Die Arbeit muss sofort beginnen / Kommentar von Raimund Neuß über die Zukunftsaufgaben einer mögl

Die Arbeit muss sofort beginnen / Kommentar von Raimund Neuß über die Zukunftsaufgaben einer möglichen schwarz-roten Koalition

ID: 2154432

(ots) - Der Mann macht Tempo. CDU-Chef Friedrich Merz, dem der Einzug ins Kanzleramt nach dem Wahlergebnis vom Sonntag nicht mehr zu nehmen ist, hat einen straffen Zeithorizont für die Regierungsbildung genannt - bis Ostern - und seine wichtigste Priorität: die Stärkung Europas, um es von den USA unabhängig zu machen. Merz weiß, dass Deutschland bei dieser Stärkung vorangehen muss - politisch, wirtschaftlich, militärisch - und dass dies viel Geld kosten wird. Es ist nur konsequent, dass er den anderen Parteien schnelle Gespräche über eine Verfassungsänderung zur Reform der Schuldenbremse anbietet.

Es ist gut, dass Merz so entschieden vorangeht. Und es wäre gut, wenn die SPD ihre Rolle als einziger in Betracht kommender Koalitionspartner nicht lang für demonstratives Zieren nutzt. Mit dem Hinweis, es stehe nicht fest, ob die SPD in eine Regierung eintritt, wird Parteichef Lars Klingbeil keinen Zehntelpunkt an verlorenem Vertrauen zurückgewinnen. Beide künftigen Partner, Union und SPD, schaffen das nur, wenn sie jetzt liefern.

Wohlgemerkt: beide. Die SPD hat ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl verbucht, die Union ihr zweitschlechtestes. Vordergründig bekamen die Sozialdemokraten wie die Grünen und die gescheiterten Liberalen ihre Quittung für die traurige Vorstellung der Ampelkoalition. Und ja, Merz' Beliebtheitswerte sind schwach. Seine Fehler im Umgang mit der AfD vor der Wahl dürften das Ergebnis der Union weiter gedrückt haben. Profitiert hat davon aber nicht die SPD, sondern die Linke von TikTok-Größe Heidi Reichinnek.

Das weist auf tiefer liegende Krisenursachen hin. Wie in anderen europäischen Ländern arbeiten Rechts- wie Linksaußenparteien mit Simpel-Parolen im Namen eines behaupteten Volkswillens ohne Rücksicht auf Minderheiten daran, die Parteien der demokratischen Mitte zu pulverisieren. Die SPD beispielsweise hat in besorgniserregender Weise nicht nur an Linke und BSW, sondern auch an die AfD Wähler verloren.



Wie weit dieser Zermürbungsprozess schon fortgeschritten ist, zeigt sich daran, dass Merz jetzt im Eiltempo Verfassungsänderungen durchsetzen will und muss. Denn nach der Konstituierung des neuen Bundestages fehlt den Mitte-Parteien Union, SPD und Grüne die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit. Und nur haarscharf ist unser Land an einer Situation vorbeigeschrammt, in der ein schwarz-rot-grünes Bündnis einer ausschließlich aus Radikalen bestehenden Opposition gegenübergestanden hätte.

Anders als etwa die ehemaligen italienischen Christdemokraten und Sozialisten sind ihre deutschen Schwestern noch als aktionsfähige Größen vorhanden. Sie bleiben es nur, wenn sie konkrete Probleme lösen. Wenn sie unsere Widerstandsfähigkeit gegen US-Erpressungen und russisches Hegemoniestreben sichern, wenn sie Wirtschaft und Infrastruktur stärken, wenn sie das Unterlaufen europäischen und nationalen Rechts durch irreguläre Migration wirksam bekämpfen. Das bedarf mühsamer Detailarbeit. Es wäre ein Fehler, die Illusion schneller Lösungen zu wecken. Ebenso wäre es falsch, den Leuten einreden zu wollen, Reformdruck bei Rente und Bürgergeld falle weg, wenn man nur - Stichwort Schuldenbremse - die Schleusen für Kredite öffne. Nüchterne, seriöse Arbeit ist das einzige, was die Parteien der demokratischen Mitte vor weiterer Beschädigung bewahren kann. Merz hat recht: Diese Arbeit muss sofort beginnen.

