„Ich werde Professor!“

„Ich werde Professor!“

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Kinder haben schon manchmal kuriose Berufswünsche. Karl-Herbert Schäfer auch – und er hat seinen Traum wahr gemacht



(PresseBox) - Nicht immer war der Weg gerade, aber letztlich erfolgreich. Nun geht der langjährige Vizepräsident für Forschung und Transfer der Hochschule Kaiserslautern in den Ruhestand. Wir blicken mit ihm zurück – und nach vorn.

Prof. Dr. med. Karl-Herbert Schäfer kommt mit einem großen HochschulKaffeebecher zum Gespräch. Die erste Frage, die nach dem Lieblingsgetränk, scheint somit beantwortet, aber nein, „hier in der Tasse habe ich zwar Kaffee, aber tatsächlich trinke ich in letzter Zeit häufiger Tee“, sagt er.

Tee trinken und abwarten ist allerdings nicht Schäfers Sache. Und das geht auch gar nicht als Vizepräsident. Das Amt hat er vor kurzem abgegeben, und jetzt geht er in Pension. Für den geborenen Forscher, der schon in der Grundschule Expeditionen machte und Proben sammelte – die Freunde nannten ihn Professor – ist es aber kein Übergang ins Ungewisse. Zunächst bleibt er der Hochschule noch zwei weitere Jahre als Senior-Professor für Forschung verbunden. Er schließt nicht aus noch weitere Jahre anzuhängen. Der Hochschule Kaiserslautern hat er in den letzten Jahren einen exzellenten Ruf als forschende Hochschule verschafft. Er selbst lehrte und forschte bis heute in den Lebenswissenschaften mit einem Schwerpunkt auf der Darminnervation und mit einem Fuß in der Mikrosystemtechnik. Für ihn bedeutet Wissenschaft, Wege zu betreten, die noch keiner gegangen ist. Und das zeichnet mittlerweile auch die Hochschule Kaiserslautern aus. Auf vielen Forschungsfeldern spielt sie in der ersten Liga mit. Das drückt sich durch vielfältige Veröffentlichungen, DFG-Fördergelder und Drittmittel aus. Sowohl bei den DFG-Anträgen, als auch in der EU-Förderung liegt die Hochschule auf Spitzenplätzen.

Mit dem Ziel „Ich werde Professor!“ startete Schäfer sein Studium. Aber nicht als angehender Mediziner, wie man aufgrund seines Doktortitels denken könnte. Nein, er studierte erst einmal Biologie, ein ernsthaftes naturwissenschaftliches Studium. Wissenschaft! Darum ging es ihm. Aber wie die Zufälle des Lebens so spielen: Bei einem Freund sah er einen Medizinertest. In den Siebzigern war der Test für Medizinische Studiengänge (TMS) eine Möglichkeit auch ohne Bestnoten dem Numerus-Clausus-Fach Medizin ein Schnippchen zu schlagen Und Schäfer, neugierig geworden, absolvierte den Test und schnitt hervorragend ab. Dennoch war es nicht einfach einen Studienplatz zu ergattern, wollte er doch weiterhin Biologie studieren. So musste er sich anhören, dass er in unverschämter Weise gleich in zwei NCFächern einen Studienplatz blockiere. Also war nach drei Semestern Schluss mit Bio. Dafür studierte er noch einige Semester Spanisch. Aus Interesse. Überdies war es eine Zeit, in der Biologinnen und Biologen eher einen Taxischein brauchten, anstatt eines weißen Kittels für das Arbeiten im Labor als wissenschaftliche Mitarbeitende. Und Schäfer wollte ja eine Professur.



Eine sehr persönliche Betroffenheit durch den Krebstod der Mutter einer Freundin sorgte für eine Neuorientierung, ein verändertes Selbstverständnis in der Medizin; auch in der Medizin sah er sich jetzt weniger als Arzt, denn als Forscher. „Da sagt man sich, naja, also vielleicht sollte man nicht nur behandeln, sondern wenn man schon Medizin studiert hat, auch mal reingucken, woher Krankheiten kommen. Ich bin dann in die medizinische Wissenschaft eingetaucht,“ erzählt Schäfer.

Also ab 1980 Medizinstudium an der Universität des Saarlandes, Approbation 1986. Danach kamen Beschäftigungen als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistenzarzt, Facharztausbildung für Anatomie und Rettungswesen. Promotion und Habilitation folgen – allerdings medizinuntypisch mit origineller, komplexer Aufgabenstellung und intensiver Forschung. So richtig rund lief es aber nicht: versprochene Stellen gab es auf einmal nicht mehr. Er hat dann erstmal umsonst gearbeitet, dann musste eine halbe Stelle reichen. Und das für eine ganze Zeit lang. Wenigstens war es wissenschaftliche Arbeit – im Labor und mit eigener Forschungsarbeitsgruppe. Aber es war nötig noch nebenher zu arbeiten. Er übernahm Nachtdienste und Rettungseinsätze.

Neue Perspektiven bringen Forschungsaufenthalte am University College in London. Er merkt, anderswo wird anders gearbeitet: „Das hat mich sehr stark beeinflusst und ich habe angefangen, viel mehr selbst zu denken und meinen eigenen Weg zu gehen und das sehr konsequent.“

Und dann kam dieses Wochenende 2001. Zeitungslektüre.

Stellenausschreibungen. Überraschung: An der Hochschule Kaiserlautern, damals noch Fachhochschule, wurde am Standort Zweibrücken ein C 3-Professor für Biotechnologie gesucht. Da passte doch wie die Faust aufs Auge: Schäfer rief einfach mal an, man bat ihn, sich zu bewerben und er bekam die Stelle.

