Schutzkonzepte gegen den "Hitzedom"- nationale Strategie erforderlich / Gemeinsame Pressem

Schutzkonzepte gegen den "Hitzedom"- nationale Strategie erforderlich / Gemeinsame Pressemitteilung von Bundesärztekammer und KLUG

ID: 2182111

(ots) - Trotz wachsender globaler Hitzekatastrophen bleibt Deutschland unzureichend auf extreme Hitzeereignisse - insbesondere sogenannte "Hitzedome" - vorbereitet. Die Lage in Südeuropa mit Temperaturen von 30 Grad in der Nacht und mehr als 45 Grad am Tag zeigen, welche hohen Gesundheitsrisiken von solchen Wetterlagen ausgehen. Auch in Deutschland warnt der Deutsche Wetterdienst vor einer starken Hitzewelle mit Temperaturen nahe 40 Grad Celsius.

Bei einem Hitzedom bildet eine besonders stark ausgeprägte Hochdruckzone in der Atmosphäre eine "Kuppel", die die Hitze über einem bestimmten Gebiet einschließt. Auch in Mitteleuropa sind solche Wetterlagen möglich, mit dem fortschreitenden Klimawandel werden sie sogar immer wahrscheinlicher.

In der hiesigen Risiko- und Katastrophenplanung sind sie dennoch bisher kaum berücksichtigt. In Deutschland, wo das Thermometer inzwischen auch an bestimmten Orten über 40 Grad Celsius klettert, sterben nach Berechnungen des RKI jährlich während des Sommers mehrere tausend Menschen an den Belastungen der Hitzeperioden.

Medizin und Pflege mit neuen Maßnahmen gefordert

"Die gesundheitlichen Gefahren von Hitze werden oft unterschätzt, sie sind aber erheblich, im schlimmsten Fall kann der Kreislauf versagen", sagt Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer. Er betonte, dass noch wesentliche Bausteine für eine Hitzeschutz-Infrastruktur fehlten. Für Hochrisikogruppen sollten Kühlwesten angeschafft werden. Wearables zur Temperaturüberwachung könnten hier ebenfalls hilfreich sein. "Sinnvoll ist auch, dass Hausärztinnen und Hausärzte gemeinsam mit ihren Praxisteams Risikopatienten identifizieren und präventiv ambulant betreuen", so Reinhardt weiter.

"Die bisherigen Hitzeaktionspläne sind nicht ausreichend auf diese extreme Hitzeszenarien ausgerichtet", sagt Dr. Martin Herrmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG e.V.). "Klare Zuständigkeiten im Katastrophenfall fehlen und Wege, um Schutzmaßnahmen so hochzuskalieren, dass sie alle erreichen, die sie brauchen. Ein flächendeckender, gestufter Notfallplan, der auch vulnerable Gruppen berücksichtigt, ist wirklich überfällig."



Besonders gefährdet: Senioren, Obdachlose, Schwangere, Kleinkinder

Besonders gefährdet sind in Hitzeperioden ältere Menschen, chronisch Kranke, Obdachlose, Schwangere und Kleinkinder. Herrmann schlägt vor, Schutzkonzepte auf sie zu fokussieren. Denkbar seien Maßnahmen wie ein klimaangepasster Medikationsplan, klimatisierte Hitzeschutzräume in Wohnquartieren und frühzeitige Versorgung mit Kühlhilfen. Die Ausstattung der Risikogruppen mit solchen Hilfsmitteln müsste flächendeckend und verpflichtend eingeführt werden.

Namhafte Experten fordern daher in einer aktuellen Übersichtsarbeit ein schnelles, abgestimmtes und vorausschauendes Handeln von Bund, Ländern und Kommunen, um hitzebedingte Todesfälle in Zukunft zu verhindern. "Es braucht jetzt eine breite gesellschaftliche Debatte und konkrete Handlungsschritte. Die Klimafolgen werden nicht irgendwann eintreten - sie sind bereits da. Ein Hitzedom in Deutschland ist keine abstrakte Bedrohung, sondern eine reale Gefahr. Wer jetzt nicht handelt, riskiert Menschenleben", so Prof. Clemens Becker, Erstautor der Studie.

Hintergrundinformationen:

Eine aktuelle Studie, die der Geriater Prof. Dr. Clemens Becker vom Geriatrischen Zentrum der Universitätsklinik Heidelberg in der Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie zusammen mit Kollegen veröffentlicht hat, analysiert internationale Erfahrungen aus Kanada, Australien, den USA, Saudi-Arabien und Europa mit Hitzeglocken. Die Forscher leiten daraus konkrete Handlungsfelder für Deutschland ab. So sei es zwingend erforderlich, die extremen Hitzewellen als Naturkatastrophen zu definieren, um rechtlich wie organisatorisch den Weg für angemessene Schutzmaßnahmen freizugeben.

Im Katastrophenfall Hitze könnten beispielsweise Krisenstäbe aktiviert, Arbeitsverbote ausgesprochen oder Evakuierungen vorbereitet werden. Eine ressortübergreifende Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsministerium, Innenministerium, Umweltbundesamt, Deutschem Wetterdienst, Katastrophenschutzbehörden und kommunalen Trägern ist nach Ansicht der Wissenschaftler ebenfalls unabdingbar.

Eine Zusammenfassung des Beitrags ist hier abrufbar: "Hitzedom in Deutschland und wie gut wir darauf vorbereitet sind", https://link.springer.com/article/10.1007/s00391-025-02459-9

Pressekontakt:

Bundesärztekammer
Samir Rabbata, presse@baek.de

KLUG - Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V.
Dr. Friederike von Gierke, presse@klimawandel-gesundheit.de


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Datum: 01.07.2025 - 15:28 Uhr
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