Pressekontakt:

Kölnische Rundschau
Raimund Neuß
Telefon: 0221/1632-555
print@kr-redaktion.de


Original-Content von: Kölnische Rundschau, übermittelt durch news aktuellWeitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  MZ zur Bundestagswahl Liminski: Künftige Regierung soll sich an Politikstil von Schwarz-Grün in NRW orientieren
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 24.02.2025 - 18:28 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2154432
Anzahl Zeichen: 3710

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:

Köln



Kategorie:

Politik & Gesellschaft



Diese Pressemitteilung wurde bisher 456 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Die Arbeit muss sofort beginnen / Kommentar von Raimund Neuß über die Zukunftsaufgaben einer möglichen schwarz-roten Koalition"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Kölnische Rundschau (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Kriegsverbrechen als Strategie / Kommentar von Raimund Neuß zum vierten Jahrestag der Aufdeckung des Massakers von Butscha ...
Auf das Aufatmen folgte das Entsetzen: Die Erinnerung an den historischen Sieg der ukrainischen Armee in der Schlacht um Kiew ist untrennbar mit der an die Aufdeckung der Massaker in Butscha und anderen Vororten der ukrainischen Hauptstadt verbunden. Die Morde von Butscha sind nicht damit zu erklä

Wider jedes Königsgehabe - Frank Überall (Kölnische Rundschau) über die Demonstrationen gegen Donald Trump in den USA ...
Königliches Gehabe passt nicht zu einer Demokratie - jedenfalls nicht, wenn es statt um bloße Repräsentation darum gehen soll, einsam und allein Entscheidungen zu treffen. Die "No Kings"-Demonstrationen in den USA zeigen, dass in Krisenzeiten der Ruf nach einer ordnenden Hand zwar durch

Auch ein Sieg kann Sorgen machen / Raimund Neuß zum Wahlergebnis in Rheinland-Pfalz ...
Rückkehr in die Staatskanzlei nach 35 Jahren: Die rheinland-pfälzische CDU von Gordon Schnieder jubelt. Endlich, endlich hat sie die Wählerinnen und Wähler überzeugen können, dass sie ein plausibles personelles und inhaltliches Angebot hat. Seit dem Sturz von Bernhard Vogel 1988 hatte sich ei


Weitere Mitteilungen von Kölnische Rundschau


MZ zu Merz und Netanjahu ...
Zweifellos ist die Lage in Nahost ebenso wichtig für die deutsche Politik wie etwa die in der Ukraine. Nichts also spricht gegen eine Begegnung mit Israels Premier Benjamin Netanjahu. Ob es aber gleich eine Einladung nach Deutschland sein muss, ist fraglich. Man kann den Internationalen Strafgerich

MZ zur Bundestagswahl ...
Eine politische Liebesheirat würde eine CDU-SPD-Koalition sicherlich nicht werden, war diese Kombination auch in der Vergangenheit nie. Und das ist auch gar nicht nötig, eine Vernunftehe reicht in diesem Fall. Koalitionspartner müssen keine romantischen Gefühle füreinander hegen, sondern zum Wo

Regierungsbildung- SPD darf sich nicht aus Verantwortung stehlen ...
Sich einem Kanzler Friedrich Merz komplett zu verweigern, wie einige SPD-Linke es im Endspurt des Wahlkampfes angedeutet haben, ist keine Lösung. Die Union hat die Wahl klar gewonnen und die SPD als einziger potenzieller Partner die Verantwortung, die kleine GroKo jetzt nicht aus destruktiver Oppos

Aus der Traum für die Wirtschaft / Verbände und Unternehmen hatten voll auf Schwarz-Gelb gesetzt - nun müssen sie sich umorientieren. ...
So sehr man sich unter Schwarz-Rot mehr Stabilität ersehnt, so offen ist es doch, wie gut ein impulsiver Kanzler Merz und eine neu aufgestellte SPD harmonieren. Ein Aufbruchsignal der künftigen Regierung ist aber unabdingbar - nie war der Handlungsdruck so immens wie heute, gerade mit Blick auf di


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z