeit glauben, diesem Moment gerecht zu werden. Es ist keine Frage der Ressourcen, sondern eine Frage der Entschlossenheit. Eine Frage des politischen Willens, gestützt auf starke Regierungen und selbstbewussten Unternehmen. Mit einem starken Deutschland, das Europa stabilisiert und politische Führung bietet kann Europa vorangehen. Die Antwort, die Europa sucht, ist Europa."
Kapitalmarktunion kann Hunderte Milliarden mobilisieren
Auch beim Thema Wachstum und Investitionen müssen wir in Europa dringend weiterkommen - und auch hier liege unsere Stärke im Zusammenhalt, so Metsola:
"Europa muss das Geld generieren, um in strategische Sektoren wie Künstliche Intelligenz oder grüne Technologien zu investieren, und zwar durch die vollständige Integration unserer Energie-, Kapital- und Bankenmärkte. Eine Energieunion, die Unternehmen niedrige und stabile Preise garantiert. Es mangelt Europa nicht an Kapital: Europäische Haushalte sparen jährlich fast 1,4 Billionen Euro, verglichen mit etwas über 800 Milliarden Euro in den USA. Doch aufgrund der fragmentierten Kapitalmärkte fließen jedes Jahr 300 Milliarden Euro ins Ausland. Das hindert unsere Start-ups daran, auf dieses Geld zuzugreifen und zu wachsen. Eine Kapitalmarktunion wird Anreize schaffen, damit die Hunderten Milliarden an Ersparnissen europäischer Haushalte in Europa bleiben."
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Datum: 28.01.2025 - 14:12 Uhr
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