Kommunale Wärmeplanung: Wärmewende läuft unrund und oft im Blindflug / Allianz Freie Wärme sieht BBSR-Basisstudie zur KWP als Weckruf an die Politik
ID: 2208403

(ots) - Die Wärmewende soll eine der größten Klimabaustellen Deutschlands schließen: Mehr als die Hälfte des Endenergieverbrauchs entfällt hierzulande auf Raumwärme und Warmwasser. Seit Anfang 2024 gesetzlich verankert, ist es Ziel der Kommunalen Wärmeplanung (KWP) Struktur in den Umbau zu bringen und Wege zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2045 aufzeigen. Eine jetzt veröffentlichte Basisstudie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zeigt erstmals, wo Deutschland tatsächlich steht - und offenbart große Unterschiede zwischen den Kommunen.
"Die Ergebnisse sind ein Weckruf an Politik und Verwaltung", sagt Andreas Müller, Geschäftsführer Technik beim Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) und Mitglied im Lenkungskreis der Allianz Freie Wärme. "Laut BBSR-Untersuchung weichen bisherige Wärmeplanungen deutlich im Umfang, in der Darstellung und in der Informationstiefe voneinander ab. Die Wärmewende wird vielerorts noch im Blindflug umgesetzt. Viele Wärmepläne beruhen offenkundig auf Szenarien, die wahrscheinlich so nicht eintreten - etwa beim zukünftigen Energiebedarf oder bei der Sanierungsquote. Wenn politische Vorgaben und Investitionsentscheidungen auf solchen vagen Daten basieren, erhöhen sich zwangsläufig die Risiken, die unmittelbar die Bürgerinnen und Bürger betreffen. Kommunen sollten ihre Wärmeplanungen noch stärker an realistischen Parametern ausrichten, um Fehlentwicklungen und -entscheidungen zu vermeiden."
Große Unterschiede, geringe Vergleichbarkeit
Für die Studie wurden 342 Wärmepläne - überwiegend aus Baden-Württemberg - untersucht. Das Fazit: Die Bandbreite in Methodik, Datenqualität, Bearbeitungs- und Informationstiefe ist enorm. Zieljahre reichen von 2030 bis 2045, die zugrunde liegenden Annahmen sind oft uneinheitlich. Rechnet man Verzögerungen und Genehmigungszeiten ein, bleiben real oft nur 15 Jahre - für die tiefgreifendste Infrastrukturumstellung seit Jahrzehnten. "Für konkrete Transformationsprojekte und eine bundesweite Steuerung ist das problematisch, die Ergebnisse sind nur eingeschränkt vergleichbar", erklärt Andreas Müller. "Hausbesitzer sollten jetzt die Heizungsmodernisierung angehen und nicht auf die lange Bank schieben, bis möglicherweise erst in den nächsten Jahren die Projekte aus der Wärmeplanung starten", empfiehlt er weiter.
Hinzu kommt: Viele Kommunen kalkulieren mit zu optimistischen Sanierungsraten im Gebäudebestand - im Schnitt mit zwei Prozent doppelt so hoch wie derzeit tatsächlich erreicht wird. Dadurch wird der künftige Wärmebedarf vielfach zu niedrig angesetzt, was Netze und Erzeugungskapazitäten später überfordern könnte.
Dezentral unterschätzt, zentrale Lösungen bevorzugt
Kritisch bewertet die Allianz Freie Wärme auch die Schwerpunktsetzung vieler Planungen. Während Wärmenetze nahezu automatisch und ohne wirtschaftlichen Systemvergleich als Kernelement der Wärmewende behandelt würden, bleibe das Potenzial dezentraler Lösungen - etwa moderner Wärmepumpen, Biomasseanlagen, Holzwärme, Erneuerbarer Flüssigbrennstoffe und Gase, hybrider Systeme oder Solarthermie - methodisch unterbelichtet. "Alle im §71 GEG genannten Erfüllungsoptionen werden aber in der Fläche entscheidend sein, um Klimaziele bezahlbar und flexibel zu erreichen", betont Andreas Müller.
Zeit, Geld und Kapazitäten als Engpass
Nach Einschätzung der Allianz Freie Wärme steht die Umsetzung der Wärmeplanung zudem vor massiven Herausforderungen: fehlende Fachkapazitäten, lange Genehmigungszeiten sowie hohe Investitionsbedarfe für Netze, Speicher und Gebäudemodernisierung. Damit die Wärmewende gelinge, brauche es realistische Zeitpläne, praktikable Standards und verlässliche Förderkulissen.
