Frühe Hilfen sichern Selbstständigkeit / Bundesverband pflegender Angehöriger fordert: Finger weg von Pflegegrad 1
ID: 2195868

(ots) - Anlässlich des Tages der pflegenden Angehörigen am 8. September warnt der Bundesverband pflegender Angehöriger, wir pflegen e.V., vor aktuellen Überlegungen zu Leistungskürzungen in der sozialen Pflegeversicherung. Diskutiert werden unter anderem die Streichung des Pflegegrades 1 sowie eine Karenzzeit vor Leistungsbeginn. Solche Maßnahmen würden besonders diejenigen treffen, deren Unterstützungsbedarf gerade erst beginnt und bei denen präventive Vorsorge besonders wirksam wäre.
"Menschen mit Pflegegrad 1 verfügen häufig noch über ein hohes Maß an Selbstständigkeit, sind aber bereits von ersten Einschränkungen betroffen, zum Beispiel durch chronische Erkrankungen, beginnende Demenz oder Mobilitätsverluste. Mit dem monatlichen Entlastungsbetrag von 131 Euro können sie niedrigschwellige Angebote wie haushaltsnahe Dienstleistungen, Alltagsbegleitung oder Betreuungsangebote nutzen," erklärt Sebastian Fischer, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes. "Das ermöglicht ihnen nicht nur konkrete Unterstützung im Alltag, sondern auch den Aufbau eines Pflegenetzwerks in einer Phase, in der die Versorgung noch nicht kritisch ist. Diese Hilfen wirken präventiv: Sie fördern Teilhabe, verhindern Vereinsamung und stabilisieren die häusliche Versorgung."
Ein Gutachten des IGES-Instituts im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums bestätigt, dass frühzeitige Unterstützungsleistungen das Potenzial haben, Pflegebedürftigkeit zu verhindern oder abzumildern. Werden diese Leistungen gekürzt, erhalten Betroffene Hilfe erst in fortgeschrittenen Phasen, in denen eine Rückkehr zur Selbstständigkeit kaum noch möglich ist. Frühzeitige Hilfen sind wirksamer, stärken Eigenverantwortung und sind langfristig auch kosteneffizienter.
Zur vorgeschlagenen Karenzzeit, die von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) ins Spiel gebracht wurde, äußert sich Sebastian Fischer deutlich: "Das ist kurzsichtig und unverschämt. Anstatt, dass der Arbeitgeberverband vernünftige Vorschläge für eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf macht, um der Wirtschaft und seinen Mitgliedern dadurch auch wichtige Arbeitskräfte zu sichern, sollen pflegende Angehörige weiter in die Armut getrieben werden."
Eine solche Karenzzeit würde bedeuten, dass pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen im ersten Jahr sämtliche Kosten für Unterstützung, Entlastungsangebote und Pflege selbst tragen müssten, während sie gleichzeitig nur eingeschränkt erwerbstätig sein können. Schon heute tragen pflegende Angehörige erhebliche finanzielle Lasten, etwa durch Eigenanteile oder den Ausfall von Arbeitszeit. Würden in der Anfangsphase keinerlei Leistungen gewährt, würde sich das Risiko, in Armut abzurutschen, erheblich verschärfen.
"Wer an präventiven Leistungen spart, handelt unverantwortlich und gefährdet die Stabilität der häuslichen Pflege", betont Sebastian Fischer. "Die Abschaffung des Pflegegrades 1 oder die Einführung einer Karenzzeit wären ein gesundheitspolitischer Rückschritt. Statt Kürzungen braucht es jetzt ein klares Bekenntnis zu einem modernen, präventiv orientierten Pflegesystem."
Pressekontakt:
Lisa Thelen, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail: medien@wir-pflegen.net
Tel.: 030 4597 5750
https://wir-pflegen.net/
Original-Content von: wir pflegen e. V., übermittelt durch news aktuellWeitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 05.09.2025 - 17:38 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2195868
Anzahl Zeichen: 3528
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:
Berlin
Kategorie:
Soziales
Diese Pressemitteilung wurde bisher 573 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Frühe Hilfen sichern Selbstständigkeit / Bundesverband pflegender Angehöriger fordert: Finger weg von Pflegegrad 1"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
wir pflegen e. V. (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der Bundesverband pflegender Angehöriger, wir pflegen e.V., fordert zu Beginn der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, CSU und SPD am 13. März 2025 einen Paradigmenwechsel und eine grundlegende Neugestaltung der Pflegeversorgung des Landes. "Die Koalitionspartner müssen jetzt ein klares S
Pflegende Angehörige entlasten. Wirtschaft und Fachkräfte sichern ...
Millionen pflegende Angehörige in Deutschland stehen vor einer kaum zu bewältigenden Doppelbelastung: Sie pflegen einen nahestehenden Menschen und sind gleichzeitig berufstätig. Doch die bestehenden gesetzlichen Regelungen reichen nicht aus, um Pflege und Beruf gut zu vereinbaren. Die Folge: Viel
Pflegeversicherung: 30 Jahre ohne echte Entlastung für pflegende Angehörige ...
Zur Bundestagswahl 2025 fordert der Bundesverband pflegender Angehöriger, wir pflegen e.V., die Parteien auf, die Pflegeversicherung radikal zu erneuern. Denn zum 30-jährigen Bestehen der Pflegeversicherung zieht der Bundesverband eine ernüchternde Bilanz: Die ursprünglich gesetzten Ziele der Pf
Weitere Mitteilungen von wir pflegen e. V.
"Speisen für Waisen": Hilfsaktion startet mit Kundgebung vor dem Reichstag - Solidarität mit Kindern in Kriegs- und Krisengebieten ...
Mit einer bewegenden Kundgebung vor dem Deutschen Bundestag hat am 4. September die bundesweite Hilfsaktion "Speisen für Waisen" begonnen. Bereits zum 14. Mal ruft Islamic Relief Deutschland unter dem Motto "Gemeinsam essen, gemeinsam helfen" zum Mitmachen auf. In diesem Jahr lÃ
Reimann: Wieder keine positiven Nachrichten für Beitragszahlende ...
Zu den aktuellen Äußerungen von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken zur Finanzentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung und zum Bundeshaushalt bemerkt die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann: "Ministerin Warken hat die schwierige finanzielle Lage von G
Erdbeben Afghanistan: Johanniter helfen mit zwei mobilen Kliniken/ In der Provinz Kunar übernehmen sie die medizinische Versorgung und behandeln täglich bis zu 200 Menschen. ...
Auch fünf Tage nach dem Erdbeben konnten noch immer nicht alle Dörfer der betroffenen Provinzen Kunar und Nangarhar erreicht werden. Schwere Nachbeben, wie in der vergangenen Nacht, verschärfen die Situation zusätzlich. Trotzdem machen sich tagtäglich Helferteams teils zu Fuß auf den Weg in di
"Geschichte trifft Ehrenamt" / Museumsfest am 28. September im Deutschen Feuerwehr-Museum in Fulda ...
"Ein Museum muss nach draußen gehen, sich zeigen - und vor allem auch den Blick ins Jetzt und nach vorne wagen" - mit diesen Worten lädt der Leiter des Deutschen Feuerwehr-Museums (DFM) in Fulda, Bernd Müller-Strauß, zum diesjährigen Museumsfest am Sonntag, 28. September, von 10 Uhr b




