Sparwut statt Qualität - Ingenieursmangel in Deutschland ist auch selbstverschuldet
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Die Unternehmensberater haben den Ingenieursmangel an den traditionellen Entwicklungsstandorten als Offshoring-Treiber ausgemacht. Allein in Deutschland könnten momentan 18.000 Stellen nicht besetzt werden. "Ob diese Entwicklung aufgehalten werden kann, hängt zum einen davon ab, inwieweit es Deutschland gelingt, mehr Abiturienten zu einem Ingenieursstudium zu bewegen", sagte Thomas Goldbrunner, Mitglied der Geschäftsleitung von Booz Allen. Experten mahnen, dass Deutschland einige Anstrengungen unternehmen müsse, um einen negativen Trend abzuwehren. So müsse das Ingenieursstudium attraktiver gestaltet werden. Ausserdem empfehlen Fachleute eine deutliche Erhöhung der Ausgabe für Forschung und Entwicklung (F & E). Deutschland sei mit einem Anteil von rund 2,5 Prozent der F & E-Ausgaben am BIP noch weit entfernt von der Lissabon-Strategie der EU-Kommission, die bis 2010 einen Anteil von drei Prozent vorsehe.
"Die Öffentlichkeit nimmt dieses Problem nur sporadisch wahr", meint Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.de "Über die Situation bei Airbus ist beispielsweise in den Medien stark berichtet worden. Vielleicht lenkt dies wieder den Blick darauf, dass das Interesse der Schülerinnen und Schüler an naturwissenschaftlichen Fächern immer stärker zurückgeht. Hier ist der eigentliche Grund für den Nachwuchsmangel bei technischen Fächern zu sehen. Oft begegnen gerade auch die Pädagogen, die junge Menschen für neue Technologien begeistern sollten, den Bio-, Gen- und Informationstechnologien sowie den technischen angelegten Studiengängen und Berufen mit Ablehnung, kulturkritischer Skepsis oder Spott. Wenn Deutschland zu wenig Schüler hat, die Mathematik, Physik oder Chemie als Leistungskurs oder Abiturfach haben, dann muss man sich über zu wenig Ingenieure gar nicht erst beklagen."
Doch auch die Wirtschaft sei nicht ganz unschuldig an der gegenwärtigen Misere. Jahrelang hätten grosse Konzerne ihre Forschungsausgaben zurückgefahren. Zurzeit haben sie gerade einmal das Niveau der späten achtziger Jahre erreicht, berichtete Spiegel Online http://www.spiegel.de.
Auch die lange grassierende Sparwut und "Geiz-ist-geil"-Stimmung sei ein Grund für die derzeitigen Schwierigkeiten. "Vor zwei Jahren wurden überall die Budgets für IT eingefroren, und zwar einfach deshalb, weil alle anderen das auch machten. Das war eine einfache Kettenreaktion. Das musste kein Verantwortlicher seinem Vorstand erklären, da genügte es zu sagen: Die Konkurrenz macht das auch", so Nadolski. Mit Angstsparen komme man aber nicht weiter. Innovationen seien nur dann möglich, wenn Ausbildung und Forschung eine hohe Wertigkeit hätten. Und Qualität sei nun einmal ohne Kosten nicht zu haben.
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Datum: 11.08.2006 - 09:28 Uhr
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