Antibiotika richtig einnehmen / Antibiotikaresistenzwoche vom 17. bis 23. November: Mehr Bewusstsein für verantwortungsvollen Einsatz
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(ots) - Milchprodukte, Mineralwasser, Medikamente - vieles kann die Wirkung von Antibiotika beeinflussen. Mit ein paar einfachen Tipps lässt sich das vermeiden. Wie das funktioniert, verrät die Apothekerkammer Nordrhein.
"Generell lassen sich Antibiotika nicht über einen Kamm schweren", erklärt Kathrin Luboldt, Vizepräsidentin der Apothekerkammer Nordrhein. Mehr als 80 verschiedene Wirkstoffe kommen zum Einsatz, weiß die Apothekerin. Antibiotika bekämpfen Bakterien, indem sie diese abtöten oder ihr Wachstum hemmen. Sie wirken nicht bei Infektionen, die durch Viren verursacht sind, zum Beispiel eine klassische Erkältung oder eine Grippe.
"Es gibt einige Mineralstoffe, die viele Antibiotika beeinflussen", erklärt Luboldt. Im Zentrum der "Übeltäter" stehen Mineralstoffe, vor allem das Calcium. Dieses findet sich zum Beispiel in Milch und daraus verarbeiteten Produkten wie Joghurt, Käse oder Butter. Calcium verzögert oder verringert in vielen Fällen die Aufnahme von Antibiotika. "Sicherheitshalber empfehle ich, vor und nach der Einnahme mindestens drei Stunden auf Milchprodukte zu verzichten." Ähnliches gelte auch für Zitrusfrüchte, insbesondere Grapefruit.
Auch Aluminium, Eisen, Magnesium oder Zink vertragen sich oft nicht mit Antibiotika. Magnesium findet sich etwa in Präparaten gegen Wadenkrämpfe und Zink in vielen Produkten, die das Immunsystem unterstützen sollen. Auch bei Mineralwasser lohnt sich ein Blick auf die Menge der darin enthaltenen Mineralstoffe.
Kathrin Luboldt: "Nehmen Sie mehrere Medikamente ein? Dann fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker nach möglichen Wechselwirkungen mit Antibiotika und wann man sie einnimmt. Während die Liste der Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln eher kurz ausfällt, ist die Liste der Wechselwirkungen von Antibiotika mit anderen Medikamenten dafür umso länger." Das gilt zum Beispiel für ohne Rezept in der Apotheke erhältliche Arzneimittel gegen Sodbrennen, sogenannte Antazida. "Nimmt man diese zeitnah mit Chinolon- oder Tetracyclin-Antibiotika ein, verbinden sich die in Antazida enthaltenen Mineralstoffe mit ihnen zu schwer löslichen Substanzen. Die Wirkstoffe gelangen nicht mehr ins Blut, um dort gegen krank machende Bakterien zu wirken." Zu den am häufigsten betroffenen Antibiotika der beiden Gruppen zählen Doxycyclin und Tetracyclin sowie Ciprofloxacin, Levofloxacin und Moxifloxacin. Auch hier ist wie bei den Milchprodukten eine zeitversetzte Einnahme zu beachten: also nach der Einnahme des Antibiotikums mindestens drei Stunden warten, bis der Säureblocker angewendet wird.
Generell nimmt man Antibiotika wie viele andere Arzneimittel auch am besten mit einem Glas Leitungswasser ein. Im Gegensatz zu Mineralwasser enthält es weniger Mineralstoffe. Das minimiert mögliche Wechselwirkungen. Alkohol beeinflusst die Wirkung vieler Arzneimittel. Das gilt besonders für das Antibiotikum Metronidazol. "Hier darf man nicht nur während der Therapie, sondern auch noch einige Tage danach keinen Alkohol trinken", weiß Luboldt. Grund: Metronidazol verhindert, dass der Körper ein giftiges Abbauprodukt des Alkohols im Körper unschädlich macht. Zu den möglichen Folgen zählen ein roter Kopf, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und ein beschleunigter Herzschlag.
"Alle Antibiotika sind verschreibungspflichtig. Das hat einen wichtigen Grund", berichtet Luboldt. Nicht jedes Antibiotikum wirkt gegen jede bakterielle Infektion. Manche eignen sich besonders bei Blasenentzündungen, andere wiederum bei akuten Atemwegserkrankungen. "Nur die Ärztin oder der Arzt kann beurteilen, welches Antibiotikum im jeweiligen Einzelfall sinnvoll ist. Deshalb rate ich dringend davon ab, sich "für den Notfall" ein Antibiotikum in die Hausapotheke zu legen. Dieses wahllose Einnehmen nutzt im Zweifelsfall nichts, kann aber zu Resistenzen führen und somit Schaden anrichten."
Stichwort Resistenzen: Bakterien können "lernen", gegen Antibiotika unempfindlich zu werden. Das passiert zum Beispiel, wenn Patienten diese in zu geringer Dosis einnehmen. Oder wenn sie die Einnahme vergessen oder diese auf eigene Faust vorzeitig beenden. "Die dann überlebenden Bakterien sind dann resistent. Das Antibiotikum wirkt bei ihnen nicht mehr. Daher sollte man Antibiotika in der verordneten Dosierung einnehmen und immer so lange, wie von der Ärztin oder dem Arzt vorgesehen."
Einige Antibiotika gibt es in Form von Trockensäften. Es findet es sich mit einigen Hilfsstoffen als Pulver in einer Flasche. Vorteil: Dieses Pulver lässt sich gut lagern. Unmittelbar vor der ersten Anwendung füllt man die Flasche mit Wasser auf. Dadurch entsteht ein Antibiotikasaft. Wasser einfüllen - das klingt einfach. Aber wenn man zu wenig hineinfügt, bildet sich mitunter ein zäher Bodensatz. Er lässt sich nur schwer wieder aufschütteln. Die Flüssigkeit enthält dann zu wenig Antibiotikum und das Medikament ist unterdosiert. Manchmal lässt sich die Markierung, bis wohin man das Wasser einfüllen muss, nicht so gut erkennen. Gelegentlich bildet sich beim Schütteln auch ein Schaum, der das Abfüllen der richtigen Wassermenge erschwert. Die Apotheke vor Ort berät auch bei Trockensäften gerne zur richtigen Zubereitung, Lagerung und Anwendung. Viele, aber nicht alle Antibiotikasäfte müssen nach der Zubereitung im Kühlschrank aufbewahrt werden.
Und was macht man mit Antibiotikaresten? "Diese entsorgt man am besten über den Restmüll. Bitte nicht in der Toilette wegspülen oder in das Waschbecken kippen", mahnt Apothekerin Kathrin Luboldt. Antibiotika im Abwasser bereiten zunehmend Probleme. Unter anderem fördert dies zusätzlich die bereits bestehenden Resistenzen.
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Datum: 12.11.2025 - 15:54 Uhr
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