"Die Basisstudie zeigt einmal mehr, dass die Wärmewende nicht über unverbindliche Wärmepläne entschieden wird", so Andreas Müller. "Sie entsteht in den Gebäuden - und nur mit der Akzeptanz der Menschen und Unternehmen, die vor Ort in erneuerbare bzw. klimaneutrale Wärmeerzeugungsanlagen investieren. Das Gebäudeenergiegesetz erlaubt verschiedene klimafreundliche Heiztechnologien. Investoren sollten daher nicht auf die Wärmeplanung warten."
Für weitere Informationen:
BBSR-Basisstudie: Basisanalyse kommunaler Wärmepläne | Download (https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/analysen-kompakt/2025/ak-11-2025-dl.pdf?__blob=publicationFile&v=3) PDF
Allianz Freie Wärme: Kurzleitfaden Kommunale Wärmeplanung (2024) | Download (https://www.freie-waerme.de/news/pressetexte/news-detail/newsarticle/detail/News/kommunale-waermeplanung-waermewende-laeuft-unrund-und-oft-im-blindflug/) PDF
Pressekontakt:
Pressestelle Allianz Freie Wärme
Jürgen Bähr
Telefon: +49 2247 9001 811
presse@freie-waerme.de
Facebook | LinkedIn | Threads | Bluesky
Original-Content von: Allianz Freie Wärme, übermittelt durch news aktuellWeitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 30.10.2025 - 11:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2208403
Anzahl Zeichen: 5151
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:
Frankfurt
Kategorie:
Kommune
Diese Pressemitteilung wurde bisher 247 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Kommunale Wärmeplanung: Wärmewende läuft unrund und oft im Blindflug / Allianz Freie Wärme sieht BBSR-Basisstudie zur KWP als Weckruf an die Politik"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Allianz Freie Wärme (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die Allianz Freie Wärme begrüßt ausdrücklich die am 20. Mai vom Bundeskabinett verabschiedete Stellungnahme der Bundesregierung zum zehnten Sektorgutachten Energie der Monopolkommission. Die Bundesregierung teilt darin die Einschätzung der Monopolkommission, dass eine wettbewerbliche Ausgestalt
KWP: Haushalte haben beim künftigen Heizen sehr wohl die Wahl / Abwarten ist keine Pflicht - Heizungsmodernisierungen nach wie vor erlaubt ...
Viele Hauseigentümer fragen sich derzeit, wie sie künftig heizen dürfen. Dabei zeigt sich: Niemand muss auf die Ergebnisse der Kommunalen Wärmeplanung (KWP) warten, bevor eine neue Heizung bzw. Holzfeuerstätte eingebaut oder modernisiert werden kann. Darauf weist die Informationsplattform Allia
Teure Kalte Nahwärme Tübingen / Allianz Freie Wärme kritisiert Wärmenetzplanungen ohne tragfähige marktwirtschaftliche Vergleiche | Verbraucher stecken in Verträgen fest ...
Für "Kalte Nahwärme"-Projekte, immer wieder von Politik und Planern als vermeintliche "Königslösung" in Neubaugebieten vorgesehen, werden physikalische Gesetze und Regeln im Rahmen einer vorausschauenden, nachhaltigen Technik- und Wirtschaftlichkeitsberechnung offenbar nicht
Weitere Mitteilungen von Allianz Freie Wärme
Pressestatement zum Olympia-Bürgerentscheid ...
Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.: "Die bayerische Wirtschaft zeigt sich sehr erfreut über den positiven Ausgang des Bürgerentscheids über eine Olympiabewerbung der Landeshauptstadt München. Wir sind äußert zuversichtlich, da
Mitten im künftigen Quartier: Eigentümer schaffen Gesprächsraum in der Eschenpassage 60/ Fragen, Ideen, Austausch: Anlaufstelle für Information und Dialog zum "Quartier am Bahnhof" in Ta ...
Die Eigentümergemeinschaft des Projekts Quartier am Bahnhof eröffnet in der Eschenpassage 60 einen Gesprächsraum, der ab sofort als zentrale Anlaufstelle für Information und Austausch dient. In der aktuellen Phase der Quartiersentwicklung möchte die Eigentümergemeinschaft damit noch näher an
Baukonjunktur im August: Auftragseingänge halten Vorjahresniveau ...
"Nachdem wir im Vormonat einen deutlichen Zuwachs der Aufträge im Hoch- und Tiefbau verzeichnen konnten, halten die Order im August das Vorjahresniveau. Stützend wirken dabei Großprojekte. Es bleibt damit bei einer sehr volatilen Nachfrageentwicklung in diesem Jahr", kommentiert Felix P
Haase: Haushaltssituation weiterhin angespannt ...
Steuerschätzung schafft keine neuen finanziellen Spielräume Der Arbeitskreis "Steuerschätzungen" hat am heutigen Donnerstag seine Prognose der Steuereinnahmen von Bund, Ländern, Kommunen und EU vorgelegt. Dazu erklärt der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion,




