WDR und KSTA exklusiv: Missbrauchsbetroffene des Beirats der Deutschen Bischofskonferenz zeigen Köl

WDR und KSTA exklusiv: Missbrauchsbetroffene des Beirats der Deutschen Bischofskonferenz zeigen Kölner Kardinal Woelki an (Sperrfrist 18 Uhr!)

ID: 2186070
(ots) - Ein Gremium der Deutschen Bischofskonferenz fordert vom Papst Schritte gegen den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Es handelt sich um dem Beirat von Betroffenen sexualisierter Gewalt angesiedelt bei der Bischofskonferenz, der eine kirchenrechtliche Anzeige gegen Woelki eingereicht hat. Die Anzeige liegt dem WDR und dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ exklusiv vor.

In der Anzeige des bundesweiten Betroffenenbeirats heißt es, man habe jegliches Vertrauen verloren, dass unter Kardinal Woelkis Leitung Missbrauchstaten ohne Rücksicht auf die Täter aufgeklärt werden. Aufarbeitung im Erzbistum Köln scheine vor allem dem Selbstschutz des Kardinals zu dienen.
„Für uns als Betroffene“, heißt es in der Anzeige, „ist das Verhalten des Kardinals nicht nur unerklärlich. Sein offensichtlicher Mangel an Einsicht in eigenes Fehlverhalten und schwere Versäumnisse ist auch schmerzhaft und retraumatisierend.“
Die Sprecherin des Betroffenenbeirats, Katharina Siepmann, sagte dem WDR: „Letztendlich hoffen wir, dass die Zuständigen in Rom und auch der Papst ein solches Verhalten des Kardinals für unzumutbar halten und intervenieren“.
Damit wendet sich ein offizielles Gremium der Deutschen Bischofskonferenz gegen Woelki und fordert erstmals Papst Leo XIV. auf, eine Untersuchung durch den Vatikan einzuleiten. Die kirchenrechtliche Anzeige stützt sich auf Ermittlungsergebnisse der Kölner Staatsanwaltschaft. Die hatte ein Meineids-Verfahren gegen ihn im Mai zwar gegen Zahlung einer Geldsumme eingestellt. Die Staatsanwaltschaft kam aber zu dem Schluss, Woelki habe fahrlässig die Unwahrheit gesagt und gegen Sorgfaltspflichten verstoßen.
In der kirchenrechtlichen Anzeige heißt es dazu: „Die Staatsanwaltschaft stellte als juristisch gesichert fest, dass Kardinal Woelki an Eidesstatt sowie unter Eid mit der religiösen Eidesformel (‚So wahr mir Gott helfe‘) ‚objektiv unwahre’ Angaben zu seinem Umgang mit mutmaßlichen bzw. erwiesenen Fällen von sexuellem Missbrauch gemacht hat.“


Dass der Kardinal sich als unschuldig darstelle und die Kölner Staatsanwaltschaft dem erst widersprechen müsse, sei bestürzend, schreiben die Betroffenen: „Als Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz erstatten wir daher in aller Form Anzeige gegen Rainer Maria Kardinal Woelki und bitten um die Einleitung einer kirchenrechtlichen Voruntersuchung“.
Am Ende der Anzeige betonen die Betroffenen noch einmal, dass durch die staatsanwaltlichen Ermittlungen nachgewiesen wurde, „dass der Kölner Erzbischof in unverantwortlicher und zugleich rechtswidriger Weise seinen Amtspflichten nicht nachgekommen ist.“
Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller kritisiert das Verhalten des Kölner Kardinals schon seit Jahren. Seiner Einschätzung nach, hat die Anzeige der Betroffenen durchaus Aussicht auf Erfolg: „Weil sie mit Bezugnahme auf die staatsanwaltlichen Ermittlungen in Köln nachweisen können, dass Kardinal Woelki grundlegende Dienstpflichten im Umgang mit Taten von sexualisierter Gewalt nach Kirchenrecht nicht sachgerecht bearbeitet und dementsprechend pflichtwidrig gehandelt hat.“
Schüller nannte im WDR-Gespräch als entscheidenden Punkt, „dass diese Anzeige tatsächlich den Schreibtisch des neuen Papstes, Leo XIV., erreicht, der ein ausgewiesener Kirchenrechtler ist und die ganze Causa Rainer Woelki sehr gut kennt.“

Die Pressestelle des Erzbistums Köln weist auf WDR-Anfrage die vorgebrachten Anschuldigungen des Beirats als „offenkundig haltlos“ zurück. Sie bauten „sicherlich unabsichtlich mangels besseren Wissens - auf einer Reihe falscher Annahmen und Behauptungen auf“.
Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft sei nicht geführt worden, um den Umgang mit Anzeigen möglicher Sexualstraftaten, der Meldung von Tätern und erst recht nicht um die Aufarbeitung von Missbrauchstaten aufzuklären, heißt es in der Stellungnahme des Erzbistums. Damit komme eine Anwendung der in der Anzeige erwähnten kirchenrechtlichen Normen nicht in Frage. Kardinal Woelki hätte sich gewünscht, dass die Verfasser mit ihm den kritischen Austausch gesucht hätten.

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