Hochschule im Dialog:„Unsere Wälder – neue Zahlen, neues Denken!“
ID: 2167345
300 Gäste in der Festhalle Rottenburg diskutieren über die Zukunft des Waldes
Zentrales Thema waren die Ergebnisse der Bundeswaldinventur 2022, die von Prof. Dr. Ul-rich Schraml (FVA BW) und Landesforstpräsident Martin Strittmatter (MLR Baden-Württem-berg) vorgestellt wurden. Die Inventur zeigt: Die Wälder in Baden-Württemberg sind vielfäl-tiger geworden, stehen aber unter Stress. Mischwälder und Biotopbäume nehmen zu, der Holzvorrat ist hoch – doch gleichzeitig nimmt der Holzzuwachs ab, und alte Nadelholzbe-stände geraten zunehmend unter Druck.
„Die Bundeswaldinventur zeigt deutlich: Unsere Wälder befinden sich im Wandel. Wenn wir ihre Funktionen für Klima, Biodiversität und Rohstoffversorgung erhalten wollen, müssen wir sie aktiv gestalten“, erklärte Prof. Schraml.
Prof. Dr. Steffi Heinrichs (HFR) warf einen forstökologischen Blick in die Zukunft. Sie stellte heraus, dass sich die heutigen Hauptbaumarten durchaus teilweise an klimatische Verände-rungen anpassen können, sich aber unter dem Druck des Klimawandels Verschiebungen in-nerhalb dieser Gruppen abzeichnen. Außerdem können besser klimatisch angepasste andere Baumarten unsere Hauptbaumarten künftig ergänzen. Heinrichs plädiert für eine differen-zierte Waldstrategie: Baumarten, die wahrscheinlich zur künftigen potenziellen natürliche Vegetation (PNV) gehören (z.B. Eichen- und Sorbusarten), sollten gezielt gefördert werden – durch angepasste Wildbestände, geeignete Durchforstungsstrategien und die Reaktivierung traditioneller Nutzungsformen. Gleichzeitig betonte sie: Zum Erhalt der Produktivität ist Na-delholz unverzichtbar. Ein nach Standorten differenzierter Ansatz könne zu einer Art „funkti-onaler Segregation“ führen – mit stabilen Laubmischwäldern auf klimaanfälligen Standorten und produktiven Nadelholzbeständen auf Standorten, wo sie auch künftig risikoarm wachsen können.
Franz-Josef Risse vom Kreisforstamt Reutlingen berichtete aus der kommunalen Praxis. Die Veränderungen der Gemeindewälder im Landkreis Reutlingen führen zu vielfältigen Heraus-forderungen – insbesondere bei der Verkehrssicherheit, dem Wildverbiss und der Arbeitssi-cherheit. Risse stellte das Pilotprojekt zur allgemeinen Gefährdungsbeurteilung vor, das in Reutlingen gestartet ist. Zudem setzt der Landkreis auf Privatwald- und Dauerwaldschulun-gen, um Waldbesitzende besser für die Klimaanpassung ihrer Wälder vorzubereiten.
Prof. Dr. Bertil Burian (HFR) machte in seinem Beitrag deutlich: Holznutzung und Klimaschutz schließen sich nicht aus – im Gegenteil. Der Holzbau könne durch CO?-Speicherung außer-halb des Waldes und Substitution emissionsintensiver Baustoffe eine zentrale Rolle im Klima-schutz spielen. Der Fokus müsse allerdings stärker auf die nachhaltige Nutzung regionaler Holzvorräte gelegt werden.
„Das Bauen mit Holz ist klimapositiv. Wir müssen dieses Potenzial nutzen – für den Klima-schutz, für regionale Wertschöpfung und für die Bauwende“, betonte Burian.
Dr. Tatjana Spallek (HFR) schloss die Vortragsreihe mit einem inspirierenden Beitrag über das Potenzial des Rohstoffs Holz. Sie zeigte eindrucksvoll, dass Holz weit mehr kann als Bau und Brennstoff: Inzwischen entstehen Papier, Textilien, Kunststoffe, Biochemikalien und sogar Modekollektionen aus Holzbestandteilen.
