Schmerzmittel im Alltag: forsa-Umfrage zeigt riskante Wissenslücken
ID: 2175593

(ots) -
- Kopfschmerzen häufigster Grund
- Wissenslücken bei Einnahmedauer und Nebenwirkungen
- Risiko Schmerz-Chronifizierung
- Aktionstag gegen den Schmerz am 3. Juni
Eine aktuelle repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag der hkk Krankenkasse zeigt: Jeder fünfte Befragte (20 Prozent) gibt an, in den vergangenen sechs Monaten sehr häufig, also täglich oder fast täglich, körperliche Schmerzen gehabt zu haben. Ungefähr zwei Drittel (62 Prozent) derjenigen, die im vergangenen halben Jahr Schmerzen hatten, haben in dieser Zeit mindestens einmal zu frei verkäuflichen Schmerzmitteln gegriffen. Besonders häufig ist das bei Frauen und Menschen mittleren Alters (30-59 Jahre) der Fall.
Kopfschmerzen an der Spitze
Die häufigsten Gründe für die Einnahme rezeptfreier Schmerzmittel sind Kopfschmerzen und Migräne (59 Prozent). "Dabei ist wichtig zu wissen, dass sich die Kopfschmerzarten in Ursache und Behandlung deutlich unterscheiden. Die Ursachen von Spannungskopfschmerzen liegen oft im Lebensstil: Flüssigkeitsmangel, langes Arbeiten am Bildschirm, zu wenig Bewegung und damit einhergehende Muskelverspannungen. Wer diese Faktoren jedoch beseitigt, kann die Häufigkeit der Kopfschmerzen meist deutlich senken. Auch eine augenärztliche Untersuchung ist oft hilfreich", sagt die Leiterin des Schmerzzentrums des Rote Kreuz Krankenhauses Bremen, Dr. Imke Starp. "Migräne ist häufig genetisch bedingt und betrifft mehr Frauen als Männer. Auslöser sind z. B. Stress, Schlafmangel oder hormonelle Schwankungen. Regelmäßiger Sport, feste Schlafzeiten und Entspannung helfen, Anfälle zu reduzieren. Heilbar ist Migräne zwar nicht, aber gut behandelbar - zum Beispiel mit Triptanen."
Ungefähr ein Drittel gibt Gelenk- und Muskelschmerzen (32 Prozent) als Grund für die Schmerzmitteleinnahme an. Ein Viertel (28 Prozent) nennt Rückenschmerzen als Auslöser. 20 Prozent der Frauen haben wegen Menstruationsbeschwerden Schmerzmittel eingenommen.
Wissenslücken bei Einnahmedauer und Nebenwirkungen
Die Empfehlung, rezeptfreie Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat höchstens vier Tage in Folge einzunehmen, ist zwei Dritteln der Befragten (66 Prozent) bekannt. Dennoch haben insbesondere diejenigen, die sehr häufig unter Schmerzen leiden, fünf oder mehr Tage am Stück rezeptfreie Schmerzmittel eingenommen (31 Prozent). Dr. Starp: "Schmerzen sind ein Warnsignal des Körpers. Wenn wir diese dauerhaft unterdrücken, ohne der Ursache auf den Grund zu gehen, kann sich die zugrunde liegende Erkrankung verschlechtern. Hinzu kommt das Risiko einer Chronifizierung - der Schmerz wird dann selbst zur Krankheit. Schmerzmittel haben ihre Berechtigung, z. B. um akute Schmerz-Spannungskreisläufe zu durchbrechen, aber das sollte ärztlich begleitet werden."
Auch bei den Nebenwirkungen herrscht Unsicherheit. Zwar sind 75 Prozent über mögliche Magen-Darm-Beschwerden informiert, jeweils zwei Drittel wissen von Nierenschäden (67 Prozent), Abhängigkeit bzw. Gewöhnungseffekt (66 Prozent) oder möglichen Magenschleimhautentzündungen bzw. Magengeschwüren (ebenfalls 66 Prozent). "Viele Menschen denken nicht an die leberschädigende Wirkung von Paracetamol in Kombination mit Alkohol. Ein häufiger Fehler: den ,Kater' mit Paracetamol zu behandeln. Das ist wirklich gefährlich", so Starp. "Gerade im Alter nehmen viele Menschen bereits mehrere Medikamente ein. Kommt dann zum Beispiel ein Schmerzmittel zu Blutdruck- oder Herzmitteln hinzu, kann das zu gefährlichen Wechselwirkungen führen. Deshalb gilt: Medikamente nie ohne ärztliche Rücksprache kombinieren."
Eigenverantwortung als Hauptkriterium für Einnahmedauer
Zwei Drittel der Nutzenden rezeptfreier Schmerzmittel machen die Dauer der Einnahme von Art, Stärke und Dauer der Schmerzen abhängig (66 Prozent). Über die Hälfte (54 Prozent) verlässt sich auf die eigene Erfahrung. Die Empfehlungen der Packungsbeilage spielen eine geringere Rolle (19 Prozent).
"Der Beipackzettel allein reicht sicher nicht. Apotheken leisten hier meist gute Aufklärungsarbeit. Problematisch sehe ich den Onlineverkauf - oft ohne jeglichen Hinweis auf Risiken. Hinzu kommt die massive Werbung in den Medien. Das kann einen unkritischen Umgang fördern. Ein gewisses Maß an Eigenverantwortung gehört aber auch dazu", so Starp.
Fazit der hkk: Aufklärung wichtiger denn je
"Die Ergebnisse zeigen, wie weit verbreitet der Einsatz rezeptfreier Schmerzmittel ist - und wie dringend es ist, besser über Risiken und den richtigen Umgang damit zu informieren", so die Apothekerin und hkk-Arzneimittelexpertin Dr. Anja Lübs. "Zudem sollte gerade im digitalen Zeitalter die Gesundheitskompetenz schon in der Schule eine wichtige Rolle spielen."
Über die Studie
Die Studie wurde anlässlich des 14. Aktionstags gegen den Schmerz erhoben. Dafür hat forsa im Auftrag der hkk Krankenkasse vom 9. bis 14. Mai 2025 1.018 Personen befragt. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei ±3 Prozentpunkten.
Link zur Studie: https://www.hkk.de/presse/studien-und-reports
Über die hkk Krankenkasse (Handelskrankenkasse): Die hkk zählt mit mehr als 980.000 Versicherten zu den großen gesetzlichen Krankenkassen und ist in den vergangenen Jahren um mehrere hunderttausend Kunden gewachsen. Mit ihrem Zusatzbeitrag von 2,19 Prozent ist sie eine der günstigsten Krankenkassen Deutschlands. Der jährliche Beitragsvorteil für Beschäftigte beträgt jährlich bis zu 731 Euro; für Selbstständige, die ihre Beiträge selbst zahlen, bis zu 1.462 Euro. Zu den überdurchschnittlichen Leistungen zählen unter anderem mehr als 1.000 Euro Kostenübernahme je Versicherten und Jahr für Naturmedizin, Schutzimpfungen und Vorsorge sowie für Schwangerschaftsleistungen. Das vorteilhafte Preis-Leistungs-Verhältnis wird durch eine über Jahrzehnte gewachsene Finanzstärke und Verwaltungskosten ermöglicht, die mehr als 30 Prozent unter dem Branchendurchschnitt liegen. 1.500 Mitarbeitende betreuen 2025 ein Haushaltsvolumen von rund 4,4 Milliarden Euro. 3,4 Milliarden Euro davon entfallen auf die Krankenversicherung.
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Datum: 02.06.2025 - 10:00 Uhr
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