Medikamentenpreise steigen - Handelskrieg trifft Verbraucher
ID: 2184214

(ots) -
- Deutsche Pharmaindustrie besonders exponiert bei US-Exporten
- Atradius: bis zu 35 Prozent Umsatzeinbrüche
Drohende Zölle und eine Preisdeckelung auf Arzneimittel in den USA setzen die deutsche Pharmabranche zunehmend unter Druck. Mit 23 Prozent aller Exporte sind die USA wichtigster Einzelmarkt. "Es könnte zu einem Exportrückgang von bis zu 35 Prozent kommen", erklärt Nicole Bludau, Managerin Risk Services beim internationalen Kreditversicherer Atradius. Die Folgen: steigende Medikamentenkosten, Forschungsdefizite und Medikamentenknappheit.
Die Pharmaindustrie zählt grundsätzlich zu den robusteren Branchen der deutschen Wirtschaft. Doch die US-Zollpolitik könnte die stabile Lage ins Wanken bringen. Sollte es zu keiner Einigung mit den USA kommen und sollten wie geplant ab dem 1. August Zölle auf Medikamente und Pharmaprodukte Inkrafttreten, ist je nach Höhe möglicher Zölle mit deutlichen Preissteigerungen bei Arzneimitteln in Deutschland zu rechnen. "Unternehmen müssen mit drastischen Kosteneinsparungen auf die Zölle reagieren, um die steigenden Preise abzufedern", erläutert Nicole Bludau. In einem optimistischen Szenario könne es bei einem moderaten Preisanstieg von 10 Prozent bleiben - vorausgesetzt die US-amerikanischen Zölle belaufen sich auf 20 Prozent, während die Unternehmen gleichzeitig in der Lage sind ihre Kosten um 50 Prozent zu senken. Im schlimmsten Falle, bei Zollsätzen von 50 Prozent, könnten Medikamentenpreise um bis zu 30 Prozent ansteigen. Besonders problematisch: Durch steigende Preise könnte die Versorgungslage in einzelnen Segmenten angespannt bleiben, wenn Krankenkassen nicht mehr bereit sind, höhere Preise mitzutragen. "Am Ende ist die Situation kein Handelskonflikt zwischen Ländern, sondern fördert das Dilemma der Krankenkassen, die sich schon jetzt in einer schwierigen Situation befinden und geht letztendlich zu Lasten jedes Patienten", mahnt Nicole Bludau.
Im Extremfall könnten aufgrund der Zollpolitik bis zu 35 Prozent der US-Exporte wegfallen, was deutliche Umsatzrückgänge zur Folge hätte. Besonders für forschungsintensive Unternehmen wäre das eine ernste Belastung. Denn geringe Margen bedeuten weniger Investitionsspielraum für Forschung und Entwicklung. "Wenn Hersteller weniger verdienen, fehlt ihnen das Kapital für Innovationen, was langfristig den Pharmastandort Deutschland schwächt und letztlich zu einer geringeren Versorgungssicherheit führt", so Nicole Bludau. Zudem denken viele Pharmaunternehmen über eine Verlagerung ins Ausland nach, um Kosten zu reduzieren. Jedoch sind zahlreiche Forschungsgelder an den Standort Deutschland gebunden. Ein Abzug würde somit zu weiteren Forschungsdefiziten führen.
Ungewisse Zukunftsplanung
Viele große Pharmahändler schätzen sich derzeit als krisenfest ein. Doch vor allem mittelständische Unternehmen mit starkem US-Fokus stehen unter Druck. Bereits heute haben wir einen hohen zweistelligen Anteil an Unternehmen aus der Branche unter erhöhter Beobachtung. "Wir sehen derzeit keine grundsätzliche Schieflage in der Branche. Aber einige Unternehmen müssen sich auf deutliche Umsatzverluste einstellen, sollten Trumps Ankündigungen Realität werden", so Nicole Bludau. Noch sind die Meldungen über Zahlungsausfälle überschaubar, doch das könnte sich schnell ändern.
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Datum: 10.07.2025 - 10:00 Uhr
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