Hendrik Streeck: "Ein leichtsinniger Moment reicht schon" / Warum es angesichts immer gefährlicherer Substanzen ein Frühwarnsystem braucht, erklärt der Drogenbeauftragte in der "Apotheken Umschau"
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(ots) - Im vergangenen Jahr sind in Deutschland 2.137 Menschen an illegalen Drogen gestorben. Was sagt diese Zahl über die deutsche Drogenpolitik? "Sie zeigt vor allem, dass unsere Drogenpolitik leider sehr reaktiv ist - nicht proaktiv", klagt der Virologe Prof. Dr. Hendrik Streeck, seit Mai Beauftragter der Bundesregierung für Drogen- und Suchtfragen. Der Markt entwickle sich sehr schnell, es tauchten immer neue, potentere synthetische Substanzen auf, gleichzeitig sei die junge Generation erschreckend risikofreudig, so Streeck im Interview mit dem Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau".
Jeden Tag sechs Tote wegen illegaler Drogen
Jugendliche können heute ganz leicht über Telegram, im Internet oder Darknet Drogen nach Hause bestellen. "Leider laufen wir diesen Entwicklungen bislang viel zu oft nur hinterher", sagt Hendrik Streeck. "Wir brauchen ein besseres Monitoring und ein Frühwarnsystem - idealerweise in Echtzeit: Wenn neue Substanzen oder Mischungen auftauchen, sollten Warnungen an Polizei, Rettungskräfte, Suchthilfe und auch an die Konsumierenden selbst gehen." So wüssten sie, dass Heroin zum Beispiel immer öfter mit Nitazenen gestreckt wird - synthetische Opioide, die etwa 500-mal stärker wirken als klassisches Heroin. Auf diese Weise könnten viele Todesfälle verhindert werden, so Streeck. Rein statistisch sterben jeden Tag sechs Menschen am Konsum illegaler Drogen, und hinter jedem einzelnen steht ein trauriges Schicksal.
Als Arzt kennt Hendrik Streeck viele Menschen, die durch Drogen langfristige gesundheitliche Schäden erlitten haben - etwa dauerhafte neurologische Probleme. "Bei harten Drogen reicht oft ein leichtsinniger Moment, und man ist für sein Leben gezeichnet. Darüber wird noch immer viel zu wenig gesprochen, auch hier brauchen wir mehr ehrliche Aufklärung", fordert Streeck. Es gebe gute Argumente, die Mittel für Drogenprävention aufzustocken: "Jede Sucht und jede Abhängigkeit, die wir vermeiden können, zahlt sich um ein Vielfaches aus. Eine Studie zeigt: Ein Euro in der Suchthilfe führt zu 17 Euro Ersparnis im Gesundheitswesen."
Cannabis kann Psychosen auslösen
Gerade mit Blick auf die Cannabis-Freigabe braucht es nach Streecks Ansicht mehr Geld für Aufklärung. Seit anderthalb Jahren ist Cannabis legal - seine Bilanz? "Als Regierung haben wir ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Auswirkungen der Legalisierung unter anderem auf das Konsumverhalten und den Schwarzmarkt zu prüfen." Die ersten Daten kommen jetzt im Oktober, die nächsten im Frühjahr. Aus Streecks Sicht ist vieles möglich: von der Rückkehr zu einem Verbot auf der einen Seite bis hin zu kontrollierter Cannabisabgabe auf der anderen Seite. "Bei allem müssen wir aber berücksichtigen: Cannabis kann gerade in jungen Jahren Psychosen auslösen und ist mit Risiken verbunden. Ärztliche Beratung sollte auf jeden Fall einen viel höheren Stellenwert bekommen."
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Datum: 08.10.2025 - 08:00 Uhr
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