Neunter Katholischer Flüchtlingsgipfel diskutiert Gefahren für den Flüchtlingsschutz
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(ots) - "Auch in schwierigen Zeiten lässt das kirchliche Engagement für Geflüchtete nicht nach, auch bei Gegenwind bleiben wir standhaft an der Seite der Schutzsuchenden!" Mit diesen Worten hat der Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), heute (21. Mai 2025) in Mainz den neunten Katholischen Flüchtlingsgipfel eröffnet. Rund 170 Fachleute der kirchlichen Flüchtlingsarbeit diskutierten über aktuelle Gefahren für den Flüchtlingsschutz. Der Fokus lag dabei sowohl auf ethischen Orientierungen als auch auf praktischen Handlungsansätzen.
Veröffentlicht wurde zum Katholischen Flüchtlingsgipfel auch die Statistik zur katholischen Flüchtlingshilfe. Seit 2014 wurden insgesamt mindestens 1,182 Milliarden Euro für die katholische Flüchtlingshilfe in Deutschland und im Ausland bereitgestellt. In 2024 haben die 27 (Erz-)Bistümer, die Militärseelsorge und die kirchlichen Hilfswerke 84,4 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe aufgewendet. Rund 500.000 Schutzsuchende wurden mit Angeboten erreicht. Für die Anliegen von Geflüchteten engagierten sich rund 5.480 Hauptamtliche und 35.000 Ehrenamtliche. Erzbischof Heße betonte: "Gerade aus Sicht der Engagierten ist aber auch klar: Bestehende Probleme müssen angegangen werden, etwa durch eine deutlich verbesserte Unterstützung belasteter Kommunen. Statt polarisierender Debatten und reflexartiger Rufe nach Restriktion brauchen wir ein demokratisches Ringen um die besten Lösungen. Dazu gehört aber auch, dass wir die vielen erfolgreichen Geschichten gelingender Integration stärker ins Bewusstsein rufen."
In seiner Eröffnungsansprache warnte Erzbischof Heße davor, Humanität abzubauen und die Rechte von Schutzsuchenden zu schwächen. Gleichzeitig skizzierte er einige Entwicklungen, die den Flüchtlingsschutz weltweit unter Druck setzen: "Autoritäre und rechtsextreme Tendenzen nehmen zu, internationale Verpflichtungen werden infrage gestellt, der Multilateralismus steckt in der Krise." Nicht nur in den USA, sondern auch in anderen westlichen Staaten gebe es die Tendenz, die humanitären Nöte unserer Zeit auszublenden. Dies zeige sich etwa mit Blick auf den Sudan: "Dort ereignet sich aktuell die größte Flüchtlingskrise der Welt. Fast 13 Millionen Menschen wurden gewaltsam vertrieben." Eindringlich plädierte er für das universale Ethos der christlichen Nächstenliebe: "Eine Nationalisierung oder Provinzialisierung von Nächstenliebe ist uns nicht gestattet. Die Aufgabe besteht vielmehr darin, mit großer Beharrlichkeit an der Schaffung menschenwürdiger Lebensverhältnisse für alle mitzuwirken."
Einen Überblick zu aktuellen Entwicklungen gab Migrationsforscherin Prof. Dr. Birgit Glorius (Technische Universität Chemnitz): "Das Ausmaß an Fluchtmigration und der Umgang mit Geflüchteten waren schon immer ein Indikator für den Zustand der Gesellschaft. In einer vielfach vernetzten Welt und angesichts multipler Krisen brauchen wir nicht Rückzug und Abschottung, sondern Vernetzung, Kooperation und Solidarität." Prof. Dr. Ursula Nothelle-Wildfeuer (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) sprach anschließend zu den Herausforderungen im Flüchtlingsschutz aus theologischer Perspektive und zeigte sozialethische Orientierungen für die kirchliche Flüchtlingsarbeit auf: "Die gesellschaftliche Mentalität hat sich gravierend verändert, der Flüchtlingsschutz ist vor allem auch dadurch in Gefahr, dass Geflüchtete zunehmend als 'Staatsfeinde' angesehen werden. Diese Haltung lässt die Humanität unserer Gesellschaft prekär werden."
Die abschließende Podiumsdiskussion nahm aktuelle Herausforderungen aus der Perspektive der Bundesländer und Kommunen in den Blick. Katharina Binz, Ministerin für Familie, Frauen, Kultur und Integration sowie stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, betonte: "Die Integration von Geflüchteten ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur gelingt, wenn alle Akteure zusammenarbeiten - vom Land über die Kommunen bis hin zu den Kirchen und der Zivilgesellschaft. Geflüchtete benötigen echte Chancen - durch Sprachkurse, Zugang zum Arbeitsmarkt und die Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. So können sie ihr Leben selbst gestalten und sich aktiv einbringen. Ihre Sichtbarkeit in der Gesellschaft fördert das Verständnis, denn wer die Geschichten von Geflüchteten kennt, sieht nicht das Unbekannte, sondern Mitmenschen. Integration gelingt, wenn wir ein Umfeld schaffen, in dem sich jede und jeder willkommen fühlt und die Möglichkeit hat, gleichberechtigt und selbstbestimmt zu leben." Landrat Götz Ulrich (Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt) stellte fest: "Außerhalb des Kreises von Haupt- und Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe hat sich die Stimmung in weiten Teilen der Bevölkerung verändert. Die Bereitschaft, Geflüchtete aufzunehmen und als Teil der deutschen Gesellschaft zu akzeptieren, ist gesunken." Um dieser Entwicklung zu begegnen, setze er auf gut vernetzte Strukturen. Besonderes "Augenmerk lege ich auf gelingende Integration, vor allem im Arbeitsmarkt, ebenso aber auf Rückführungen von Menschen ohne Integrationsbereitschaft. Hierfür haben wir mit unserer Migrationsagentur eine deutschlandweit einmalige Querschnittsverwaltung aufgebaut", so Landrat Ulrich.
Hinweise:
Die Eröffnungsansprache von Erzbischof Dr. Stefan Heße sowie die Statistik zur Flüchtlingshilfe 2024 sind als PDF-Dateien unter www.dbk.de verfügbar.
Fotos des neunten Katholischen Flüchtlingsgipfels in Druckqualität sind kostenfrei in der DBK-Mediendatenbank (https://medien.dbk.de/share/2DED8974-E1BB-4448-B120B9F26E458A12/?viewType=grid) unter Angabe des Copyrights Deutsche Bischofskonferenz/Marko Orlovic verfügbar.
Weitere Informationen zum Katholischen Flüchtlingsgipfel oder den Zahlen finden Sie unter www.fluechtlingshilfe-katholische-kirche.de.
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Datum: 21.05.2025 - 17:00 Uhr
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