Biotechnologie war als neuer Schwerpunkt in der Mikrosystemtechnik als zukunftsweisend erkannt worden, allerdings mit wenigen Studierenden. Eigentlich auch nichts für den damals 44-Jährigen, der den großen Hörsaal der Anatomie mit 300 Leute gewohnt war. Bei Überlegungen mit Kollegen wurde eine scheinbare Schnapsidee entwickelt. Sie generierten einen neuen Studiengang, ALS – Applied Life Science, für Bachelor und Master und mit Schäfer als Studiengangsleiter. Es wurde eine Erfolgsgeschichte.

Schäfer erinnert sich: „Am Anfang war halt natürlich die Situation ganz anders als heute. Ja, ich hatte zwar kollegiale Unterstützung, aber kein Geld.“ Doch dann wurden irgendwie doch Gelder eingeworben, Drittmittel generiert. Dienstreisen wurden bezahlt, Laboratorien wurden größer und besser ausgestattet, weitere Mitarbeitende kamen dazu. Forschung mit Studierenden, der erste Bachelor, der erste Master, Promotionen wurden betreut und sogar eine Habilitation. 

Und es ging los mit wissenschaftlichen Publikationen. In einem eher exotischem Themenfeld: Autonomes und enterisches Nervensystem, Stammzellen aus dem Darm. Lange dauerte es nicht und Schäfer machte sich einen Namen in einer eher kleinen wissenschaftlichen Community. Er war angekommen.

Er, der immer ein wenig Exot war, anders, ein wenig komisch, seltsam, sagt von sich selbst: „Ich finde mich ganz normal. Meine Frau sagt allerdings immer, vergiss es. Natürlich hab ich gemerkt, dass ich Dinge tue, die andere Leute nicht tun. Oder dass ich in manchen Sachen vielleicht ein bisschen schneller bin. Und ich dann auch schnell genervt bin, wenn Leute nicht so schnell dabei sind.“ Das ist wahrscheinlich ein Grund für die Erfolge der Zweibrücker. „Für Leute aus der Provinz sind wir ganz schön weit vorne. Wir waren zum Beispiel die Arbeitsgruppe, die zum ersten Mal neuronale Stammzellen aus dem Darm isoliert hat.“ Kein Wunder, dass bis zum heutigen Tag immer wieder Leute aus China, aus Italien, aus aller Welt in die Westpfalz kommen, sei es als Mitarbeitende oder als als Gastwissenschaftler.

Neben allem beruflichen Engagement hat Schäfer viele Interessen und es verwundert, wie er diesen bei hoher zeitlicher Belastung frönen kann. Da ist zum einen die Musik. Er bezeichnet sich selbst als Kind der 70er Jahre, was den Musikgeschmack betrifft. Gezielt Musik hören kommt eigentlich gar nicht vor, im Auto dudelt das Radio. Und es sind auch am ehesten aktuelle Musikstücke, die er auf Gitarre, Bass und Saxofon spielt, mehr schlecht als recht – wie er von sich behauptet. Am liebsten spielt er mit Kollegen. Doch es drängt ihn nicht nur mit der Professorenband „Sound of Science“ auf die Bühne.

Dem Theater hat er sich verschrieben und er agiert als Schauspieler, aber vor allem auch als Regisseur und Autor. Und da er nur wenig Urlaub macht, kommen Wandern und Radfahren eher zu kurz. Eine alte Freundin aus seiner Zeit als Student im Australischen Busch lebt heute in der Nähe von Sydney. Sie hat er mehrfach besucht, aber nie haben sich die beiden Zeit zum Wandern genommen. Das soll sich ändern.

Was bleibt von einer erfüllten Forscherkarriere, wenn ein Wissenschaftler in den Ruhestand geht? Sein Vermächtnis sind die Menschen, die er ausgebildet hat, Studierende, die er angeschoben hat und Promovierende, die er für eine wissenschaftliche Laufbahn vorbereitet hat. PostDocs, die dann wirklich ihren Weg gegangen sind, die das können, weil sie bei Schäfer waren. Zwar noch Senior-Professor, aber ohne Leitungsfunktionen bleibt Schäfer der Hochschule noch mindestens zei Jahre erhalten.

Was gibt er seinem Nachfolger im Amt des Vizepräsidenten mit auf den Weg? Prof. Dr.-Ing. habil. Peter Starke brauche vor allem Gelassenheit. Nicht immer herrsche Einigkeit, wenn es um Forschung und Transfer gehe und der Vizepräsident für Forschung und Transfer sei nicht nur erfolgreicher Forscher, sondern müsse auch Forschungsmanager sein, um die Aufgabe zu erfüllen. Für Starke gelte, wie für ihn vor acht Jahren, dass die Verantwortung für Forschung und Transfer der gesamten Hochschule tatsächlich viel mehr ist, als das was man im eigenen Forschungsgebiet wissenschaftlich leistet. Aber er ist sich sicher, dass das Amt bei Starke in den besten Händen liegt.

Noch kann Schäfer nicht ganz loslassen. Auch wenn er sagt „das ist nicht mehr mein Job“, würde er es doch bedauern, wenn man ihn wissenschaftlich nicht mehr um Rat fragen oder seine Expertise nicht mehr schätzen würde.

Für den ersten Tag des Ruhestands hat seine Frau vorgesorgt. Gleich am Samstag morgen, den 1. März, geht es für die beiden zu einem verlängerten Wochenende nach Frankreich.

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Datum: 03.03.2025 - 07:51 Uhr
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