Deutsche Umwelthilfe kritisiert Bundesregierung für Verschleierung von Ausmaß der Luftverschmutzung - trotz erstmaliger Grenzwerteinhaltung mehr als 70.000 Todesfälle jedes Jahr
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(ots) -
- Neue Luftqualitätsdaten des Umweltbundesamts für das Jahr 2024: Nahezu flächendeckend gesundheitsschädliche Belastung der Atemluft mit Feinstaub und Stickstoffdioxid
- Trotzdem rühmt sich Umweltbundesamt mit Einhaltung viel zu laxer und veralteter Grenzwerte
- DUH fordert nächste Bundesregierung auf, neue EU-Grenzwerte bis spätestens 2028 festzulegen und WHO-Empfehlungen als Grenzwerte bis 2035 zu beschließen
Das Umweltbundesamt (UBA) rühmt sich mit der heutigen Veröffentlichung der neuesten Luftqualitätsdaten mit der erstmaligen Einhaltung aller gesetzlicher Grenzwerte für Luftschadstoffe. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert dies als Verschleierung der tatsächlichen Gesundheitsnotlage in Deutschland. Erst vergangene Woche hatte die DUH Zahlen der Europäischen Umweltagentur (EEA) veröffentlicht, die die dramatischen Folgen von Luftverschmutzung für alle deutschen Landkreise und kreisfreien Städte aufzeigen. Allein in Berlin sterben jedes Jahr 3.527 Menschen aufgrund hoher Feinstaubbelastung, 1.414 durch Stickstoffdioxid. Im Ruhrgebiet sind jedes Jahr bis zu 150 Todesfälle je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner wegen Feinstaub und 80 Todesfälle wegen Stickstoffdioxid (NO2) zu verzeichnen. Auch die Lobeshymne des UBA auf die Leistung der Behörden, die durch gezielte Luftreinhaltemaßnahmen zur Einhaltung der Grenzwerte beigetragen hätten, täuscht über die Tatsache hinweg, dass die meisten zuständigen Behörden sich massiv gegen die Umsetzung dieser Maßnahmen gestellt hatten und erst durch den Druck der DUH diese in den letzten Jahren umgesetzt wurden.
Die DUH fordert von der künftigen Bundesregierung spätestens bis 2028 eine schnellstmögliche Umsetzung der neuen EU-Grenzwerte für Luftschadstoffe. In einem zweiten Schritt müssen auch die deutlich strengeren Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation bis 2035 gesetzlich verankert und verbindlich eingehalten werden.
Jürgen Resch, DUH-Bundesgeschäftsführer: "Endlich werden die seit 2008 festgelegten Grenzwerte eingehalten - und das auch nur, weil die Grenzwerte viel zu schwach sind. Das Umweltbundesamt streut den Bürgerinnen und Bürgern Sand in die Augen: Es gibt keinen einzigen Landkreis in Deutschland, in dem die nach wie vor dramatische Luftverschmutzung nicht zu Erkrankungen und Todesfällen führt. Sich trotz dieses offenkundigen Gesundheitsnotstandes für die erstmalige Einhaltung einer seit Jahrzehnten bestehenden Verpflichtung zu rühmen, ist eine Verhöhnung all jener, die in den vergangenen Jahren unter der hohen Belastung krank geworden sind, deren Gesundheit sich verschlechtert hat oder die sogar daran verstorben sind. Die Zahlen der Europäischen Umweltagentur machen deutlich: Jede weitere Verschleppung effektiver Maßnahmen kostet Menschenleben. Um die nach wie vor mehr als 70.000 Todesfälle pro Jahr wegen schmutziger Luft zu vermeiden, ist schnelles Handeln notwendig. Die neuen EU-Grenzwerte für das Dieselgift Stickstoffdioxid wird an 43 Prozent der Messstellen überschritten, die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation gar an 78 Prozent. Für die Belastung mit Feinstaub sieht es nicht besser aus: hier wird die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation an nahezu keinem Messpunkt in Deutschland eingehalten. Die neuen Grenzwerte müssen in Deutschland um zwei Jahre vorgezogen und unbedingt ab 2028 zur Pflicht werden, um endlich Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Bis spätestens 2035 müssen die strengeren Grenzwertvorschläge der Weltgesundheitsorganisation als verbindliche Grenzwerte gelten und überall in Deutschland eingehalten werden."
Hintergrund:
Im September 2021 hat die WHO ihre Grenzwertempfehlungen an den aktuellen Stand der Wissenschaft angepasst und für Stickstoffdioxid drastisch auf 10 µg/m3 und für Feinstaub auf 5 µg/m3 abgesenkt. Mit der Einhaltung könnten laut Europäischer Umweltagentur in Deutschland jedes Jahr 32.628 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaubbelastung und 9.442 aufgrund der Luftverschmutzung mit Stickstoffdioxid vermieden werden. Derzeit gelten noch die 2008 beschlossenen Grenzwerte von 40 µg/m3 im Jahresmittel für Stickstoffdioxid und 25 µg/m3 für Feinstaub (PM2,5). Im Dezember 2024 wurden von der EU neue Grenzwerte beschlossen: Für Stickstoffdioxid 20 µg/m3 im Jahresmittel und für Feinstaub 10 µg/m3 im Jahresmittel, jeweils ab 2030.
Link:
- Zur Luftqualitätsdatenbank: Luftdaten | Umweltbundesamt (https://www.umweltbundesamt.de/daten/luft/luftdaten)
- Zur Jahresbilanz: Jahresbilanzen | Umweltbundesamt (https://www.umweltbundesamt.de/daten/luft/luftdaten/jahresbilanzen/eJxrWpScv9ByUWXqEiMDIxMAMPkFvQ==)
Pressekontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer
0171 3649170, resch@duh.de
Robin Kulpa, Stellvertretender Leiter Verkehr und Luftreinhaltung
030 2400867-751, kulpa@duh.de
DUH-Newsroom:
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Datum: 20.02.2025 - 13:42 Uhr
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