„Holz ist eine unerschöpfliche Quelle für Wertschöpfung – ein Rohstoff, der fossile Materia-lien ersetzen kann. Holz kann alles!“, betonte Spallek.
Die Diskussion zeigte: Eine rein passive Walderhaltung greift zu kurz. Es braucht aktive Wald-pflege, forstliche Beratung für Waldbesitzende und politische Unterstützung, um die Wälder für das sich drastisch verändernde Klima fit zu machen. Die HFR will diesen Dialog über span-nende Wald- und Umweltthemen weiterführen – im Schulterschluss von Wissenschaft, Pra-xis und Gesellschaft.
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: PresseBox
Datum: 23.04.2025 - 12:15 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2167345
Anzahl Zeichen: 4464
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Petra Martin
Stadt:
Rottenburg am Neckar
Telefon: +49 (7472) 951-282
Kategorie:
Marketing & Werbung
Diese Pressemitteilung wurde bisher 208 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Hochschule im Dialog:„Unsere Wälder – neue Zahlen, neues Denken!“"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der Wald ist ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Klimakrise. Bei einem Arbeitsbesuch diskutierte Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Studierenden, Lehrenden und Forschenden der Hochschule in Rottenburg über mögliche Perspektiv
Ehrenpreis des Rektors für japanischen Austauschstudenten ...
Der japanische Austauschstudent Arichika Ohara von der Partnerhochschule Gifu Academy of Forest Science and Culture, der von September 2019 bis August 2020 an der Hochschule für Forstwirtschaft ein Auslandsjahr zum forstlichen Studium verbrachte, krönte sein erfolgreiches Studium mit einer besonde
Hier Fichtenacker, da Naturwald- Zur Diskussion um einen Studiengang für ökologische Waldwirtschaft -- pointierte Marketingkampagne oder hilfreiches Angebot- ...
Unsere Wälder und die Forstwirtschaft erfahren aktuell eine erfreulich hohe gesellschaftliche und politische Aufmerksamkeit. Die Bilder der weithin sichtbaren Waldschäden infolge des Klimawandels und die entsprechenden Berichte haben sowohl bei politischen Entscheidungsträgern in Deutschland, Eur
Weitere Mitteilungen von Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg
Lokales SEO am Bodensee - wie dein Unternehmen gesehen wird ...
In einer digitalisierten Welt reicht ein gutes Produkt oder eine zuverlässige Dienstleistung allein nicht mehr aus. Wenn dein Unternehmen am Bodensee nicht online sichtbar ist, wirst du von potenziellen Kunden schlichtweg übersehen. Lokales SEO (Local SEO) ist der Schlüssel, um regional besser ge
LinkedIn-Ghostwriting für CEOs: Persönliche Sichtbarkeit ohne Zeitaufwand ...
LinkedIn gewinnt weiter an Bedeutung für Führungskräfte - insbesondere im Mittelstand. In Deutschland sind über 17 Millionen Menschen auf der Plattform aktiv, viele davon in entscheidenden Rollen. Wer als Geschäftsführer oder Gründer sichtbar kommuniziert, stärkt nicht nur das eigene Profil,
Massive Tierquälerei bei Westfleisch-Zulieferbetrieben aufgedeckt- Videos zeigen kranke und verletzte Schweine ...
ANINOVA (ehemals Deutsches Tierschutzbüro) liegen aus drei Westfleisch-Zulieferbetrieben erschreckendes Bildmaterial vor. Die Aufnahmen zeigen kranke und verletze Schweine, die augenscheinlich nicht tierärztlich behandelt werden. Zum Teil haben die Tiere sehr schwerwiegende Verletzungen, andere si
Zukunft gestalten: edaWorkshop25 und Chipdesign Germany Forum bringen Mikroelektronik-Elite nach Dresden ...
Ob die nächste Generation KI-Prozessoren, neue Materialien wie Memristoren oder Strategien zur europäischen Technologiefreiheit – wer wissen will, wohin sich Mikroelektronik und Halbleiterentwicklung bewegen, kommt am 12. und 13. Mai 2025 zum edaWorkshop25 nach Dresden. Veranstaltet vom edacentr




