Gaza, Gendern, Migration: Umfrage zeigt gefühlten Meinungsdruck der Deutschen
ID: 2203079

(ots) -
- Repräsentative Readly-Umfrage: 49,7 Prozent der Deutschen fühlen sich häufig in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt
- Starke Unterschiede nach Region, Partei und Alter: Ostdeutsche, AfD-Wähler:innen besonders betroffen
- Heikle Themenfelder: Migration & Asyl, Israel-Gaza & Antisemitismus, Geschlechtsidentität & Gendern, Ukraine-Krieg und Klimakrise
Im internationalen Ranking der Pressefreiheit vom Reporter ohne Grenzen e.V. (RSF) landete Deutschland in diesem Jahr erstmals außerhalb der Top 10 . Und auch im Privaten haben viele Menschen das Gefühl, ihre Meinung zu bestimmten Themen nur schwer äußern zu können. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue, repräsentative Umfrage* der digitalen Magazinplattform Readly (https://de.readly.com): Fast jede:r Zweite (49,7 Prozent) gibt an, häufig oder eher häufig das Gefühl zu haben, die eigene Meinung nicht frei äußern zu können.
Empfinden unterscheidet sich nach Region und Lebenssituation
Die Meinungsfreiheit ist in Deutschland in Art. 5 Absatz 1 GG fest verankert und wird tagtäglich im Privaten, der Presse oder auf Demonstrationen praktiziert. Die aktuelle Umfrage zeigt jedoch: Viele Menschen haben das Gefühl, ihre Sicht in politischen oder gesellschaftlichen Debatten nicht frei äußern zu können. Rund die Hälfte der Befragten berichtet von dieser Wahrnehmung. In Ostdeutschland erreicht die Gruppe der 40- bis 49-Jährigen mit 82,2 Prozent den Spitzenwert - fast doppelt so viele wie im Westen. Rund ein Drittel der Befragten (34,3 Prozent) gab hingegen an, nie das Gefühl zu haben, ihre Meinung in politischen oder gesellschaftlichen Debatten nicht frei äußern zu können.
Parteibindung prägt Empfinden besonders stark
Am stärksten ausgeprägt ist das Gefühl eingeschränkter Meinungsfreiheit bei den Anhänger:innen der AfD: 85,5 Prozent geben an, häufig oder eher häufig diese Erfahrung zu machen. Auch beim Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) liegt der Anteil mit 77,7 Prozent sehr hoch, bei der FDP sind es 62 Prozent. Unter den Anhänger:innen von CDU/CSU äußern 41,4 Prozent, dass sie sich in ihrer Meinungsäußerung eingeschränkt fühlen, bei der Linken sind es 38,2 Prozent. Am niedrigsten ist der Wert bei der SPD: Dort berichten nur 18,7 Prozent der Befragten von diesem Gefühl. Dass gerade die Wähler:innen der AfD besonders häufig von Einschränkungen sprechen, ist kein Zufall, wie Marie-Sophie von Bibra, Geschäftsführerin Readly Deutschland, erklärt: "Die Meinungsfreiheit ist in Deutschland rechtlich gesichert. Doch wir erleben im öffentlichen Diskurs zunehmend hetzerische oder menschenfeindliche Positionen, die sich bewusst abseits des rechtlichen Rahmens bewegen. Dieses Spannungsfeld kann den subjektiven Eindruck vieler Menschen, sich nicht mehr frei äußern zu können, verstärken."
Heikle Themen im Fokus
Gefragt nach den Bereichen, in denen es besonders schwerfällt, die eigene Meinung offen zu äußern, nennen die Befragten vor allem die Migrations- und Asylpolitik (48,9 Prozent). An zweiter Stelle folgt der Israel-Gaza-Konflikt und Antisemitismus (31,4 Prozent), dicht gefolgt von Geschlechtsidentität und gendergerechter Sprache (21,8 Prozent). Auch der Krieg in der Ukraine (20,2 Prozent) sowie die Klimakrise (17,1 Prozent) werden häufig als sensible Themen genannt. Insgesamt verteilt sich die Sensibilität über Ost- und Westdeutschland hinweg gleichmäßig. Eine Ausnahme bildet dabei die Frage nach dem Ukraine-Krieg: Hier empfinden im Osten deutlich mehr Menschen (26,3 Prozent) als im Westen (18,5 Prozent), dass es schwierig ist, ihre Sicht frei zu äußern - ein Unterschied, der sich historisch erklären lässt. "Die Ergebnisse zeigen deutlich: Es geht nicht um eine reale Einschränkung der Meinungsfreiheit, sondern um das subjektive Erleben in aufgeheizten Debatten. In Zeiten, in denen sich viele Menschen zurückhalten, spielt Journalismus eine entscheidende Rolle als Schutzraum für freie Meinungsäußerung. Wer unterschiedliche journalistische Perspektiven liest, gewinnt nicht nur Fakten, sondern auch das Vertrauen, sich offen und respektvoll an schwierigen Diskussionen zu beteiligen", so Bibra.
*Die repräsentative Online-Erhebung wurde im Juli 2025 vom Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag von Readly durchgeführt. Befragt wurden 2.500 Personen in Deutschland. Mehrfachantworten waren möglich.
Pressekontakt:
Katharina Braun
+49.17662778200
katharina.braun@readly.com
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Datum: 06.10.2025 - 13:13 Uhr
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