Kampagne der Berliner Polizeigewerkschaft gegen Feuerwerk wirft viele Fragen auf
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(ots) - Vor der vom 11. bis 13. Juni in Bremerhaven stattfindenden Innenministerkonferenz macht die Berliner Polizeigewerkschaft GdP erneut mobil gegen die Feuerwerksbranche. Mit einer ebenso nebulösen wie nicht repräsentativen Umfrage wendet sich die GdP an den Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, um für ein generelles Verbot privaten Feuerwerks zu trommeln. Im Rahmen ihrer groß angelegten Kampagne scheint sie es dabei mit Details nicht allzu genau zu nehmen.
Nachdem die Berliner Gewerkschaft zuletzt die Kampagnen-Plattform innn.it nutze, um eine Petition gegen Feuerwerk auf den Weg zu bringen, greift sie nun auf eine angeblich "wissenschaftliche Umfrage" der GdP-Zukunftswerkstatt zurück. Die will rund 180.000 Menschen in Deutschland nach ihrer Meinung zum Thema Feuerwerk befragt haben. Demnach hätten sich 97 für ein Abbrennverbot im Privatgebrauch ausgesprochen.
"Das sind interessante Zahlen. Leider decken sie sich nicht mit den uns vorliegenden, repräsentativen Umfragen der letzten Monate", sagt Thomas Schreiber. Der VPI-Vorsitzende hat nicht nur erhebliche Zweifel an der Aussagekraft und Methodik der GdP-Umfrage, sondern hinterfragt auch die Rolle der Polizeigewerkschaft als solcher. "Es sollte Aufgabe einer Polizeigewerkschaft sein, sich für die Polizisten einzusetzen, die sie vertritt. Es sollte nicht ihre Aufgabe sein, Bundespolitik machen zu wollen, Innenminister zu beeinflussen oder gar eine ganze Branche in Verruf zu bringen."
Mit der Berliner Kampagne und Umfrage gefährde die Polizei die Zukunft einer Branche mit insgesamt mehr als 3.000 Beschäftigten in Deutschland. Das auf Basis einer auch politisch bereits in Frage gestellten, eher zweifelhaften Motivation. So hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt in der Vergangenheit wiederholt kritisiert, dass "Stellvertreter-Debatten" um Feuerwerksverbote nicht von der "rechtsstaatlichen Verantwortung" lokaler Berliner Akteure ablenken sollten. Man könnte das auch als Kritik an teils wenig effektiven Berliner Maßnahmen gegen krawallbereite Täter in der Silvesternacht verstehen.
Unabhängig davon stellt sich die Frage, wie valide die "Ergebnisse" der Umfrage sind. Könnte es nicht sein, dass allein schon der Absender der Umfrage Einfluss auf die Ergebnisse nimmt? Wie und was antwortet man, wenn einem "die Polizei" Fragen stellt? Im Zweifelsfall doch eher das, was die Polizei hören möchte, oder?
Echte, repräsentative Umfragen müssen strenge Vorgaben erfüllen. Ihre Ergebnisse müssen auf die Grundgesamtheit eines Landes verallgemeinert werden können. Die Befragten müssen zufällig aus der Grundgesamtheit ausgewählt werden. Die Stichprobe muss groß genug sein, damit die Ergebnisse statistisch belastbar sind. Für die deutsche Gesamtbevölkerung reichen hier in der Regel 1.000 - 2.000 Personen. Die Verteilung der Merkmale (Alter, Geschlecht, Bildung, Region etc.) in der Stichprobe muss der Zielgruppe möglichst genau entsprechen. Und schließlich: Die Fragen müssen verständlich, neutral und nicht suggestiv sein.
"Die derzeitige Vorgehensweise der GdP Berlin gibt uns nur noch Rätsel auf. Eine fragwürdige Umfrage, der Einsatz einer professionellen Kampagnen-Plattform, der Versuch politischer Einflussnahme - was kommt als nächstes? Kritik an der Bundesregierung? Die Forderung, Innenminister abzusetzen, wenn sie den Wünschen der Berliner GdP nicht nachkommen wollen? - all das kann uns nur alarmieren", so Schreiber.
Die Fakten sprechen eine andere Sprache: Nach jüngsten Erhebungen haben zuletzt rund 12,7 Millionen Deutsche Feuerwerk gekauft. Der Branchenumsatz stieg damit erstmals auf knapp 200 Millionen Euro. "Diese Nachfrage spricht klar gegen die angebliche Ablehnung, die die GdP festgestellt haben will", so Schreiber.
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Datum: 05.06.2025 - 16:43 Uhr
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