Rückschritt verhüten / Die DSW setzt ein unübersehbares Zeichen gegen die Vernichtung von Kontrazeptiva und für Selbstbestimmung
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(ots) - Verhütung ist Selbstbestimmung - aber längst keine Selbstverständlichkeit. Mit einer sechs Meter hohen Spirale und einem ebenso hohen Kondom machte die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) direkt vor dem Brandenburger Tor darauf aufmerksam, dass über 250 Millionen Frauen weltweit keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben und damit nicht selbstbestimmt entscheiden können, ob, wann und mit wem sie wie viele Kinder bekommen. Mühsam errungene Fortschritte auf diesem Gebiet sind aktuell nicht nur in Gefahr - es droht ein massiver Rückschritt. Dieser beginne "plötzlich und leise" sagte Masha Sedgwick, Berliner Autorin und Feministin, er beginne mit Zweifeln und Debatten, welche die internationale Politik zunehmend bestimmen.
Symptomatisch sind die aktuell in Belgien lagernden Verhütungsmittel im Wert von 9,7 Millionen US-Dollar. Ursprünglich dafür bestimmt, von USAID in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen verteilt zu werden, sollen sie nun auf Anordnung der US-Regierung vernichtet werden. Seit Monaten bemühen sich internationale Organisationen wie UNFPA, MSI Reproductive Choices oder Ärzte ohne Grenzen um die Herausgabe der Mittel. Die DSW hat gemeinsamen mit 16 anderen NGOs in einem offenen Brief Bundeskanzler Friedrich Merz, Außenminister Johann Wadephul und Entwicklungsministerin Reem Alabadi Radovan dazu aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass die Mittel zu den Menschen gelangen, die sie so dringend benötigten. Eine entsprechende Petition wurde bereits von 3700 Menschen unterzeichnet.
In vielen Regionen fehlen bereits heute essenzielle Gesundheitsprodukte. Die Vernichtung dringend benötigter Verhütungsmittel verschärft diesen Mangel zusätzlich. Laut Schätzungen des Guttmacher Instituts könnte der Einsatz der Produkte 362.000 unbeabsichtigte Schwangerschaften, 161.000 ungeplante Geburten und 110.000 unsichere Abbrüche verhindert.
"Die Vernichtung dieser Verhütungsmittel zerstört die Zukunft vor allem junger Frauen und Mädchen", erklärte Ludi Schlageter, Leiterin Advocacy Deutschland der DSW. "In Afrika südlich der Sahara sind Teenagerschwangerschaften an der Tagesordnung. Jede zehnte Frau bekommt ihr erstes Kind vor dem 18. Lebensjahr. Das bedeutet in der Regel, dass sie nicht mehr zu Schule gehen können, keine Chance auf eine Ausbildung oder einen eigenständigen Erwerb haben und der Weg in Abhängigkeit und Armut vorprogrammiert ist."
Dara Kaas, ehemalige Regionaldirektorin im US-Gesundheitsministerium und Vorstandsmitglied von Americans for Contraception verwies auf das enorme Gesundheitsrisiko von unbeabsichtigten Schwangerschaften, denen oft medizinisch unsichere Geburten oder Abbrüche folgten. Vor dem symbolträchtigen Brandenburger Tor forderte sie, die Mauern für Frauen einzureißen statt sie weiter hochzuziehen.
Durch die Schließung von USAID sind in der internationalen Familienplanung auf einen Schlag 600 Millionen Dollar pro Jahr verloren gegangen. Doch auch in den europäischen Budgets werden die Mittel gekürzt. Im Haushalt der Bundesregierung beispielsweise wird der Beitrag für UNFPA von noch 42,5 Millionen Euro 2024 für 2026 auf 28,4 Millionen Euro fast halbiert. Dabei konnten mit den deutschen Beiträgen allein im letzten Jahr über UNFPA 659.000 unbeabsichtigte Schwangerschaften verhindert und 525.600 Frauen und Jugendliche mit Sexualaufklärung und Gesundheitsdiensten erreicht werden.
Dabei bedürfte es in der aktuellen Situation eher einer Verdopplung, betont Schlageter. "Weltweit stellen ultrakonservative Kräfte die Selbstbestimmungsrechte insbesondere der Frauen immer mehr in Frage. Hier bedarf es nicht nur einer unverrückbaren, werteorientieren Politik, sondern auch verlässliche Investitionen sowie starke multilaterale Partnerschaften für den konsequenten Schutz sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechte - überall auf der Welt."
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Nicole Langenbach
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Datum: 11.11.2025 - 12:18 Uhr
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